Ghost – Nachricht von Sam: eine der emotionalsten Filmliebesgeschichten als Musical

„Es ist faszinierend, Molly, die Liebe im Inneren, die nimmt man mit…Wir sehen uns.“
Diesen Satz sagte Sam (Patrick Swayze) zu Molly (Demi Moore) in dem Film „Ghost – Nachricht von Sam“ aus dem Jahr 1990 vom Regisseur Jerry Zucker. Ein Satz, der mir noch jetzt beim Schreiben Tränen in die Augen treibt. Es gibt Filme, die vergisst man nie. Es gibt Liebesgeschichten, die berühren einen immer und immer wieder.

Am Freitag, den 11. Mai 2018, hatte ich endlich die Gelegenheit dazu, die Liebe zwischen Sam und Molly nun als Musical im Theater des Westens zu erleben. Der Autor Bruce Joel Rubin, 1991 mit einem Oscar für sein Filmskript ausgezeichnet, hat auch das Buch für die Musicalfassung dieser emotionalen Liebesgeschichte geschrieben.

Bevor ich aber noch auf die Musicalfassung eingehe, hier noch einmal der Inhalt von „Ghost – Nachricht von Sam“ zusammengefasst:
Der Banker Sam Wheat und seine Freundin, die Künstlerin Molly Jensen, ziehen in ihre erste gemeinsame Wohnung. Beide lieben sich, doch kann Sam dies nie aussprechen, sondern will seine Liebe zu Molly eher mit Taten untermauern. Molly sagt Sam dagegen sehr oft, dass sie ihn liebt und will diese Worte endlich auch von ihm hören.
Eines Abends werden Sam und Molly auf dem Weg nach Hause von einem Straßenräuber überfallen und Sam wird dabei erschossen. Nach dem Schuss stellt Sam fest, dass er jetzt ein Geist ist, der seine Umwelt sehen und hören kann, aber von den anderen nicht mehr wahrgenommen wird. Im Krankenhaus trifft er auf einen anderen Geist, von dem er erfährt, dass Verstorbene als Geister auf der Erde bleiben, wenn sie noch eine Aufgabe erfüllen sollen.
Als Geist erkennt Sam, dass Carl, sein Kollege und bester Freund, der Auftraggeber für den Raubüberfall war und damit an seinem Tod eine große Mitschuld trägt.
Sam stand vor seinem Tod kurz davor, Carls dunkle Geschäfte aufzudecken. Nun ist seine große Liebe Molly unwissentlich in Besitz der Codes für Carls schwarzes Konto und damit in höchster Gefahr. Sam muss sie warnen und stößt auf Oda Mae Brown, eine Wahrsagerin und Geisterbeschwörerin, die als einzige Lebende ihn hören kann. Kann Oda Mae Brown Sam dabei helfen, Molly zu retten und Carl das Handwerk zu legen?

Ich habe nicht erwartet, einen zweiten Patrick Swayze auf der Bühne zu sehen, denn dies ist unmöglich. Mir war es wichtig, dass der Hauptdarsteller die Gefühle der Figur authentisch auf die Bühne bringen kann. Und dies gelingt Alexander Klaws, dem Darsteller des Sam, perfekt. Alexander Klaws verfügt über eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz und ich nahm ihm den ganzen Schmerz und die innerliche Zerrissenheit der Figur ab. Zudem hat er mich mit seiner kraftvollen Stimme an diesem Abend sehr beeindruckt.

Willemijn Verkaik spielt in dem Musical Molly. Auf den ersten Blick wirkt sie etwas bestimmend. Doch wenn sie singt, verwandelt sie sich in eine sehr gefühlvolle Frau, die schafft, mit ihrer Stimme und Gestik die Zerbrechlichkeit der trauenden Molly den Zuschauern zu vermitteln.
Obwohl ich den Ausgang der Geschichte kannte, habe ich trotzdem in dem Musical mit Willemijn Verkaik mitgefühlt, was für sie als Musicaldarstellerin spricht.

Auch Andreas Bongard hat mich in seiner Rolle des Carl an diesem Abend vollends überzeugt. Carl wirkt wie der perfekte Schwiegersohn, man ahnt nicht, wie berechenbar und kalt diese sympathische Person in Wirklichkeit ist. Diese äußere Unschuld und innere Skrupellosigkeit wurde von Andreas Bongard sehr glaubhaft verkörpert.

Marion Campbell gehörte zu dem heimlichen Star an diesem Abend und ließ mich vergessen, dass einst die große Whoopi Goldberg die Rolle der Oda Mae Brown gespielt hat.
Die Hellseherin Oda interessiert sich nicht für die Trauer ihrer Kunden und will nur ihr Geld. Erst mit Sam, den sie wirklich hören kann, ändert sich das und sie entwickelt Empathie für ihre Mitmenschen.
Marion Campbell kann jedoch nicht nur sehr gut schauspielern, sondern auch das Herz des Publikums mit ihrer voluminösen Stimme gewinnen.
Die Dialoge und Interaktionen zwischen Sam und der Hellseherin sorgten an diesem Abend für viele Lacher und nahmen dem Musical die Schwere der Geschichte.

Die Musik von Weltstar Dave Stewart (Eurythmics) und Glen Ballard (Autor von Michael Jacksons „Man In The Mirror“) zum Musical „Ghost – Nachricht von Sam“ ist eine gelungene Mischung aus Balladen und Popsongs. Und natürlich durfte an diesem Abend auch „ Unchained Melody“, ein nach dem Film gewordener Kultsong, nicht fehlen.
In 24 weiteren Liedern wurde diese tragische Liebesgeschichte musikalisch verarbeitet.

Das Bühnenbild wirkte zwar im Vergleich zu anderen Produktionen im Theater des Westens minimalistisch, doch standen somit die Musicaldarsteller und die Geschichte im Vordergrund. Auch meine Lieblingsszene im Film, die Töpferszene, wurde in das Musical integriert.

Mein Fazit: Alexander Klaws als Sam und Willemijn Verkaik als Molly schaffen ihren eigenen Zauber im Musical „Ghost – Nachricht von Sam“. Ihr Schauspiel wirkt sehr überzeugend, weswegen ich in vielen Szenen weinen musste. Die Interaktionen zwischen den Figuren Sam und der Hellseherin brachten mich jedoch sehr häufig zum Lachen.
Eine sehr gelungene Musicalfassung des Filmklassikers, die noch bis zum 7.Oktober 2018 im Theater des Westens läuft und ab Ende Oktober nach Hamburg zieht.

Weitere Informationen zum Musical:
https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/ghost-berlin.html?belboon=03424d08cc9f0478dd0050df,4524416,sid=0700ie6vjg5d
https://www.facebook.com/GhostDasMusical/

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© E. Günther

 

 

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Hairspray – das Broadway-Musical auf Tournee

„Hairspray“, das mit 31 internationalen Preisen ausgezeichnete und damit eines der weltweit erfolgreichsten Musicals aller Zeiten, befindet sich gerade auf Tournee und wir waren am Freitag, den 27. April 2018, Zeuge des Kultmusicals, das auf dem gleichnamigen Kultfilm (1988) von John Waters mit John Travolta basiert.

