Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ im Theater des Westens – Disneys erstes erwachsene Musical?

Als ich erfahren habe, dass der Theater des Westens, ein Garant für beeindruckende Musicals, das Musical „Der Glöckner von Notre Dame“ in sein Programm aufnehmen würde, war ich ganz aus dem Häuschen und konnte diesen Tag kaum mehr abwarten, schließlich bin ich ein sehr großer Musical- und Disneyfan und habe den Zeichentrickfilm von 1996 schon unzählige Male geschaut.
Am Freitag, den 21. April 2017, hatte das Warten endlich ein Ende und wir wurden Zeugen dieser einzigartigen Neuinszenierung von Peter Parnell, die sich sehr stark am Roman von Victor Hugo orientierte und unter der Regie von Scott Schwartz endlich wieder nach Berlin gebracht wurde.

 
Gleich beim Betreten des Zuschauersaales wurde uns klar, dass uns hier ein opulentes und gewaltiges Bühnenbild erwarten würde. Alexander Dodge transportiert hervorragend die düstere Atmosphäre von Paris des 15. Jahrhunderts auf die Bühne und schafft ein beeindruckendes Bild der weltbekannten Kathedrale mit ihrem Rosenfenster, einem gewaltigen Gerüst aus Holz und den riesigen sieben Glocken.
 
Eigentlich dürfte Quasimodos tragische Geschichte jedem bekannt sein, doch sei sie hier zur Sicherheit noch einmal wiederholt:
Claude Frollo, der strenge Erzdiakon der Kathedrale von Notre Dame, zieht Quasimodo, den entstellten Sohn seines verstorbenen Bruders und einer Zigeunerin, in der Kathedrale von Notre Dame auf. Da Quasimodo hässlich ist, darf er nur im Glockenturm wohnen und darf sich nicht der Öffentlichkeit zeigen. 20 Jahre später kann es Quasimodo nicht länger im Turm aushalten und widersetzt sich daher den Befehlen seines Onkels, indem er das jährliche Fest der Narren auf dem Marktplatz besucht, wo er aufgrund seiner Hässlichkeit einer unmenschlichen Tortur durch die Marktbesucher ausgesetzt wird. Er wird jedoch von Esmeralda, einer wunderschönen Zigeunerin, gerettet. Zwischen beiden entsteht eine tiefe Freundschaft, die bei Quasimodo zum ersten Mal das Gefühl der Liebe weckt.
Doch Quasimodo ist nicht der einzige, der sich in die schöne Esmeralda verliebt. Auch der Hauptmann Phoebus hat ein Auge auf die Zigeunerin geworfen. Aber viel gefährlicher als die Liebe Quasimodos und Phoebus‘ zu Esmeralda, erscheint Frollos Interesse für die Frau, da er in seinem Hass auf alle Zigeuner besessen ist.
 
Passend zu dieser tragischen Geschichte haben auch die beiden Musikgenies Alan Menken und Stephen Schwartz eine dramatische Musik geschrieben, die unter die Haut geht und oft Tränen in die Augen treibt. Dank der musikalischen Leitung von Bernhard Volk, der klaren Stimmen der im Folgenden genau vorgestellten Musicaldarsteller und dem stimmgewaltigen 24-köpfigen Chor (ORSO – Choral Society Berlin) hatte ich fast das ganze Musical über Gänsehaut.
 
Auch bei der Vorstellung ihrer Figuren geht die Stage Entertainment-Produktion diesmal andere Wege und wählt diesmal einen auktorialen Erzählstil. Die Charaktervorstellung wird durch alle Darsteller zusammen übernommen, was selbst denjenigen, die den Roman nicht gelesen und den Zeichentrickfilm nicht geschaut haben, einen detaillierten Einblick in die Handlung ermöglicht.
 
Neben der imposanten Musik bleibt Stage Entertainment aber wieder einer Sache treu: dem bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzten Cast.
Am meisten hat uns an diesem Abend der Musicaldarsteller Felix Martin in seiner Rolle des Claude Frollo, Erzbischof von Notre Dame, Ziehvater und Onkel von Quasimodo, überzeugt. Beeindruckend, wie Martin es schafft, die Rolle des skrupellosen, machtbesessenen und strengen Erzbischofs auszufüllen, der von seinem Hass auf Zigeuner besessen ist. Quasimodo hat er nie wirklich geliebt und sperrt ihn in den Mauern der Kathedrale ein, um sich selbst die öffentliche Demütigung zu ersparen. Seine spätere Zerrissenheit, weil er sich zu der Zigeunerin Esmeralda körperlich hingezogen fühlt, nahm ich dem Darsteller in jeder Sekunde ab.
 
Zurecht bekam David Jakobs als Quasimodo an diesem Abend den größten Applaus und Zuspruch. Jakobs kann nicht nur wundervoll singen, sondern spielt klischeefrei den unglücklichen und einsamen Buckligen, der nur Steinfiguren als Freunde hat. Die Rolle des entstellten und fast tauben Jungen wird von dem Darsteller sowohl körperlich als auch emotional perfekt umgesetzt.
Obwohl Quasimodo so viel Leid in seinem jungen Leben erfahren musste, hat er sich trotzdem seine Güte und Unschuld bewahrt, eine Tatsache, die mich im Musical oft zum Weinen brachte. So ist auch seine Liebe zu Esmeralda frei von Egoismus.
 
Auf Sarah Bowden habe ich mich vor dem Musical besonders gefreut, schließlich kannte ich sie bereits aus vielen anderen Musicalproduktionen. Und ich wurde von Sarah Bowden wieder nicht enttäuscht. Die schöne Zigeunerin Esmeralda spielt sie mit viel Leidenschaft und zeigt sie als eine auf der einen Seite starke und mutige, auf der anderen Seite einfühlsame und loyale Frau. Auch mit ihrer bewundernswerten Tanzleistung und ihrer kräftigen Stimme brilliert sie wieder auf der Bühne.
 
Ein weiterer schauspielerischer Coup gelingt der Musicalproduktion mit Maximilian Mann, der den Hauptmann Phoebus überzeugend spielt. Zunächst ein Mann, der nach dem Krieg endlich dem Vergnügen nachgehen möchte, entwickelt er sich im Laufe der Handlung zu einem ehrenhaften Mann, der für seine Prinzipien und seine Liebe kämpft.
 