Doch wovon handelt das weltbekannte Musical?
Wir befinden uns im Baltimore des Jahres 1962. Die mollige Schülerin Tracy Turnblad hat nur einen Traum: Sie möchte einer der Stars in ihrer Lieblingssendung „Die Corny Collins-Show“ werden, in der auch ihr Schwarm, Sänger Link Larkin, auftritt. Aus diesem Grund geht sie zu dem offenen Casting der TV-Show. Doch viele Probleme stehen Tracy noch bevor: der Widerstand ihrer überfürsorglichen Mutter Edna Turnblad, die Ablehnung durch die strenge Produzentin Velma von Tussle und die Beziehung von deren Tochter Amber mit Link Larkin. Und als wäre das alles nicht genug, wird sie Zeugin der unfairen und alltäglichen Rassentrennung.
Schafft es Tracy, trotz aller Hindernisse ihren Traum zu verwirklichen und sich dabei trotzdem treu zu bleiben?
 
Die Hauptfigur des Musicals, Tracy Turnblad, muss man sofort in sein Herz schließen. Voller Optimismus und Lebensfreude kämpft sie nicht nur für ihre Liebe zu Link Larkin, sondern auch gegen alltägliche Vorurteile gegenüber übergewichtigen Menschen und gegen die zur damaligen Zeit in den USA präsente Rassentrennung. Beatrice Reece verkörpert hervorragend die Rolle der lebensbejahenden Tracy, die eine enge Beziehung zu ihren Eltern hat und niemals ihren Mut verliert, egal wie ausweglos die Situation zu sein scheint.
 
Neben Tracy gehört die Rolle der Edna Turnblad, perfekt umgesetzt von Uwe Kröger, zu meinen Lieblingscharakteren im „Hairspray“. Edna ist eine liebende Mutter und Ehefrau, die ihre Tochter vor einer öffentlichen Erniedrigung beschützen und deswegen ihr die Teilnahme am Casting verbieten möchte. Doch später unterstützt sie Tracy in allen Belangen, schließlich musste auch sie früher ihren Traum (Designerin) begraben und will ein ähnliches Schicksal ihrer Tochter ersparen. Liebe gepaart mit der notwendigen Dominanz, dies alles erkennt man in der Darstellung des Uwe Kröger.
 
Die Beziehung zwischen Tracy und Edna ist nur eine von vier Mutter-Tochter-Beziehungen im Musical. „Mama ich bin nicht mehr klein“ – das Lied der drei Töchter Tracy, Amber und Penny steht für die Emanzipation und Rebellion der Töchter und zeigt die Angst der Mütter vor dem zu schnellen Erwachsenwerden ihrer kleinen Prinzessinnen.
 
Während die Beziehung von Tracy und ihrer Mutter von Liebe und Unterstützung geprägt ist, sieht die Beziehung der Antagonistinnen Amber und Velma von Tussle Velma ganz anders aus. Die ehrgeizige und verbissene Ex-Schönheitskönigin Velma von Tussle, fantastisch gespielt von Isabel Varell, setzt ihre eingebildete und zickige Tochter Amber (eine sehr gute Besetzung mit Maja Sikora) permanent unter Druck und will aus ihr einen TV-Star machen. Beide Frauen zeichnen sich durch Vorurteile gegenüber molligen Menschen und Afroamerikanern aus und verfügen über keine Empathie.
 
Die quirllige Penny Pingleton (Devi-Ananda Dahm), Tracys beste Freundin, hört zum Missfallen ihrer Mutter, Prudy Pingleton, die „falsche“ Musik und verliebt sich dann auch noch in einen Afroamerikaner. Doch als ihre Mutter sieht, wie glücklich ihre Tochter ist, gibt sie ihr ihren Segen.
Devi-Ananda Dahm repräsentiert mit der Figur Penny Pingleton die Freundin, nach der wir uns alle sehnen: loyal und immer für einen da.
Angela Hunkeler hat mich mit ihrer Darstellung von gleich mehreren Figuren an dem gestrigen Abend begeistert. Egal, ob als Mutter Pingleton oder als rassistische Sportlehrerin, die weiße Schüler eindeutig bevorzugt, oder Gefängnissufseherin, in jeder Rolle geht die Darstellerin auf.
 
Die Inbegriff einer perfekten Mutter ist für mich Motormouth Maybelle, die ihre beiden Kinder zur Toleranz und Eigenständigkeit erzogen hat. Monica Lewis-Schmidt überzeugt in dieser Rolle und als Sängerin mit einer sehr kraftvollen Stimme.
 
Überhaupt ist die Musik von Mark Shaiman mit den Liedtexten von Scott Whittmann und Mark Shaiman (deutsche Fassung von Heiko Wohlgemuth) perfekt auf diese Geschichte abgestimmt. Der musikalische Mix aus Motown, Rhythm and Blues und Rock’n’Roll lädt den Zuschauer zum Mitgrooven und Mittanzen ein und transportiert die Lebensfreude der Hauptfigur auf die Zuschauerränge und das trotz der schwierigen und noch heute aktuellen Themen Rassentrennung, Vorurteile gegenüber Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal der Medien entsprechen, und die oberflächliche Mediengesellschaft.
 
Mein Fazit: Das Musical „Hairspray“ bleibt auch auf dieser Tournee ein Kult, denn die Darsteller sind sehr passend ausgesucht, die Musik ist funky und die Botschaft so aktuell wie nie zuvor. Egal, ob dick oder dünn, ob weiß oder schwarz – das alles spielt keine Rolle, denn jeder von uns verfügt über ein unglaubliches Potenzial. „Niemand stoppt den Beat“, solange wir alle zusammenhalten. Das Musical läuft noch bis Sonntag, den 29. April 2018, im Admiralspalast Berlin und zieht danach nach München weiter.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
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© E. Günther
 

Die große Andrew Lloyd Webber Musical Gala – eine Hommage an das musikalische Lebenswerk von Andrew Lloyd Webber

Es gibt Abende, die bleiben für immer unvergessen! Gestern war wieder so ein Abend, denn am Sonntag, den 18. Februar 2018, wurden wir auf eine musikalische Reise durch das Lebenswerk des Musicalgenies Andrew Lloyd Webber mitgenommen.