Mein Fazit: Bei „Der Glöckner von Notre Dame“ handelt es sich um ein Musical, das auf allen Ebenen gelungen ist! Das Musical lebt von der darstellerischen, musikalischen und tänzerischen Glanzleistung seiner Darsteller, von dem opulenten Bühnenbild, von der emotionalen Musik und von einer dramatischen Geschichte, die keinen unberührt zurücklässt. Es geht um die Macht der Liebe, die alle Grenzen zu überwinden scheint, um die Akzeptanz von Andersdenkenden und Andersaussehenden, um Loyalität und Menschlichkeit, die Folgen des Krieges für den Einzelnen und ist somit so aktuell wie nie zuvor.
Allerdings sollte man bei einem Besuch mit kleinen Kindern vorher bedenken, dass die Atmosphäre im Musical oft düster ist und die Unmenschlichkeit der Gesellschaft in manchen Szenen auf eine extreme Art und Weise offenbart wird. Allen anderen kann ich dieses Musical uneingeschränkt empfehlen, denn „Der Glöckner von Notre Dame“ berührt das Herz jedes Musicalliebhabers.
Das Musical läuft noch bis zum 4. November 2017 im Theater des Westens in Berlin und zieht anschließend nach München weiter.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
 
Adresse: Stage Theater des Westens
Kantstraße 12
10623 Berlin
 
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© E. Günther

 

Daddy Cool – eine verbotene Liebe zur legendären Musik von Boney M. – das Boney M. Musical auf Deutschlandtournee

Meine Eltern haben in meiner Jugend die Musik der Band Boney M., die von 1975 bis 1988 38 Top-Ten-Hits hatte und über 55 Millionen Alben weltweit verkaufte, rauf und runter gehört, daher bin ich mit dieser Musik aufgewachsen. Aus diesem Grund habe ich natürlich voller Freude vernommen, dass 40 Jahre nach der Veröffentlichung des Ohrwurms „Daddy Cool“ das gleichnamige Musical, das vor elf Jahren in London Weltpremiere gefeiert hat, nun auch auf Deutschlandtournee kommt.

Am Freitag, den 10. Februar 2017, besuchte ich am ersten Tag des Berlin-Zwischenstopps die moderne Inszenierung von Frank Serr. Um 20 Uhr begann das Musical und es kam ein Mann im „Mambo No.5“-Stil auf die Bühne, der uns in die Welt des Musicals mitnahm und noch später eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielen sollte. Zur Geschichte des Musicals gibt es Folgendes zu schreiben:

Sunny, der seinen Vater nie getroffen hat, kommt mit seiner Mutter nach London und lernt dort das Mädchen Rose kennen. Zehn Jahre später treffen sich die beiden wieder und verlieben sich ineinander. Doch ihre junge Liebe steht unter keinem guten Stern, denn beide tanzen in zwei rivalisierenden Tanztruppen, Rose ist vergeben und auch die Mütter der beiden Jugendlichen scheint eine tragische Geschichte zu verbinden.

Zwei Stunden lang feierte das Publikum eine Party und sang oft bei den weltbekannten Hits der Band mit. Vor allem die Lieder „Sunny”, „Rivers of Babylon”oder „Rasputin“ kamen bei den Zuschauern gut an. Aber trotz der Partystimmung und den vielen Tanzszenen in glitzernden Kostümen kamen wichtige Themen nicht zu kurz: der Sinn des Lebens, die Suche nach der eigenen Identität, die große Liebe, die echte und falsche Freundschaft, falscher Stolz und die unterschiedlichen Muttertypen. Während Sunny eine liebe und umsorgende Mutter hat, ist Roses Mutter eine egoistische und rachsüchtige Intrigantin, die sich nicht für ihre Tochter interessiert.

Auch hat es mir sehr gut gefallen, dass auf der Bühne die Londoner Vielfalt gezeigt wurde. Wir sahen sowohl eine Frau im Hidjab als auch eine afrikanische Frau – die Widerspiegelung der Londoner Gesellschaft.

Und am Ende endete das Musical so, wie es begonnen hat: mit einer großen Party. Die Zuschauer standen von ihren Sitzen auf und tanzten alle ausgelassen zu einem Boney M.-Madley. Aus diesem Grund kann ich Euch das Musical, das am 11. und am 12. Februar noch im Admiralspalast läuft, empfehlen, denn auch 40 Jahre nach dem Evergreen „Daddy Cool“ ist die Musik noch präsent und von keiner Party wegzudenken. Zusätzlich zu Berlin spielt „Daddy Cool“ auch in anderen Städten in Deutschland:

http://www.daddycool-show.com/de/tourdaten/tourtermine/

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© E. Günther

 

„My fair lady“ in der Komischen Oper Berlin – ein Klassiker par excellence?

 