Zwei Stunden lang erlebten wir die emotionale Bandbreite der Musicals „Cats“, „Evita“, „Sunset Boulevard“, „Jesus Christ Superstar“, „Starlight Express“ und „School of Rock“, Webbers aktuellste Musicalschöpfung.
Zwar wurde auf die berühmten Kostüme (Katzenkostüme aus „Cats“, die Phantom der Oper-Maske) verzichtet, doch das Konzept des Regisseurs Jochen Sautter mit schönen Projektionen auf transparenten Vorhängen, einer effektvollen Lichtshow und farbenprächtigen Show-Kostümen ging vollkommen auf und ließ uns begeistert zurück.

Internationale Sänger mit einer voluminösen Stimme (Laurent N’Diaye, Natalie Bryant, Zac Hamilton, Lindsay Kearns, Jonathan Radford ) und acht singende und tanzende Musicaldarsteller sorgten mit weltbekannten Musicalhits wie „Memory“ und dem Phantom der Oper-Duett für Gänsehautmomente, begleitet wurden die Ausnahmesänger von einem 14-köpfigen Live-Orchester.
Am meisten stimmlich begeistert haben mich gestern Abend Natalie Bryant und Zac Hamilton.

Der singende Moderator Laurent N’Diaye führte durch das Programm und verband die einzelnen Musicalblöcke, die für bestimmte Gefühle standen: „Evita“ für Tragik, „Das Phantom der Oper“ für unerfüllte Liebe und „Sunset Boulevard“ für Lebensfreude.

Mein Fazit: Die große Andrew Lloyd Webber Musical Gala ist eine gelungene Hommage an das musikalische Lebenswerk von Andrew Lloyd Webber und berührt mit einzelnen Szenen der weltbekanntesten Musicals das Herz jedes Musicalliebhabers.

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/DiegrosseAndrewLloydWebberGala/

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© E. Günther

 

 

 

Richard O’Brien’s Rocky Horror Show – das schrillste Musical wieder auf Tournee

Strapsen, Konfetti, Wasserpistolen, Toilettenpapier – an was denkt Ihr da sofort? Richtig, an Richard O’Brien’s „Rocky Horror Show“, das Musical mit der verrücktesten und gleichzeitig liebenswertesten Fangemeinde.

Und nun tourt das audiovisuelle Musicalerlebnis wieder durch Deutschland und am Samstag, den 27. Januar 2018, habe auch ich den legendären Time Warp im fast auf den letzten Platz gefüllten Admiralspalast getanzt.
Die Fan-Community war genauso gut vorbereitet wie bei meinem letzten Besuch des Musicals vor vielen Jahren: Spielkarten, Zeitungen, Konfetti, Wasserpistolen, Toilettenpapier – alles hatte sie dabei. Wir gehörten zu den wenigen Fans, die an diesem Abend nicht verkleidet waren. Es versprach also ein schräger und kultiger Abend zu werden.
Der Erzähler an diesem Abend war Sky Du Mont, der charmante Gentleman unter den deutschen Schauspielern. Trotz der obligatorischen „Laaaaangweilig“- und „Buuuuuh“-Rufe, die jeder Rocky Horror Show-Fan perfekt beherrschen muss, blieb Du Mont charmant wie immer und bewies mal wieder mit seinem spontanen und schlagfertigen Humor, warum er zu den beliebtesten Schauspielern Deutschlands gehört.
Er begleitete uns durch die ausgefallenste Geschichte in einem Musical: Das frisch verliebte und verlobte Paar Brad und Janet bleibt in einer regnerischen Novembernacht mit ihrem Auto auf einer einsamen Landstraße liegen und gerät so in das Schloss des exzentrischen und sexbesessenen Dr. Frank’n’Furter vom Planeten Transsexuell der Galaxie Transylvania, der ihnen eine Welt der verbotenen Lüste zeigt, in der sie viel über sich selbst erfahren. Dort lernt das anfangs noch schüchterne Paar viele verrückte Lebewesen kennen, darunter auch den blonden und muskelbepackten Rocky, der von Frank’n’Furter in erster Linie zum sexuellem Vergnügen erschaffen wurde. Wo sind da nur Brad und Janet hineingeraten und können sie ihren Prinzipien und einander treu bleiben?
Die Musik berührte mal wieder jede Pore der eingefleischten Fans: Beim legendären Lied „The Time Warp“ schüttelten wir enthusiastisch unsere Hüften und sangen lautstark mit. Das emotionale Lied „I’m going home!“ entlockte mir die ein oder andere Träne. Es war ein ekstatischer Glam Rock-Abend!
Die treuen Fans wussten den ganzen Abend, was zu tun war, an welchen Stellen man die anderen Fans mit der Wasserpistole nass spritzen und wann man das Toilettenpapier zu werfen hatte. Wir kamen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Der Mitmachkult in diesem Musical findet man nirgendwo sonst so ausgeprägt.
Aber natürlich kann diese schrille Geschichte nur von einem hervorragend ausgesuchten Cast getragen werden und der Cast war bis in die kleinste Rolle perfekt zusammengestellt. Am meisten begeistert haben mich die Hauptdarsteller an diesem Abend: Gary Tushaw, Sophie Isaacs und Felix Mosse.
Für Gary Tushaw scheint die Rolle des exzentrischen Frank’n’Furter wie auf den Leib geschnitten worden zu sein. Mit seinen Strapsen und seinen langen Beinen wirkt der kühle Blonde diabolisch und verführerisch zugleich und überzeugte auch gesanglich in jeder Minute.
Sophie Isaacs hat mich an dem gestrigen Abend vollkommen in ihren Bann gezogen. Die Darstellerin hat nicht nur eine voluminöse Stimme, sondern überzeugt wie Felix Mosse auch darstellerisch. Beide verkörpern sehr glaubwürdig das unschuldige Paar Brad und Janet, das sich im Laufe der Geschichte sexuell befreit.
Das Musical präsentiert eine zeitlose Geschichte der sexuellen Befreiung und der körperlichen Selbstbestimmung. „Don’t dream it – Be it!“ Warum auch nicht?! Du darfst alles sein, was du dir erträumst.
Alles an diesem Musical ist ein Kult: die Fans, die begeistert mitsingen, mittanzen und mitspielen; die Ohrwurmlieder, die bizarre und vulgäre Geschichte und die Darsteller, die in ihren Rollen aufgehen. Das Musical ist ein Phänomen, das man wenigstens einmal in seinem Leben live erleben muss. Bis zum 10. Februar 2018 hast du im Admiralspalast dazu die Gelegenheit. Danach zieht das Musical nach Stuttgart und München weiter.
Weitere Informationen zum Musical:
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© E. Günther

 

Oh Dio Mio – die italienische Dinner-Musical-Komödie im Queens 45 BC

Nachdem ich in den letzten Tagen bereits eine Veranstaltung für mein Herz („Der kleine Prinz“), für meine Augen und Ohren („Ballet Revolución“), für meine Seele („Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“) besucht hatte, war es an der Zeit, meinen Gaumen und meine Lachmuskeln zu verwöhnen. Wie viele von Euch wissen, bin ich ein sehr großer Fan der italienischen Kultur. Ich liebe einfach Italien, die Menschen, die italienische Musik und natürlich das italienische Essen. Es musste also eine himmlische Fügung sein, dass ich am Freitag, den 29. Dezember 2017, die italienische Dinnershow „Oh Dio Mio“ besuchen konnte, denn hier wird alles, was ich an Italien liebe, in einer Show vereint.