Die Sprechübung „Es grünt so grün, wenn Spaniens Gärten blühen“ ist bis heute auf der ganzen Welt bekannt und wird sofort mit dem umjubelten Musical „My fair lady“ in Verbindung gebracht. Und endlich kam Frederick Loewes Erfolgsmusical wieder nach Berlin.
Am Samstag, den 6. Januar 2017, besuchten wir das Musical nach dem Buch von Alan Jay Lerner. Wie vor jeder Aufführung in der Komischen Oper fand eine halbe Stunde zuvor in dem Foyer in der zweiten Etage eine Einführung in das Werk statt. Genauso wie das spätere Musical war auch diese Veranstaltung bis auf den letzten Platz gefüllt. In den 15 Minuten erfuhren wir sehr viele interessante Hintergrundinformationen zum Musical, von denen einige mir bereits aus meinem Profilkurs Englisch in der Schule bekannt waren.
Die literarische Vorlage zum Musical bietet das gesellschaftskritische Werk „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, das wiederum auf dem antiken Mythos des Bildhauers Pygmalion, der sich in eine von ihm aus Elfenbein selbst geschnitzte Traumfrau verliebt hat, beruht.
Nach der Informationsaufnahme gingen alle Besucher zu ihren Plätzen und freuten sich umso mehr auf das Musical in zwei Akten. Wir nahmen in der vierten Reihe Platz und hatten einen sehr guten Blick auf das folgende Bühnengeschehen.
Auf der Bühne befand sich ein kleines Grammophon, das im Folgenden ein wichtiges Element der Handlung bilden sollte, doch dazu später mehr.
Zur Handlung dieses musikalischen Evergreens sei Folgendes zu schreiben: Higgins, ein besessener Professor der Phonetik, wettet mit seinem Freund Oberst Pickering, dass er aus dem ungebildeten und vulgären Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Dame der Gesellschaft machen kann. Nach sechs Monaten soll sie jeder auf dem Diplomatenball für eine Prinzessin halten.
Andreas Homoki hält sich bei seiner Inszenierung exakt an die literarische Vorlage, nur spricht hier die Arbeiterklasse den Berliner Jargon, der sie von der englischen Upper Class sprachlich abgrenzt.
Ganz besonders freute ich mich im Vorfeld auf die weltbekannten Ohrwürmer des Musicals und wurde dank der musikalischen Leitung von Kristiina Poska und Peter Christian Feigel nicht enttäuscht. Lieder wie „Ich hätt‘ getanzt heut’ Nacht“, „Es grünt so grün“ und “Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht” wurden voller Inbrunst auf der Bühne gesungen und begleiteten mich noch nachts in meinen Träumen.
Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann war zwar ein wenig spartanisch, doch passte es sehr gut zum Musical, da man sich so besser auf die Handlung und die wundervollen Protagonisten konzentrieren konnte. Zwei Vorhänge in Gold und Blau-Gold ermöglichten einen Szenenwechsel auf der Bühne, bei dem uns Grammophone in verschiedener Größe präsentiert wurden. Der Einsatz der vielen Grammophone als Requisiten war hervorragend gewählt, denn schließlich stand hier die Arbeit eines Phonetikers im Vordergrund.
Auch die Kostüme von Mechthild Seipel waren sehr gut ausgewählt, denn sie machten den Gegensatz zwischen der Oberschicht mit ihren Roben und ihren großen Hütten und der
Arbeiterschicht, in der Latzhosen und Schiebermützen getragen wurden, in der Zeit um 1920 deutlich.
Aber das Musical lebte vor allem von seinem exzellenten Cast, der uns alle im Saal verzauberte.
Professor Henry Higgins wird von dem fabelhaften Max Hopp gespielt, der perfekt den sprachbesessenen Professor verkörpert. Für Higgins existieren keine Gefühle, nur die Sprache zählt. So quält er die arme Eliza und vergisst es, sie für ihre sprachlichen Erfolge zu loben. Da sich die Inszenierung an Shaws Vorlage orientiert, beschimpft Higgins manchmal Eliza mit sehr derben Ausdrücken (z.B. „Gassenschlampe“), was im Gegensatz zu seinem Bestreben, ein sprachlich hoch angesehener Mann zu sein, steht.
Higgins ist ein überzeugter Junggeselle, der noch nie eine Frau in sein Herz gelassen hat. So ist seine Frage „Warum kann eine Frau nicht so sein wie ein Mann?” -als Lied vorgetragen – symbolisch für seine Einstellung zu Frauen. Er ist ein Rationalist, der nur seine Liebe zur Sprache zum Ausdruck bringen kann. Doch am Ende stellt auch Higgins selbst fest, dass er doch nicht der gefühlskalte Mann bleiben will, für den immer die anderen gehalten haben.
Katharine Mehrling, die Eliza Doolittle-Darstellerin, hat mich von der ersten Minuten an begeistert. Zuerst sieht der Zuschauer in ihr nur ein Blumenmädchen in Latzhose und Karohemd, das derb spricht und berlinert und keine Manieren zu haben scheint, doch dann erkennt man ihr hartes Leben: Als Tochter eines Alkoholikers muss sie diesen immer finanziell unterstützen. Ihre vulgäre Sprache steht im Gegensatz zu ihrem großen Herz. Sie ist eine freche, aber ehrliche Frau.
Eliza will ihr Leben verbessern und aus sich etwas machen, so will sie für den Unterricht sogar selbst bezahlen, arbeitet sehr hart daran, sich sprachlich besser auszudrücken und lässt die Qualen, die der Sprachunterricht mit sich bringt, über sich ergehen. Auch die sprachlichen Rückschritte während des Pferderennens können sie nicht entmutigen.
Mehrling geht in ihrer Rolle auf und man nimmt ihr die Entwicklung zu einer starken Frau, die sich nun auch artikulieren kann, ab. Auch gesanglich hat sie mich sehr überzeugt.
Oberst Pickering (Christoph Späth) ist der Weiche von den beiden Herren und redet Eliza und dem Professor immer gut zu. Auf ihn kann sich Eliza verlassen, denn er sieht in Eliza nicht nur eine Marionette.
Zu weiteren Darstellern, die das Publikum begeistern konnten, gehörte Jens Larsen, der Darsteller von Elizas Vater, Alfred P. Doolittle. Elizas Vater ist ein Alkoholiker, der sich nichts aus dem Wohl seiner Tochter macht und diese sogar „verkauft“. Er lässt sich von Eliza aushalten und als es ihm finanziell gut geht, hilft er ihr nicht. Obwohl Larsen eine unsympathische Figur spielt, bekommt er neben den Hauptdarstellern den größten Applaus von den Zuschauern, was an seiner gesanglichen und schauspielerischen Leistung lag.
Mrs. Pearce (Christiane Oertel), Higgins‘ Hausdame, ist das gute Herz des Hauses. Trotz ihres strengen Auftretens steht sie der armen Eliza bei. Zu den weiteren Lieblingsfiguren im Musical gehört Mrs. Higgins (Susanne Häusler), die ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Sohn hat und sein dominantes Verhalten nicht nachvollziehen kann. Trotz ihrer anfänglicher Skepsis gegenüber Eliza, kann sich Eliza am Ende voll und ganz auf sie verlassen.
Aber auch die die Leistung von Freddy Eynsford-Hill  (Adrian Strooper), eher einer „Randfigur“ bei „My fair lady“, wird am Ende honoriert. Strooper kann nicht nur besonders gut singen, sondern spielt auch sehr überzeugend den verliebten Dandy.
In dem Musical prahlen zwei Gesellschaften aufeinander, die durch ihre Sprache und ihre Kleidung rigide voneinander abgegrenzt werden. So steht nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern die Kritik an der Herrschaft der Oberschicht, die sich für etwas Besseres hält. Will man in die Oberschicht aufsteigen, so muss man sich verbiegen und seinen Hintergrund verleugnen.
Auch das Wort „fair“ kann auf zwei verschiedene Weisen übersetzt werden. Zum einen bedeutet das Wort „schön“, zum Anderen steht „my fair lady“ auch für „meine Marktfrau“. Doch Eliza bemerkt richtig: Der Unterschied zwischen einem Blumenmädchen und einer Lady liegt nicht in dem Verhalten der beiden Frauen, sondern in dem Benehmen der anderen ihnen gegenüber.
Mein Fazit: Ich war von dem Musical mehr als begeistert, da hier alles zusammenpasst. Die Musik, die Handlung und die Darsteller ergeben ein grandioses Gesamtkunstwerk. Selbst die drei Stunden (mit Pause) wirkten nie zu lange, ein sehr gutes Zeichen! Das ganze Musical über hat das Publikum gelacht und euphorisch applaudiert, was an der Schärfe der Dialoge und an den vielen komischen Szenen im Musical lag.
„My fair lady“ ist ein Klassiker par excellence und muss von jedem Musicalliebhaber besucht werden. An folgenden Tagen könnt Ihr, nein müsst Ihr, dies machen: 13. und 15. Januar 2017, 18. und 28. Februar 2017, 11. und 19. März 2017, 1. und 15. April 2017
Kontakt: Komische Oper Berlin
Behrenstraße 55-57
10117 Berlin
030 47997400
Weitere Informationen:
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Text © E. Günther
Fotos © Iko Freese | drama-berlin.de

 

 

Zimt & Zauber – „Die Schneekönigin…und die Suche nach dem kleinen Glück“

An Weihnachten sollte man die Zeit im Kreise seiner Lieben verbringen und den Kleinen zeigen, dass Weihnachten kein reines Konsumfest ist. Dafür ist der Besuch des Familienmusicals „Die Schneekönigin…und die Suche nach dem kleinen Glück“ nahezu prädestiniert.
Hat der Wintergarten noch im letzten Jahr die Show „Aladin und die Wunderlampe“ aufgeführt, so steht in dieser Wintersaison die Schneekönigin auf dem Programm, bei den kalten Temperaturen draußen genau richtig.
 
Am Sonntag, den 20. November 2016, schaute ich mir mit einer Freundin das gemeinsame Programm des Wintergarten mit dem CABUWAZI-Springling Kinderzirkus und den 27. Berliner Märchentagen – im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Zimt & Zauber“ – an.
Schon das Foyer war weihnachtlich geschmückt und bot alle möglichen Leckereien an. Auch die Speisekarte im Saal war auf die Wünsche der kleinen Gäste abgestimmt: So konnte man das Nudelgericht „Pippi Langstrumpf“ oder die Bouletten „ Anna und Elsa“ bestellen. Wir, zwei Naschkatzen, orderten „Biene Maja“ (Eierkuchen mit Waldbeerenfüllung).
 
Und dann ging es schon los: Das Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen handelt von einer abenteuerlichen Reise, in der Anna ihren Freund Kai aus dem Eisschloss der Schneekönigin befreien muss. Über ein Jahr lang sucht Anna ihren Freund und überwindet dabei viele Hindernisse, um zum Eisschloss am kalten Nordpol zu gelangen. Auf der Reise durch die Welt lernt Anna viele verschiedenen Märchenwesen kennen, z.B. die kleine Schneedame Olivia, die Anna auf ihrer Reise begleitet.
 
Das Familienmusical nach der Regie von Fabian Gröger begeistert das große und das kleine Herz, denn es geht um wichtige Werte wie die wahre Freundschaft, Loyalität und Mut. Zur Musik von Bijan Azadian fiebern wir mit Anna und drücken ihr bei der Erfüllung schwieriger Aufgaben die Daumen. Die sechsköpfige Live-Band im Hintergrund, Polkageist, tut ihr Übriges, damit wir gute Laune bekommen.
 
Doch die Show lebt vor allem von ihren bezaubernden Darstellern und Artisten: Die sehr jungen Artisten vom Kinderzirkus CABUWAZI-Springling verdrehen mit ihren vielen Kunststücken dem Zuschauer den Kopf, und das in diesem Alter. Samuel Türksoy (Kai), Elvin Karakurt (Anna) und Jasmin Eberl (Schneedame) spielen wie „alte“ Hasen im Showgeschäft und überzeugen auch mit ihrer Authentizität. Doch am meisten begeistert waren wir von der wunderschönen Schneekönigin, die von Nina De Lianin hervorragend gespielt wurde.
Mein Fazit: Die Wintershow zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. Am besten die Show mit der gesamten Familie besuchen! „Die Schneekönigin“ läuft noch bis zum 22. Januar 2017.
Die Spielzeiten sind: So 11 und 14 Uhr; Do 15 Uhr (Ausnahmen: 27., 29.&30.12. – 13&16 Uhr).
 
Preise:
Kinder bis 14 Jahre: ab 12,00 Euro
Erwachsene: ab 17,00 Euro
Familienticket: 4 Personen ab 48,00 Euro
 
Weitere Informationen:
 
 
Kontakt: Wintergarten Berlin
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
030 5884340
 
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© E. Günther
 

Die Schöne und das Biest – meine Lieblingsdisneygeschichte endlich als Musical

Auf kein anderes Musical habe ich mich bisher so gefreut, wie auf das Musical „Die Schöne und das Biest“, denn diese Liebesgeschichte zählt noch immer zu meinen liebsten Disneygeschichten. „Die Schöne und das Biest“ ist der erste Zeichentrick, der in der Kategorie „Bester Film“ für den Oscar nominiert wurde. Zudem wurde die Zeichentrickproduktion mit fünf Grammys und zwei Academy Awards ausgezeichnet. Aus diesem Grund hatte ich natürlich auch sehr große Erwartungen an das Musical.
Am Freitag, den 9. Dezember 2016, war es endlich soweit und ich tauchte mit meinem Mann in die wunderschöne Disneywelt ein. Sofort fiel mir auf, dass in dem Publikum alle Generationen vertreten waren: Kleine Kinder mit ihren Eltern, Studenten und sehr viele ältere Damen und Herren warteten gespannt darauf, dass der rote Vorhang aufging. Dies bestätigte einmal mehr die Aussage, dass man für eine Disneygeschichte nie zu alt ist.
Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der diese hinreißende Geschichte nicht kennt, trotzdem werde ich zur Sicherheit diese an dieser Stelle kurz wiedergeben:
Weil der oberflächliche und egoistische Prinz Adam in einer kalten Winternacht einer alten Bettlerin keine Zuflucht in seinem großen Schloss gewährt, wird er von der Bettlerin, die in Wahrheit eine wunderschöne Zauberin ist, in ein hässliches Biest verwandelt. Erst wenn er lernt, wahrhaftig zu lieben und diese Liebe erwidert wird, wird der Fluch aufgehoben. Dies muss geschehen, bevor das letzte Blütenblatt einer verzauberten Rose fällt. Doch nicht nur Prinz Adam wird von der Zauberin verhext, seine gesamte Dienerschaft wird verflucht und fristet von nun an das Dasein von Haushaltsgegenständen. Eines Tages kommt die wunderschöne Belle, die auf der Suche nach ihrem geliebten Vater ist, in das Schloss….
Die 100 Beteiligten, darunter 21 Musiker und 41 Darsteller schaffen eine magische Welt auf der Bühne. Jede Szene aus dem berühmten Disneyfilm wird übernommen und mit viel Liebe auf der Bühne dargestellt. Dem Regisseur György Böh gelingt die Umsetzung dieser zauberhaften Welt perfekt. Die mit viel Liebe zum Detail erschaffenen Bühnenbilder von István Rósza zeigen die facettenreiche und farbenfrohe Welt des Films: Der Markt, der Wald und das Schloss – alles wird mit großem Aufwand rekonstruiert. Selbst die übergroße Bibliothek findet ihren Platz im Musical, indem sie von oben heruntergefahren wird.
Auch die Kostüme von Erzsébet Túri sind sehr detailgetreu. Belles gelbe Robe, in der sie mit dem Biest tanzt, raubt jeder Frau im Saal den Atem.
Zum Glück wird auch nichts an der gefühlvollen Musik von Alan Menken und den liebevollen Lyrics von Howard Ashman und Tim Rice geändert, wir hören jedes unserer Lieblingsstücke und werden verzaubert. Bei dem Lied „Sei hier Gast“ schunkelte jeder im Saal mit, bei dem wunderschönen Lied „Märchen schreibt die Zeit“ musste ich sehr oft meine Tränen wegwischen.
Auch der Cast ist sehr gut zusammengesucht worden. Die Darstellerin der Belle (Veronika Fekete-Kovács) verkörpert auf wunderbare Weise die Heldin meiner Jugend, mit der ich mich bis heute sehr gut identifizieren kann: Belle ist eine belesene junge Frau, die sich nicht für Äußerlichkeiten interessiert und deswegen den Avancen des arroganten Gaston nicht nachgibt. Ihre Liebe zum Vater bestimmt ihr Denken und Fühlen. Dies alles führt dazu, dass sie in ihrem Dorf von den anderen Mitbewohnern nicht verstanden wird. Schließlich führen ihr Mut und ihre Liebe zum Vater dazu, dass sie an einem unerwarteten Ort all das findet, wonach sie so lange gesucht hat.
Das Biest wird von dem Darsteller Norman Szentmártoni gespielt. Zuerst mürrisch, verzweifelt und unnahbar öffnet die hässliche Kreatur ihr Herz für die wunderschöne Belle und wird geduldig und liebevoll. Zum ersten Mal in seinem Leben stellt das Biest das Glück eines anderen Lebewesens über das Seinige.
Zuerst war ich bei der Figur des Gaston (Attila Németh) etwas skeptisch, da er keine schwarzen Haare wie im Film hat und keinen Zopf trägt, doch wurden meine Zweifel im Laufe des Musicals beseitigt. Genau wie den anderen zwei Hauptfiguren gelingt ihm die Umsetzung seiner Rolle, der Rolle des eingebildeten und nicht sonderlich intelligenten Mannes, fantastisch, was man auch am Schlussapplaus erkennen konnte.
Aber auch die anderen Darsteller sind fabelhaft und überzeugen mit der Darstellung unserer geliebten Disneyfiguren und mit ihrer Stimme: Der sprechende Kronleuchter Lumière (Ádám Bálint) mit seiner optimistischen Art und seiner Vorliebe für schöne Frauen bzw. Staubwedel begeistert alle im Publikum. Die sturre Stehuhr Herr Von Unruh (Tamás Földes) amüsiert den kleinen und großen Zuschauer. Aber auch die liebevolle Teekanne Madame Pottine (Lilla Polyák) mit ihrem Sohn und Belles Vater Maurice (Gergő Aczél), im wahrsten Sinne der verrückte Professor, erwärmen das Herz jedes Einzelnen im Saal.
Alle Darsteller spielen ihren Part perfekt und wickeln den Zuschauer mit ihrer Schauspielerei, ihren tänzerischen Einlagen und vor allem mit ihren Stimmen um den Finger.
Mein Fazit: Wir waren von den farbenprächtigen Bildern im Musical verzaubert. Jeder im Publikum hat sowohl gelacht als auch mit den Tränen der Rührung gekämpft. In der Musicalversion werden auch Werte wie Liebe auf verschiedenen Ebenen (Mann-Frau, Vater-Tochter, Mutter-Sohn) und Loyalität vermittelt. Diese magische Bühnenversion des beliebten Disneyfilms kann einen nicht kalt lassen und bringt einen zum Träumen. Dem „opulenten Märchenzauber, der die Liebe triumphieren lässt.“ (FAZ) kann man sich einfach nicht ohne Weiteres entziehen.
Wer diesen märchenhaften Charakter des Musicals selbst erleben möchte, der sollte sich beeilen, denn das Musical läuft noch bis zum 17. Dezember 2016 im Admiralspalast. Danach zieht das Musical weiter:
Zürich: Theater 11, 21.-31.12.2016
Wien: Stadthalle F, 04.-15.01.2017
Baden-Baden Festspielhaus, 19.-22.01.2017.
Kontakt: Admiralspalast
Friedrichstraße 101
10117 Berlin
030 22507000
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© E. Günther