Doch zuerst muss ich Euch genau den Veranstaltungsort vorstellen, in dem ich gestern zum ersten, aber ganz sicher nicht zum letzten Mal war:
Das Queens 45 BC ist eine originale 20-er Jahre-Eventlocation in Berlin. In der zugleich sehr edlen aber auch rustikalen Location werden Hochzeiten, Konferenzen, große und kleine Events und Workshops veranstaltet. Quenns 45 BC besteht aus einer rustikalen Berliner Destille mit einem großen Tresenbereich und verschiedenen Bildern aus den Goldenen Zwanzigern und den Dreißigern, darunter von Marlene Dietrich; einer Champagner Bar mit Kronleuchtern im Art-Déco-Stil und lederbezogenen Bänken, einem eleganten Grünen Salon mit Parkettboden und dem großen Saal.
In dem großen Saal, einem originalen 20-er Jahre-Ballsaal mit langen Tafeln, sehr hohen Decken und Kristall-Kronleuchtern fand auch unsere Show statt.

Um 18 Uhr, eine Stunde vor Showbeginn, wurden wir von einer freundlichen Servicekraft mit einer Fliege zu der schön gedeckten Tafel geführt. Wir saßen am Tisch 12 und hatten eine wundervolle Sicht auf die Bühne. Die Vorspeise, eine gegrillte Gemüse-Variation an Rucola-Salat, stand schon für jeden Gast bereit.
Nach der ersten Stärkung setzten wir uns mit der Abfolge des mediterranen Showmenüs des Chefkochs „Signore Matteo“ auseinander: In der Pause sollte es den Hauptgang, Pasta Duo (Penne Bolognese und Ricotta-Spinat Ravioli), geben. Nach der Show würden wir das Dessert Trio (Panna Cotta al Limone mit Mini-Cannolo und Praline) serviert bekommen.
Kurz vor der Show kam Claudio Maniscalco, der Ideengeber für die Show und der Texter der Showsongs, auf die Bühne, begrüßte das Publikum und stimmte es auf die Show ein.

„Oh Dio Mio“ handelt von dem Pfarrer Paolo, der aus dem Vatikan verbannt und in das kleine Dorf Monte Pellegrino strafversetzt wurde, weil er die vatikanischen Regeln nicht konsequent umsetzte. Dort begegnet Paolo Peppina seiner Jugendliebe, die einst sein Herz verschmäht hat und ihn aber jetzt zurückhaben möchte. Wird es ihr gelingen, das Herz des Pfarrers zu erobern? Und welche Rolle spielt dabei das Ehepaar Giuseppe und Isabella?

Padre Paolo wird sehr überzeugend von Claudio Maniscalco, dem Darsteller aus vielen beliebten TV-Formaten, verkörpert. Die Beichten der Dorfbewohner findet er langweilig, während die Beichten im Vatikan höchst interessant waren. Paolo ist nur Pfarrer geworden, um seine Jugendliebe Peppina zu vergessen. Und ausgerechnet jetzt begegnet er ihr. Als Zuschauer nimmt man ihm den inneren Konflikt ab, schließlich ist er nicht nur ein Pfarrer, sondern noch immer ein Mann.

Pascale Camele hat mich in ihrer Rolle der heißblütigen Peppina an diesem Abend begeistert. Sie spielt perfekt die verführerische und kokette Sirene, die mit allen Reizen, die eine Frau zu bieten hat, den „armen“ Paolo verführen möchte. Auch stimmlich beeindruckt Pascale Camele auf ganzer Linie, aber schließlich hat die Darstellerin auch schon viele namhafte Musicalrollen gespielt, darunter Sally Bowles im Musical „Cabaret“.

Das absolute Schmuckstück an diesem Abend war für mich Susanna Capurso, die vielen als Sabrina Scholz aus der „Lindenstraße“ bekannt ist. Sie geht in ihrer Rolle der temperamentvollen und eifersüchtigen Ehefrau Isabella auf. Stellt man sich eine typisch italienische Ehefrau vor, so hat man genau diese Figur vor Augen. Nach der Show musste ich daher meine persönliche Begeisterung der Musicaldarstellerin unbedingt mitteilen. In diesem kurzen Gespräch zeigte sich Susanna Capurso von einer sehr sympathischen Seite.

Für viele Lacher an diesem Abend sorgte Santiago Ziesmer in seiner Rolle des stellvertretenden Vize-Stellvertreters Giuseppe, der wie eine „lahme Ente“ läuft, seine Frau Isabella zwar liebt, aber ihre Kochkünste (und das von einer Italienerin) im Geheimen ablehnt. Der Name Santiago Ziesmer ist vielen ein Begriff, denn er ist nicht nur die Synchronstimme von Spongebob, sondern spielt auch in vielen Theaterstücken mit.

Die amüsante Handlung wird von einer vierköpfigen Live-Band musikalisch begleitet.
Zu dem Cannoli Quartett gehören: Tobias Bartholmeß/Bijan Azadian (Piano), Paolo Eleodori (Drums), Matthias Hlebaroff (Bass/Gitarre), Harald Bendzko (Saxophon/Flöte).
Die Kompositionen von Simon Bertling und Christian Hagitte passen zu der musikalischen Show wie die Faust aufs Auge.

Mein Fazit: Es war eine höchst amüsante Show mit überzeugenden Darstellern, einem gut zubereiteten mediterranen Essen, schönen Stimmen und passender Livemusik. Meine Lachmuskeln und mein Gaumen wurden ausreichend verwöhnt. Die Dinnershow könnt Ihr noch am Samstag, den 20. Januar 2018, um 19 Uhr im Queens 45 BC besuchen. Der Eintritt zur Show inklusive einem Drei-Gänge-Menü kostet 49 Euro.

Adresse: Queens 45 BC
Königin-Elisabeth-Strasse 45
14059 Berlin

Weitere Informationen zum Veranstaltungsort:
https://www.queens45.de/
https://www.facebook.com/queens45bc/

Zusätzliche Informationen zur Show:
https://www.italo-shows.de/

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© E. Günther

 

 

„Dirty Dancing“ – der Filmklassiker als Musical auf Tournee

 

„Ich habe eine Wassermelone getragen!“; „Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?“ – es gibt Sätze, die sich für immer in unser Gedächtnis eingebrannt haben. „Dirty Dancing“ – es gibt Filmklassiker, die für immer jede nachfolgende Generation begeistern werden. Baby und Johnny, es gibt Film-Traumpaare, die auch dreißig Jahre danach uns an die wahre und selbstlose Liebe glauben lassen.
Und jetzt ist dieser Filmklassiker, der das Herz jeder Frau dahinschmelzen lässt, auf Tournee und ich ließ es mir deswegen nicht nehmen, am Samstag, den 9. Dezember 2017, dieses Gefühl der Faszination noch einmal im Admiralspalast zu erleben.