„Sister Act“ im Theater des Westens

Wer kennt nicht den Film „Sister Act“ aus dem Jahr 1992, in dem uns Whoopi Goldberg alle zum Lachen und zum Mitgrooven brachte? Im Jahr 2006 folgte dann auch die langersehnte Uraufführung des Musicals in Kalifornien, bei dem Goldberg bis heute als Co-Produzentin fungiert. Und endlich kamen die Nonnen im Oktober 2016 auch nach Berlin.

Am Freitag, den 21. Oktober 2016, besuchten mein Mann und ich – wie jedes Musical im Theater des Westens – das Musical und im Folgenden erfahrt Ihr meine Meinung darüber.
 
Zwar dürfte jeder die Handlung kennen, doch sei sie zur Sicherheit hier noch einmal wiedergegeben:
Das Musical SISTER ACT handelt von der talentierten und ehrgeizigen Nachtclubsängerin Deloris van Cartier, die zufällig Zeugin eines Mordes – von ihrem Geliebten begangen – wird. Aus diesem Grund muss sie von dem Polizisten Eddie in einem Kloster versteckt werden.
Nach vielen Schwierigkeiten, sich an das Leben im Kloster zu gewöhnen, wird sie Leiterin des talentlosen Nonnenchores und begeistert sich für diese neue Aufgabe und die anderen Schwestern. Durch ihr Talent angezogen kommen auch immer mehr junge Menschen wieder zum Gottesdienst. Doch ihre wahre Identität droht aufzufliegen, da der Mörder und seine Handlanger ihr auf der Spur bleiben.
 
Neben der Änderung, dass der Polizist Eddie nun in Dolores verliebt ist, wird die Geschichte, die im Film 1991 in Reno spielt, ins Philadelphia des Jahres 1978 versetzt. Doch diese Disco-Ära gibt dem Ganzen noch mehr Pepp und Dynamik und zieht sehr viele lustige Momente nach sich, wenn z.B. in John Travolta-Manier getanzt wird. Und das Musical besticht durch sehr viele lustige Momente, noch nie habe ich in einem Musical so viel gelacht, übrigens wie das gesamte Publikum an dem Abend.
Es gibt sehr viele aktuelle Bezüge, die den Zuschauer zum Lachen bringen, z.B. der Hinweis auf die Köche Lichter und Lafer und die Tatsache, dass die Russen alle Immobilien (darunter auch das Kloster) aufkaufen würden.
 
Der Musical-Cast ist hervorragend ausgesucht: Aisata Blackman spielt sehr authentisch die Figur der ehrgeizigen und vulgären Deloris von Cartier, die durch ihre Affäre mit einem verheirateten Mann Gesangskarriere machen möchte und die Avancen des ehrenvollen Polizisten Eddie ignoriert. Im Kloster muss sie als Mary Clarence den neuen Erwartungen an sie entsprechen und muss sich keusch und bescheiden verhalten, was ihr nicht immer gelingt. Doch sie reift an der neuen Aufgabe und an ihren neu geschlossenen Freundschaften. Blackman überzeugt hier nicht nur als Schauspielerin, sondern auch durch ihre voluminöse Stimme.
 
Die Mutter Oberin wird im Musical von einer sehr bekannten Musicaldarstellerin verkörpert, von Daniela Ziegler. Sie repräsentiert auf überzeugende Weise alles, was Dolores auf den ersten Blick fehlt: Anstand und Ehre. Doch ihre Strenge dient nur dazu da, die Schwestern vor Gefahren der Außenwelt zu schützen und Gott zu dienen. Am Ende wird ihre Güte besonders deutlich.
 
In dem Film habe ich drei Lieblingsfiguren: die pummelige Mary Patrick, die schüchterne Mary Robert und die zynische Mary Lazarus.
Im Musical werden diese drei Rollen perfekt besetzt:
Die quirlige und dynamische Mary Patrick wird von der Darstellerin Maren Somberg gespielt, die es schafft, die unbändige Lebensfreude auch auf den Zuschauer zu übertragen.
Abla Alaoui verleiht der Figur der Mary Robert einen unglaublichen Charme. Ihre Entwicklung von dem schüchternen Mädchen zur selbstbewussten Frau, die sich auch gesanglich widerspiegelt, hat mich schon im Film begeistert. Alaouis Lied über genau diese Veränderung ist für mich gesanglich die größte Leistung im Musical und hat mir die eine oder andere Träne entlockt.
Mary Lazarus (Regina Venus) bringt uns auch im Musical durch ihre zahlreichen Gags zum Lachen. Die berühmte Rap-Einlage am Ende darf natürlich auch hier nicht fehlen.
 
Weiterhin sorgten auch folgende Figuren für Begeisterung beim Publikum, das am Ende die Darstellung des Castes im Stehen applaudierend honorierte:
° das geistliche Oberhaupt (Franz-Jürgen Zigelski), das durch seine liebenswerte Art die Herzen der Zuschauer gewinnt
° der Cop Eddie (Gino Emnes), der im Laufe der Geschichte seine Angst ablegt, in Marvin Gray-Manier auf der Bühne tanzt und sogar zur Waffe greifen kann
° und die Antagonisten in der Geschichte, Curtis (Mischa Mang), Joey und Pablo (Benjamin Eberling und Alessandro Francesco Pierotti).
 
Zur Musik sei Folgendes zu sagen: Entsprechend dem Handlungsverlauf wird sie in der zweiten Hälfte deutlich besser. In der ersten Hälfte bekommt das Publikum nur etwas von Blackmans Stimmvolumen mit, die anderen bleiben erst einmal stimmlich schwach, was der Geschichte des Films entspricht. Erst als Dolores am Ende des ersten Aktes die Leitung des Chores übernimmt, offenbaren auch die anderen Nonnen ihr gesangliches Talent, allen voran Abla Alaoui. Man darf aber von der Musik dieses Musicals keine Gänsehautmomente erwarten, denn hier zielt die Musik darauf ab, das Publikum zu unterhalten und Lebensfreude zu vermitteln.
 
Weiterer Pluspunkt im Musical stellen die Kostüme dar, die sehr schnell (auch auf der Bühne) gewechselt werden und die Entwicklung der Nonnen aufzeigen. Tragen die Schwestern am Anfang noch unscheinbare Ordenstrachten, so glitzern ihre Gewänder am Ende mit der Kirchenfassade um die Wette.
 
Mein Fazit: In dem Musical werden wichtige Werte wie Loyalität, Freundschaft und Liebe zu sich selbst und zu den Mitmenschen vermittelt und es wird gezeigt, dass der Glaube an Gott nicht einengend ausgelebt werden muss.
Das Musical ist für folgende Menschen konzipiert: für die Liebhaber des Films, für die Fans der siebziger Jahre und des Saturday Night-Feelings, für Menschen, die sehr gerne lachen und optimistisch denken. Wenn das auf dich zutrifft, dann hast du bis zum 26. Februar 2017 die Gelegenheit, das Musical im Theater des Westens zu sehen.
 
Weitere Informationen:
 
 
Adresse: Stage Theater des Westens
Kantstraße 12
10623 Berlin
 
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© E. Günther
 
 
 

Wildes Berlin – das Hauptstadtmusical im BKA-Theater

 Eine rappende Türkentaube und eine Gras rauchende Füchsin im Görlitzer Park? Ihr meint, dass das zu verrückt für ein Musical wäre? Verrückt ja, aber genau das Richtige für ein Off-Musical im für seine schrägen Shows bekannten BKA.

 Am Samstag, den 24. September 2016, besuchte ich das Musical, über das im Moment die ganze Stadt spricht, in dem für mich bis dato noch unbekannten Theater. Da für mich der Besuch in dieser bekannten Berliner Location ein Novum darstellte, werde ich zuerst ein paar Worte zu dieser künstlerischen Institution schreiben:
 
Die Berliner Kabarett Anstalt (BKA Theater) unter der Leitung von Rainer Rubbert und Uwe Berger besteht seit 1988 am Mehringdamm in Kreuzberg und ist eine Spielstätte für viele Formen der Kunst geworden: Theater, Kabarett, Improvisationstheater, Konzerte, Comedy und eben Musicals. Zudem hat man am Vormittag die Möglichkeit, englischsprachiges Kindertheater und jeden Dienstagabend die „Unerhörte Musik“, Deutschlands einzige wöchentliche Konzertreihe für Zeitgenössische Musik, zu besuchen.
Das BKA-Theater zeichnet sich durch eine loungige Atmosphäre aus, die durch die Auswahl der Musik im Hintergrund (Hip Hop, Rock, Charts) begünstigt wird. Man kann sowohl an einem Tisch der Show folgen als auch die hinteren Sitzplätze buchen.
 
Seit der Premiere am Freitag, den 23. September 2016, läuft auch das oben erwähnte Musical „Wildes Berlin“ im BKA.
Um 19.10 Uhr wurde ich am 24.09. von der Servicekraft an den Tisch Nummer 17 geführt, von dem ich einen guten Blick auf die Bühne hatte. Sofort fiel mir die sehr für den Görlitzer Park, dem Schauplatz des Musicals, authentische Bühnenkulisse auf (für Ausstattung und Kostüm verantwortlich: Jenny Dechêne). Müll lag auf dem Boden und auf der überdimensionalen Sitzbank erkannte man Graffitis: „36 Boys“ und „King Kalid!“. Die Zahl „36“ steht für die frühere Postleitzahl des Bezirks Kreuzberg und die „36 Boys“ waren eine Ende der 1980er Jahre in Berlin bekannte Crew.
 
Zu den Protagonisten dieser Fabel nach Robert Löhr in Musicalform unter der Regie von Denis Fischer und der Regieassistentin Larissa Copetti gehören: eine türkische Taube, eine Reinickendorfer Füchsin, ein Wilmersdorfer Kaninchen, ein schwäbischer Biber, ein amerikanischer Waschbär und der Haus- und frühere Polizeihund Rex.
Gemeinsam leben sie in Harmonie, bis sie nach einem durch Drogen verursachten Filmriss neben einer menschlichen Leiche in ihrem Park aufwachen. Der offensichtlich durch ein Tier begangene Mord bedroht ihre gesamte Existenz und zwingt sie zu einer schnellen Aufklärung.
 
Da eine Fabel eine literarische Gattung ist, in der Tiere menschliche Züge tragen, kann man auch hier viele Berliner Charaktertypen erkennen:
Da ist zum einen der amerikanische Waschbär Wash (von Lars Kempter gespielt), der ein sich nur vegan ernährender und Selfies liebender Hipster ist. Die dominante Füchsin Faye (Emma Rönnebeck) kommt aus dem Märkischen Viertel und hasst jeden Hinzugezogenen, der ihrer Meinung nach sich in Berlin ausbreitet und die Einheimischen verdrängt, zum Beispiel der Biber.
Das schüchterne Kaninchen Sechser (Christian Nähte) aus Wilmersdorf, das auch gleichzeitig Fayes Vermieter (Jawohl, eine Füchsin und ein Kaninchen leben zusammen) ist, ist gegen Nüsse allergisch, leidet unter einer Schwerhörigkeit und Glutenunverträglichkeit und sieht schlecht.
 
Ülker (von Konstanze Kromer fantastisch dargestellt), eine Kreuzberger Türkentaube, musste vor ihrem Ehemann ins Taubenhaus fliehen und erwartet dort ein Kind. Sie steht für die in der Gesellschaft verloren gegangenen Werte wie Ehre und Respekt. Neben der Figur der Ülker übernimmt Kromer auch die Rollen des zugezogenen Bibers, der in Prenzlauer Berg (wo sonst?!) wohnt und der Füchsin durch sein Dialekt und seine aufdringliche Art auf die Nerven geht, der Katzendame Bella, die gerne am Kleber schnüffelt und des polnischen Automarders Jerzy.
Ein weitere Figur in dem Musical ist der eingebildete und ordungsliebende Hund Rex (wie der Waschbär von Lars Kempter verkörpert).
 