Gleich zu Beginn konnten mir der Regisseur Alex Balga und die Autorin Eleanor Bergstein beweisen, dass meine Erwartungen in den nächsten zwei Stunden nicht enttäuscht werden. „Es war im Sommer ’63. Alle nannten mich Baby und irgendwie hat mir das gefallen.“ Ich verspürte in diesem Moment eine Art Gänsehaut, die nur eine Verliebte beim Anblick ihres Liebsten verspüren kann.

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass irgendjemand die Geschichte dieses großartigen Films nicht kennt, aber um sicher zu gehen, fasse ich diese hiermit kurz zusammen:
Die siebzehnjährige Frances Houseman, genannt „Baby“, verbringt im Sommer 1963 die Ferien mit ihren Eltern und ihrer Schwester Lisa im Ferienresort „Kellerman’s“. Dort lernt sie den aus armen Verhältnissen stammenden Tanzlehrer Johnny Castle kennen.
Johnnys Tanzpartnerin, Penny Johnson, wird nach einer Affäre mit dem Medizinstudenten Robbie, der im Resort als Kellner arbeitet, ungewollt schwanger. Nachdem dieser von Penny nichts mehr wissen will und bereits Interesse an Lisa zeigt, beschließt sie, aus Angst, durch eine Schwangerschaft ihren Job zu verlieren, das Baby abtreiben zu lassen. Da der Arzt, der die Abtreibung vornehmen soll, nur an einem bestimmten Abend Zeit hat, fällt Penny für einen wichtigen Tanzauftritt aus, und Baby springt für sie als Johnnys Tanzpartnerin ein.
In den Tagen vor dem Auftritt trainieren Baby und Johnny hart und kommen sich nach vielen Tanzstunden schließlich näher…

Wie nervös war ich doch vor dem Besuch des Musicals, dass die Darsteller mich enttäuschen könnten und wie erleichtert ich endlich war, als ich gemerkt habe, dass man für die Umsetzung eines meiner Lieblingsfilme keinen besseren Cast hätte finden können.
Baby wird einfach nur großartig von Anna-Louise Weihrauch verkörpert. Sie bewegt sich, sie spielt wie Jennifer Grey… und sie spricht genauso wie die deutsche Synchronstimme des Filmklassikers. Auf der Bühne erleben wir, wie aus der weltoffenen, aber sehr schüchternen und unsicheren Tochter des guten Hauses eine selbstbewusste Frau wird, die zu ihrer Liebe steht.

Luciano Mercoli hatte einen sehr schwierigen Part an diesem Abend: Denn wie soll man Johnny überzeugend darstellen, der für die Träume unzähliger Frauen steht? Sowohl vom Aussehen als auch vom Charakter her repräsentiert schließlich Johnny und der legendäre Patrick Swayze alles, was sich eine Frau wünscht. Und Luciano Mercoli gelingt perfekt die Umsetzung dieser Rolle. Zuerst ein arroganter Macho, der kein Interesse an Baby zu haben scheint, wird er immer mehr zum Wachs in ihren Händen, zu ihrem Liebhaber, zu ihrem Beschützer, zu ihrem Freund.

Die Figur Penny habe ich zunächst im Film nicht gemocht und konnte sie erst im Laufe des Films in mein Herz schließen, genauso wie im Musical. Marie-Luisa Kaster hat nicht nur dieselben langen Beine und tanzt atemberaubend schön wie im Film, sie überzeugt auch darstellerisch auf ganzer Linie.

Einer der lustigsten und unsympathischsten Figuren der Geschichte ist der Neffe des Besitzers der Pension „Kellerman’s“, Max Kellerman. Aufgrund seiner Herkunft und seiner Bildung hält er sich für etwas Besseres und glaubt, mit Floskeln bei Baby punkten zu können. Fritz Hille stellt diese Figur sehr authentisch dar und hat uns mit seinen vielen komischen Tanzeinlagen zum Lachen gebracht.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, der Cast des Musicals hat mich unfassbar begeistert. Von Lisa bis zu den Eltern waren alle Rollen hervorragend besetzt, sowohl was das Aussehen als auch die Darstellung der Rolle anging. Die einzelnen Szenen haben also zurecht einen tosenden Applaus bekommen.

Und auch meine geliebte Musik kam keineswegs zu kurz. „I’ve had the Time of my Life“, „Hungry Eyes“, „She is like the wind“ – alle Ohrwürmer fanden ihren Platz in der Geschichte. Konstantin Zander (spielt Johnnys liebevollen Cousin) und die Lead-Sängerin Tertia Bortha haben mit ihren kraftvollen Stimmen dieses Musical auch zu einem auditiven Erlebnis gemacht.

An die wilden und erotischen Tänze muss ich auch noch heute begeistert zurückdenken. Der Choreograph Gilian Bruce hat hier eine fabelhafte Arbeit geleistet – genauso wie Roberto Comottimit mit seinen sich ständig wechselnden und drehenden Bühnenbildern (Ferienanlage der Kellermans, die Angestelltenunterkunft etc.). Selbst meine geliebte Wasserszene, in der Johnny Baby die Leichtigkeit des Tanzens verdeutlichen möchte, wurde eingenaut, wenn auch anders als erwartet.
Auch die Kostüme (Jennifer Irwin) entsprechen den Kostümen im Film. Chapeau!

Mein Fazit: Es war ein wunderschöner Abend voller Magie, der Magie der wahren Liebe, die alle Grenzen überwinden kann, der loyalen Freundschaft und der Familie, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. Die perfekt ausgesuchten Darsteller, die wunderschöne Filmmusik, die detailgenauen Kostüme, die sinnlichen Tänze – all das wird Euch begeistern, egal ob Ihr Fan des Filmklassikers seid. Bis zum 17. Dezember 2017 könnt Ihr das Musical noch im Admiralspalast erleben. Danach zieht das Musical nach Frankfurt/Main weiter.

Weitere Informationen zum Musical:
http://www.mehr.de/en/musicals/dirty-dancing-das-original-live-on-tour/dirty-dancing-das-original-live-on-tour
https://www.facebook.com/Admiralspalast/

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© E. Günther

 

 

 

Zimt & Zauber – Die kleine Meerjungfrau, ein Musical für die ganze Familie

Wenn einen eine Show verzaubert, dann sollte man dieses Gefühl unbedingt noch einmal erleben und diesmal am besten mit der Familie. Nachdem ich im Jahr 2016 mit einer Freundin das Musical „Die Schneekönigin“ besucht hatte, entschied ich mich, dieses Jahr noch meine Nichte und ihre Mama mitzunehmen.
 