In dem Musical wird zu der Musik von Wolfgang Böhmer und den Songtexten (darunter auch dem Ohrwurm „Welcome to Berlin“) von Tom van Hasselt gesungen und getanzt. Dabei geben die Darsteller darstellerisch und körperlich alles und unterhalten hervorragend das Publikum, das sich mit lautem Gelächter und einem tosenden Applaus am Ende bedankt hat.
 
Mein Fazit: Das Musical ist lustig und an manchen Stellen vulgär und ich liebe es! Ein Besuch dieses Musicals ist nicht nur für jeden Berliner unabdingbar, da er viele Lacher garantiert. Das Musical könnt Ihr noch bis zum 11. Februar 2017 besuchen (immer um 20 Uhr). Für genauere Termine besucht Ihr bitte eine der folgenden Seiten:
 
Preise für den Besuch des Musicals:
ab 21,00 € in Reihe (Kategorie 2)
ab 25,00 € am Tisch (Kategorie 1)
 
Wichtiger Hinweis für Sonntag, den 25. September 2016:
Buchpremiere „Wildes Berlin. Ein Bestiarium der Hauptstadt“ mit der musikalischen Begleitung der Musicaldarsteller
BKA-Theater um 17 Uhr
Eintritt frei!
 
Kontakt: BKA-Theater
Mehringdamm 34
10961 Berlin
030 2022007
 
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© E. Günther

 

Cabaret – das bedeutendste Musical der Berliner Geschichte

 

 

Im Jahr 2013 habe ich schon einmal das Musical „Cabaret“ im Tipi am Kanzleramt besucht und war so von der dort dargestellten Geschichte ergriffen, dass meine Schwiegermutter nicht lange zögerte, um mich im Jahr 2016, zum fünfzigjährigen Jubiläum des Musicals, erneut in das Musical einzuladen. Und so waren wir am Samstag, den 13. August 2016, im Tipi am Kanzleramt, das zu meinen Lieblingslokalitäten in Berlin gehört, um von einem Tisch gleich in der ersten Reihe dieses besondere Musical zu erleben.

Die legendäre Inszenierung des amerikanischen Star-Choreographen und Regisseurs Vincent Paterson, die auf dem autobiographischen Episodenroman „Goodbye to Berlin“ von Christopher Isherwood basiert, stellt für mich das kontrastreichste Musical überhaupt dar. Man erlebt nicht nur zwei verschiedene Stimmungen auf der Bühne, sondern wird auch ein Teil der bedeutendsten Geschichte Berlins.

„Life is a Cabaret“
Der MC der Show nimmt uns auf eine Zeitreise ins Berlin Ende der 30er Jahre und zeigt uns den legendären Kit-Kat-Club, in dem alles möglich zu sein scheint und selbst die Grenzen der Geschlechter verwischt werden. Wir erleben eine fröhliche Gesellschaft, die keine Grenzen und keine Sorgen kennt. Tabus wie Homosexualität, Transsexualität, Sado Maso, ungezügelter Sex und Drogen werden hier gebrochen. Hier lebt jeder, wie es ihm gefällt, schließlich hat man auch keine Konsequenzen oder Repressalien zu befürchten.

Zur selben Zeit reist auch Clifford Bradshaw, ein junger amerikanischer Schriftsteller von Paris nach Berlin, um dort endlich seine Schreibblockade zu überwinden. Im Zug lernt er auch den deutschen Ernst Ludwig kennen, der ihm die Pension von Fräulein Schneider und den verruchten Kit-Kat-Club empfehlt. Offenbar schmuggelt Ernst Ludwig etwas nach Berlin, doch die tragische Tragweite dieses Schmuggels wird erst viel später aufgedeckt.

Im Kit-Kat-Club lernt Clifford Sally Bowles, die vulgäre und koksende Sängerin und Tänzerin des Clubs, kennen, deren Stern aber im Club zu sinken scheint. Obwohl beide aus unterschiedlichen Milieus kommen, verlieben sie sich ineinander. Sally Bowles führt den naiven Bradshaw in das Partyleben Berlins ein und lässt ihn das Schreiben vergessen.

Die rührendste Liebesgeschichte des Musicals findet aber nicht wie fast in jedem Film und jedem Musical zwischen zwei jungen Leuten statt, sondern zwischen der älteren Pensionsleiterin Fräulein Schneider und dem Obstladenbesitzer Herr Schultz, der seine Angebetete mit Obst überschüttet. Ihre reine Liebe wird dadurch gekrönt, dass Fräulein Schneider den Heiratsantrag von Herrn Schultz annimmt.

„Die Party ist vorbei.“
Fräulein Schneider und Herr Schultz feiern mit anderen Pensionsbewohnern und dem Kit-Kat-Club-Ensemble ihre Verlobung. Die zunächst ausgelassene Partystimmung wird aber durch den Auftritt Ernst Ludwigs gestört, der eine NSDAP-Uniform trägt. Dem Publikum wird klar: Die Zeit der Nationalsozialisten ist angebrochen und ihr unmenschlicher Aufstieg ist damit unaufhaltsam.
Die Verlobungsfeier wird unterbrochen, weil Ernst Ludwig Fräulein Schneider indirekt droht, ihr den Gewerbeschein zu entziehen, falls sie Herrn Schultz, einen deutschen Juden, heiraten sollte.
Eine dunkle Zeit bricht über Berlin herein, die Party und damit die ausgelassene Stimmung sind zu Ende.

Sophie Berner spielt fantastisch das leichte Mädchen Sally Bowles, das keine Sorgen kennt und ihr Leben einfach in vollen Zügen genießen will. Berners Stimme ist unglaublich voluminös, ihre Mimik sehr ausdrucksstark. Wenn sie mit dem älteren Paar mitleidet und an ihren Beziehungsproblemen mit Clifford zerbricht, dann nimmt man ihr als Zuschauer das alles ab.

Guido Kleineidam verkörpert auf eine sehr überzeugende Weise den etwas naiven und in das Gute im Menschen glaubenden Clifford Bradshaw, der zum Schreiben in das weltoffene Berlin kommt. Im Laufe seines Aufenthalts wird er, bedingt durch die geschichtliche Entwicklung, aber maßlos von der Stadt enttäuscht.

Regina Lemnitz und Peter Kock schaffen es auf Anhieb, mit ihrer herzlichen Darstellung der Fräulein Schneider und des Herrn Schultz und ihrem einzigartigen Charisma sich in die Herzen des Publikums zu spielen. Wir freuen uns für ihre Liebe und leiden mit ihnen, wenn ihre Liebe vor unüberwindbare Hindernisse gestellt wird. Meine Lieblingsszene im Musical findet zwischen den beiden sympathischen Darstellern statt: Herr Schultz bringt Fräulein Schneider eine Ananas mit, über die sich die ältere Dame aufrichtig freut, weil die Frucht zu der damaligen Zeit ein Luxus war.

Michael Kargus, dem MC, haben wir es zu verdanken, dass eine solch erschreckende Geschichte der Stadt Berlin, auch in einem Musical gezeigt werden kann und den Zuschauer nicht erstickt, denn er bricht durch seine ständigen verdorbenen Gesangs- und Tanzperformances das Ganze auf und unterhält den Saal, wenn dieser gerade dabei ist, seine Tränen zu trocknen.