So nahmen wir zusammen am Sonntag, den 3. Dezember 2017, am diesjährigen Programm des Wintergarten mit dem CABUWAZI-Springling Kinderzirkus und den 28. Berliner Märchentagen – im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Zimt & Zauber“ – teil.
 
Beim Betreten staunten wir nicht schlecht, denn schon eine Stunde vor Showbeginn war das Foyer voll mit kleinen und großen Kindern, die dem Ruf des Wintergarten-Märchenzaubers folgten. Oder lag es vielleicht an dem weihnachtlichen Duft im Foyer? Das Foyer war wieder weihnachtlich geschmückt und bot alle möglichen Leckereien an: Muffins, Popcorn, Brezeln, Kuchen, Baggels.
Doch wir entschieden uns dazu, später im Zuschauersaal von der auf die Wünsche der kleinen Gäste abgestimmten Speisekarte zu probieren. Wie letztes Jahr wählte ich „Biene Maja“ (Eierkuchen mit Waldbeerenfüllung).
 
Um ca. 11 Uhr ging es los und wir tauchten gemeinsam in die magische Unterwasserwelt der kleinen Meerjungfrau ein. Wie letztes Jahr führte auch diesmal Fabian Gröger Regie und für die Idee und die Musik war wieder Bijan Azadian verantwortlich.
 
Zu der Handlung: Die kleine Meerjungfrau Annabelle, der ganze Stolz ihres Vaters, des Königs Triton, sehnt sich danach, ein Mensch zu sein. Dieser Wunsch wird dadurch verstärkt, dass sie sich in einen Prinzen, einen Menschen, verliebt. Und obwohl ihr Wegbegleiter Matti de NouNou sie beschützen soll und vor diesem Wunsch warnt, geht sie zu der Meerhexe Maren Malefikus, die ihr es ermöglicht, ein Mensch zu werden. Im Gegenzug bekommt sie dafür Annabelles Stimme.
Gelingt es der kleinen Meerjungfrau, den Prinzen auch ohne ihre Stimme von sich zu überzeugen? Kann ihr Vater den Zauberspruch brechen? All das erfährt der Zuschauer in der 1,5 Stunden dauernden Show.
 
Wie meine Blogleser bereits wissen, bin ich ein sehr großer Disneyfan und „Arielle, die Meerjungfrau“ gehört nach „Die Schöne und das Biest“ zu meinen Lieblingsdisneygeschichten. Aber da ich meine kleine Nichte diesmal dabei hatte, hatte ich Angst, die Geschichte könnte zu gruselig für sie sein. Doch die Veranstalter haben das Märchen im Wintergarten viel familien- bzw. kinderfreundlicher als Disney gemacht. Es war tatsächlich ein Spaß für die ganze Familie, ohne gruselige Momente. Stattdessen gab es in der farbenfrohen Show viele magische und lustige Momente, z.B. wenn der König Flaschenpost erhält oder Relvis der Live-Band Relvis und die Glips auf der Bühne die Hüfte schwingt.
 
Die Hauptdarsteller (Nicola Kripylo als die unschuldige Annabelle, Rafael Albert als der unbekümmerte Matti de NouNou, Heike Jonca als die rachesüchtige Meerhexe Maren Malefikus und Claudio Maniscalco als der liebende Vater und König Triton) verzauberten uns sowohl als Darsteller als auch Sänger.
 
Und wieder einmal schufen die 30 Nachwuchsartisten vom Kinderzirkus CABUWAZI-Springling mit ihrem Programm bestehend aus Leiter-Akrobatik, Einrad-Artistik, Luft-Akrobatik und einer Schwarzlichtshow ein besonderes Erlebnis.
 
Mein Fazit: Die märchenhafte Wintershow zaubert einem mit der herzzerreißenden Geschichte, der schönen Musik und den begabten Darstellern und Artisten ein Lächeln ins Gesicht. Am besten die Show mit der gesamten Familie besuchen! „Die Schneekönigin“ läuft noch bis zum 21. Januar 2018.
An den Adventssonntagen: 10.12., 17.12. jeweils 11:00 + 14:00 Uhr | sowie Do. 07.12., 14.12. jeweils 15:00 Uhr | Do. 21.12., Fr. 22.12., Mi. 27.12. & Do. 28.12. jeweils 13:00 + 16:00 | So. 14.01. & 21.01.2018 jeweils 11:00 + 14:00 Uhr
 
Weitere Informationen zur Show „Die kleine Meerjungfrau“:
 
Kontakt: Wintergarten Berlin
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
030 5884340
 
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© E. Günther

 

„Klassenkampf“ im Heimathafen Neukölln – das pädagogisch revolutionäre Musical in Berlin-Neukölln

Als Lehrerin weiß ich, dass das Wichtigste für die Schüler nicht Lernmethoden und Lernmaterialien sind, sondern die Persönlichkeit des Lehrers/der Lehrerin. Schon längst reicht es nicht mehr aus, nur 45 bzw. 90 Minuten für die Schüler da zu sein, eine gute Lehrkraft sollte ihre Zeit auch nach dem Unterricht in die Lerngruppe investieren.
Mit diesem Thema befasst sich unter anderem die Musical-Produktion „Klassenkampf“ von Constanze Behrends, die wieder ins Programm des Heimathafens Neukölln aufgenommen wurde.
Am 21. Oktober 2017 besuchte auch ich „Klassenkampf“, den Gewinner des Musical Theater Preises 2017 für das beste Buch und berichte Euch im Folgenden von meinen Eindrücken.
 
Zunächst zur Handlung des Musicals:
Seit sieben Jahren ist die Karl-Marx-Oberschule eine Baustelle mit vielen weiteren Problemen, darunter Kleinkriminalität, Drogen und Mobbing. 87 Prozent der Schüler sind nichtdeutscher Herkunft, was ein Problem für die mediengeile Direktorin darstellt, da sie bei 90% mit mehr Fördergeld und mehr Medienpräsenz rechnen könnte.
Die Interessen und die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Schüler werden in der Oberschule schon lange nicht mehr berücksichtigt. Das stinkt der Schülergruppe um den Rebellen Samir, die in einer „Arbeit-statt-Strafe-Initiative“ (ASSI) die Graffitis der Schule wegmachen soll, gewaltig. Sie fühlt sich von dem (Schul)System alleine gelassen. Durch den Kontakt mit der Hausmeisterin Frau Karl, einer in der DDR sozialisieren Rentnerin, erfahren die Jugendlichen mehr über die Ideen Karl Marx‘ und beschließen, diese in ihrer Schule umzusetzen. So übernehmen sie schlussendlich die Kontrolle über die Schule.
 
Die Direktorin Frau Eisner ist nicht nur pressegeil, ihr sind die Schule und die Schüler so ziemlich egal. Schon lange ist sie eifersüchtig auf die Medienpräsenz der Rütli-Schule (jetzt Rütli-Campus). Constanze Behrends spielt perfekt die kühle und selbstverliebte Blonde, der man jedes Wort abnimmt.
 
Selbstverständlich konnte ich mich als Lehrerin am meisten mit dem Sozialpädagogen Lars identifizieren, der sich für seine Schüler auch außerhalb des Unterrichts einsetzt und versucht, sie auf den rechten Weg zu bringen – weg von Kleinkriminalität und Perspektivlosigkeit. Der Schauspieler Tom-Veit Weber verleiht mit seiner schauspielerischen Art der Figur eine große Sympathie.
 
Der mit Drogen dealende Anführer Samir, der sehr authentisch von Walid Al-Atiyat aus dem Heimathafen-Jugendclub Active Players NK verkörpert wird, ist im Grunde seines Herzens doch nicht der gnadenlose Rebell, sondern kümmert sich zu Hause um seine kleinere Schwester und möchte einfach nur gehört werden.
 
Lodi Doumit gehörte zu meinen Lieblingsdarstellern an diesem Abend und stellt auf eine sehr überzeugende Art und Weise den Charakter Gülcan dar, die auf den ersten Blick grob und rebellisch wirkt, aber das Herz am rechten Fleck hat, was man an ihrer Freundschaft zu Rosa und ihrer Schwärmerei für den Sozialpädagogen erkennt.
 
Die Schülerin Rosa ist die Zerbrechlichste in der Gruppe, was sich auch in ihrer zarten Stimme widerspiegelt. Rosa leidet sehr unter der Scheidung ihrer Eltern. Doch Romina Küper zeigt uns nicht nur die zerbrechliche Seite der Figur, sondern auch die kämpferische und die lustige, z.B. als Rosa eine Rede der Schuldirektorin mit ausufernden Gebärden begleitet.
 
Zu den weiteren Schülern gehört der selbstbewusste Ali (Ugur Kaya), der die Coolness des selbstverliebten Machos über Bord wirft, wenn er vor Gülcan, seinem Schwarm, steht, und der schlaue Lex (Florian Bamborschke), den man aufgrund seiner Allwissenheit „Lexikon“ nennt und der aus Bosnien stammt. Im Gegensatz zu Lex haben sich aber seine Eltern in Deutschland nie integrieren können und ertränken ihren Frust in Alkohol. Seine Stärke findet er in seiner Beziehung zur Polin Rosa.
Beide Figuren sind Sympathieträger, was natürlich auch an der überzeugenden Darstellung der beiden Musicaldarsteller liegt.
 
Auch die Hausmeisterin Karl (Christiane Ziehl), die eigentlich ihre Zeit als Rentnerin genießen müsste, schließt das Publikum sofort in sein Herz. Sie kämpft für jeden einzelnen Schüler, vor allem für Samir, dessen Familie sie auch schon einmal privat geholfen hat. Ihr ist es zu verdanken, dass die Schüler zum ersten Mal von Kommunismus, von Marx‘ Ideen und von der DDR erfahren.  
 
Ein weiterer schauspielerischer Coup gelingt dem Heimathafen Neukölln mit der prinzipienlosen und sensationsgeilen Reporterin Hanna Köster (Britta Steffenhagen), die aus Ali in ihrem TV-Bericht einen islamischen Terroristen macht.
 
„Wir sind euch scheißegal / unser Elend nur ne Zahl / im Sekretariat / jetzt kommt das Proletariat!“ 
Die Schüler fühlten sich schon viel zu lange von ihrer Schule und allgemein von der Gesellschaft unterdrückt, jetzt schlagen sie zurück und fordern mehr Rechte für sich, das Proletariat, die ausgebeutete und unterdrückte Klasse. 
 
Die Musik von Tillmann von Kaler zu Lanzenheim passt wie die Faust aufs Auge zu den Schülern und ihren Geschichten. Zwar sind die Hip Hop-Lieder oft anklagend und erzählen von dem Schmerz der Schüler, doch immer auf eine ironische und lustige Weise. So wird z.B. ein Lied der DDR-Jugendorganisation FDJ umgedichtet. Die Schüler singen nicht mehr „Bau auf, Bau auf!“, sondern „Wach auf, Wach auf! Neue deutsche Jugend, wach auf!“ – eine Tatsache, die viele im Publikum zum Lachen brachte.
 
Mein Fazit: Das Musical sollte für jeden Berliner oder Berlin-Besucher ein Muss sein, nicht nur für Lehrer und Schüler. Zwar werden auf der Bühne viele ernste Themen angesprochen und besungen (Migration, AFD, DDR, Toleranz, Drogen, Mobbing, das Bildungssystem Deutschlands), doch immer ohne den moralischen Zeigefinger und mit sehr viel Witz und Sarkasmus. Das Musical könnt Ihr noch am Samstag, den 4. November 2017, und Sonntag, den 5. November 2017, besuchen. Die Karten kosten im Vorverkauf: 16 € (ermäßigt: 10 €) und an der Abendkasse: 18 € (ermäßigt:12 €)
 
Weiteres zum Musical:
 
Adresse: Heimathafen Neukölln
Karl-Marx-Straße 141
12043 Berlin
 
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© E. Günther (Text und Fotos)

 

 

CATS – die englischsprachige Musicallegende endlich auf Deutschlandtournee (Berlin, Frankfurt am Main, Baden-Baden, Bremen, Duisburg und Köln)

Das Musical „Cats“ des Ausnahmetalentes Andrew Lloyd Webber ist bis heute das erfolgreichste Musical aller Zeiten. Seit der Uraufführung im Jahr 1981 am New London Theatre haben weltweit 73 Millionen Zuschauer „Cats“ gesehen. Und endlich, endlich kam das Musical auf große Deutschlandtournee.
Wie konnte ich mir also dieses Großereignis entgehen lassen?!
Am Samstag, den 12. August 2017, nahmen wir aufgeregt Platz im Admiralspalast und konnten unsere gespannte Vorfreude kaum verbergen.
Das auf der ganzen Welt bekannte Musical nach der Regie von Trevor Nunn basiert auf dem 1939 veröffentlichten „Old Possum’s Book of Practical Cats“ (dt. „Old Possums Katzenbuch“), in dem der englischsprachige Lyriker und Dramatiker T.S. Eliot für seine Patenkinder Katzengedichte geschrieben hatte.
Um 20 Uhr wurden wir ohne Umschweife in das Leben der grazilen Lebewesen eingeführt: Auf einem nächtlichen Schrottplatz bei Vollmond feiern die Jellicle Cats auf einem jährlichen Ball sich selbst. Wie jedes Jahr soll der weise und gutmütige Old Deuteronomy (John Ellis), der Oberhaupt der Katzenfamilie, eine Katze bestimmen, die wiedergeboren werden und damit die Chance auf ein zweites Leben bekommen soll.
Im Folgenden werden die verschiedenen Katzencharaktere vorgestellt, die zu dieser großen Katzenfamilie gehören, darunter der attraktive Draufgänger und Casanova Rum Tum Tugger (John Brannoch), den alle Katzen verehren, das lebensbejahende Pärchen Mungojerrie (Joe Henry) und Rumpelteazer (Meg Astin), das nur Unsinn im Kopf hat, die wunderschöne White Cat (Sophia McAvoy) und der Zauberer Mistoffelees (Robbie McMillian).
Doch wie jeder im Zuschauersaal war ich am meisten berührt von Grizabella (Joanna Ampil), der Glamourkatze, die vor Jahren ihre Familie verließ und nun wieder in den Schoss ihrer Katzenfamilie aufgenommen werden will. Doch die Sippschaft meidet sie und so sind ihre Augen schwer vor Melancholie und Einsamkeit und sie versucht so wie in ihrer Jugend noch einmal zu tanzen, jedoch ohne Erfolg – eine berührende Szene.
Die Musik dieses legendären Musicals umfasst viele Genres, von Jazz bis Soul ist alles vertreten. Das von Grizabella gesungene Lied „Memory“ treibt einem Tränen in die Augen, während das Lied „Macivity“ einen ins Cabaret der Goldenen Zwanziger bringt. Die Lieder und die Musik gehen mitten ins Herz und bleiben noch lange im Ohr.
In jedem Musical lobte ich bis jetzt immer einen Musicaldarsteller besonders für seine gesangliche Leistung, jedoch nicht bei „Cats“. Bei „Cats“ überzeugt jeder mit seiner Stimme und verursacht öfters bei dem Zuschauer Gänsehaut. Manchmal dachte ich, dass ich am Broadway oder in einer Oper sitze.
Doch außer dem Singen müssen die Musicaldarsteller in diesem Musical so viel mehr können: Tanzen, Steppen, Akrobatik und Ballett – und das alles, während sie singen. Eine Glanzleistung der unglaublich talentierten Musicaldarsteller und der Choreografin Gillian Lynne.
Aber auch schauspielerisch überzeugen die Darsteller auf der Bühne, indem die Katzen mit ihrem Fauchen und Anschleichen sehr authentisch dargestellt werden, was aber auch den wunderschönen Kostümen des Designers John Napier zu verdanken ist.
Mein Fazit: Das Musical „Cats“ ist das beste Musical, was je im Admiralspalast gezeigt wurde! Jeder einzelne auf der Bühne verdient eine Auszeichnung, denn die Musicaldarsteller singen großartig, tanzen dabei sowohl grazil als auch schnell und gehen in ihren Rollen förmlich auf.
„Cats“ ist wegen der wunderschönen Darsteller und Kostüme nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein musikalisches Meisterwerk mit Ohrwürmern wie dem weltbekannten Lied „Memory“.
Bis zum 19. August 2017 gastiert das Musical noch in Berlin (Admiralspalast), danach zieht es weiter durch Deutschland (Frankfurt am Main, Baden-Baden, Bremen, Duisburg und Köln).
Weitere Informationen zum Musical:
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Text © E. Günther
Fotos © Alessandro Pinna

 

 

 

Der Hauptmann von Köpenick – ein geschichtsträchtiges Musical im Admiralspalast

Wer kennt sie nicht aus dem Deutschunterricht in seiner Schulzeit: die Tragikomödie von Carl Zuckmayer aus dem Jahr 1931?!
Heiko Stang hat diese nur auf den ersten Blick schwerfällige Geschichte als Musical auf die Bühne gebracht. Im Rahmen des Sommerfestivals SOFA kann man nun im Admiralspalast Zeuge dieses geschichtsträchtigen Musicals werden, das ich zur Premierenaufführung besucht habe und nun im Folgenden Euch vorstellen werde.
 
Doch zunächst zur Erinnerung die Handlung: Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Voigt, der weder Arbeit noch eine Aufenthaltsgenehmigung hat und das eine nicht ohne das andere bekommen kann, wird aus Verzweiflung wieder kriminell und bricht mit einem Freund in einem Polizeirevier ein. Dafür kommt er wieder ins Zuchthaus.
Als er nach zehn Jahren entlassen wird, versichert ihm der Direktor, dass die militärische Ausbildung, die er im Gefängnis erfahren hat, ihm eines Tages noch einmal von Nutzen sein werde. Voigt kommt bei seiner Schwester und deren Mann Friedrich Hoprecht unter. Doch Voigts erneuter Versuch, im Leben Fuß zu fassen, scheitert zum wiederholten Male. Er soll ausgewiesen werden.
Also kauft sich Voigt eine gebrauchte Hauptmannsuniform, hält eine Gruppe von Soldaten an, zieht mit ihnen zum Köpenicker Rathaus und nimmt dort den Bürgermeister gefangen. Voigt muss aber erkennen, dass es in dem Rathaus keine Passabteilung gibt, er sich also die dringend benötigte Bescheinigung dort nicht ausstellen lassen kann. Voigt bedient sich der Gemeindekasse und stellt sich der Polizei unter der Bedingung, dass er nach seiner Entlassung einen Pass enthält.
 
Am meisten als Schauspieler und Sänger hat uns an diesem Abend Maximilian Nowka überzeugt, der perfekt die Rolle des verzweifelten Kleinkriminellen Wilhelm Voigt darstellt. Gefangen in dem strengen Bürokratieteufelskreis wird er immer wieder kriminell, da ihm die Behörden in Preußen keine andere Alternative bieten. Am Ende erleben wir einen erstarkten Voigt, der sein neu gewonnenes Selbstbewusstsein der Hauptmannsuniform zu verdanken hat. Kleider machen eben doch Leute.
 
Bei den Frauen hat uns besonders Juliane Maria Wolff gefallen, die gleich mehrere Rollen spielt (wie viele Darsteller an diesem Abend), darunter Plörösenmieze und Liesken. Ihre freche Art und ihre dynamische Stimme bringen Frische auf die Bühne.
Aber auch Tobias Berroth, der Voigts Freund Kalle und Ina Wagler-Fendrich, die Voigts herzensgute Schwester Maria Hoprecht spielen, sind wie der gesamte Cast in ihren Rollen sehr überzeugend.
 
In dem Musical werden genauso wie in der Tragikomödie die Beamtenmentalität, die strenge Bürokratie (ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung und ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit) und die Hierarchien in einer Militärgesellschaft kritisiert, ohne jedoch ermüdend auf den Zuschauer zu wirken, denn es werden viele lustige Elemente auf die Bühne gebracht, z.B. der Harzer Käse Song „Deftig fein“.
Wer das historische und dennoch noch immer aktuell wirkende Musical besuchen möchte, hat noch bis zum 6. August 2017 dazu die Gelegenheit.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
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© E. Günther