Anja Karmanski bringt den Zuschauer mit ihrer Darstellung der Fräulein Kost, die ständig Matrosen in ihrem Zimmer empfängt und damit Fräulein Schneider an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, zum Schmunzeln.

Überhaupt sollte man an dieser Stelle das ganze Ensemble und die aus vier Mann bestehende Live-Band loben, die durch ihre schnellen Tanznummern und ihr Entertainment für einen unvergesslichen Abend sorgen! Adam Benzwi hat mit seiner musikalischen Leitung eine sehr gute Arbeit geleistet. Auch ein großes Lob an Momme Röhrbein für die Idee der schnellen Kulissenwechsel, die uns das alte Berlin zeigen.

Mein Fazit: Cabaret ist eine „Musical-Legende“ und ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte. Man sollte daher das Musical unbedingt einmal in seinem Leben besucht haben. 2,5 Stunden lang (mit einer 30-minütigen Pause) wird das Publikum auf höchstem Niveau unterhalten und zum Nachdenken gebracht, ohne einen aufdringlich zu belehren. Schließlich unterschätzte man auch damals eine Partei und dachte, dass sich schon alles von alleine regeln wird. Auch damals haben die Leute weggeschaut, wenn Einrichtungen anderer Religionsgemeinschaften beschädigt wurden. Vor allem die Tatsache, dass die Geschichte in Berlin, am Nollendorfplatz, spielt, lässt einen nicht kalt. Dieses Musical ist so aktuell wie nie zuvor und erinnert uns daran, immer wachsam zu bleiben…Also nicht wie hin! Lasst Euch wunderbar unterhalten! Das Musical läuft noch bis zum 4. September 2016 im Tipi am Kanzleramt!

Weitere Informationen:
http://www.tipi-am-kanzleramt.de/…/cabaret-musical-berlin.h…
https://www.facebook.com/tipiberlin/?fref=ts

Kontakt: Tipi am Kanzleramt
Große Querallee
10557 Berlin
030 39066550

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© E. Günther

 

 

Tanz der Vampire 2016 – mein Lieblingsmusical zurück in Berlin

Berlin: 24.04.2016 – 25.09.2016 (Theater des Westens)

München: 05.10.2016 – 15.01.2017 (Deutsches Theater)

Am Sonntag, den 24. April 2016, kam Tanz der Vampire, mein absolutes Lieblingsmusical, zurück nach Berlin. Und obwohl ich in dem Jahr 2011 das Musical bereits vier Mal geschaut habe, stand es für mich außer Frage, dass ich auch diesmal wieder dabei bin. Und so war ich am Freitag, den 29. April 2016, mit meinem Mann im Theater des Westens, einem der schönsten Theater Berlins, um das auf Roman Polanskis Film basierte und das von Jim Steinman und von Michael Kunze geschriebene Musical bereits zum fünften Mal zu gucken.

Das erfolgreiche Musical wurde bereits in 12 Ländern aufgeführt und in 11 Sprachen übersetzt. Doch warum gibt es so viele Menschen, die das Musical bereits zum zweiten, fünften oder gar zehnten Mal besuchen? Warum begeistert dieses Musical auch beim wiederholten Mal, obwohl man doch bereits schon den Ausgang der Geschichte kennt? Warum kann sich keiner diesem Musical entziehen, egal ob Jung oder Alt? Genau diesen Fragen werde ich in meinem folgenden Bericht nachgehen…

Was mich immer wieder an diesem Musical fasziniert, ist, dass hier unglaublich viel Wert auf Musik und Gesang gelegt wird. Während es bereits viele Musicals gibt, in denen für meine Begriffe zu viel gesprochen und zu wenig gesungen wird, ist es bei Tanz der Vampire anders. In jeder Szene wird gesungen und getanzt. Dabei stellt jedes Mal die Tanz der Vampire-Produktion einen gesanglich unglaublich starken Cast zusammen, der mit seinem Gesang jeden im Publikum begeistert. Die Musik verursacht jedes Mal Gänsehaut bei mir: Mal ist die Musik dramatisch, mal rockig und mal gefühlvoll und immer untermalt sie die Gefühle der Darsteller in der jeweiligen Szene. So waren auch diesmal die inhaltlich und melodisch hervorragenden Lieder dabei, die sofort zu einem Ohrwurm werden (u.a. „Draußen ist Freiheit“, „Totale Finsternis“, „Ewigkeit“, „Die unstillbare Gier“).

Während viele Musicalproduktionen an den Bühnenbildern sparen, zeigt uns Tanz der Vampire viele aufwendige Bühnenbilder, die in jeder Szene wechseln und detailgenau sind. So haben wir es auch den Bühnenbildern zu verdanken, dass sich der Unterschied zwischen den zwei Welten im Musical herauskristallisiert: Auf der einen Seite haben wir die scheinbar nicht besonders wohlhabende jüdische Familie, die in ihrem Wirtshaus auch Trunkbolde bewirtet. Auf der anderen Seite steht das pompöse Schloss des Grafen Krolock, in dem er rauschende Ballfeste gibt. Während die bürgerliche Welt der Familie für Sarah, ihre wunderschöne Tochter, Enge symbolisiert, wirkt die mystische Welt des Grafen auf sie verlockend, da sie sich dort Freiheit erhofft. Diese geheimnisvolle Welt wird durch den Einsatz von Rauch und dunklen Farben unterstrichen.

Auch dieses Jahr muss ich einfach schreiben, dass es sich bei Tanz der Vampire um den besten Musicalcast handelt. Es gibt keinen einzelnen Darsteller in dem Musical, den ich negativ beschreiben kann.
Betrachten wir zunächst die wunderschöne Veronica Appendu, die in dem Musical die Protagonistin Sarah darstellt. Die wunderschöne Sarah wächst in einer gläubigen jüdischen Familie auf, in der sie sich aber eingeengt fühlt und sich wie jede junge Frau nach Freiheit und Abenteuer sehnt. Dies alles hofft sie, in dem Schloss des Grafen zu finden. Veronica Appendu verkörpert auf wunderbare Weise diesen Charakter. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern bezaubert mit ihrer Stimme jeden Zuschauer. Beim Singen glänzen ihre Augen und man nimmt ihr alles ab. Für mich gehört sie neben Valerie Link (Christine aus „Phantom der Oper“) und Roberta Valentini (Elisabeth aus „Elisabeth-das Musical“) zu den besten Musicalsängerinnen und ist für mich die aktuell beste Musicaldarstellerin Deutschlands.

Im Vorfeld des Musicals warteten alle gespannt auf die Besetzung des mysteriösen Grafen Krolock. Und schließlich wurde diese Rolle für die Aufführungen bis Mitte Juli mit dem Musicaldarsteller Mark Seibert besetzt. Seibert steht für mich für die neue Art von Vampiren: schön und gefährlich zugleich. Seine Schönheit macht ihn gerade so gefährlich, weil er in der Lage ist, schneller ein unschuldiges Mädchen zu verführen – eines der Gründe, warum diese Besetzung für mich einfach perfekt ist. Mark Seibert überzeugt aber nicht nur durch sein Erscheinungsbild, sondern durch seine kräftige Stimme, die etwas Bedrohliches mit sich bringt. Wenn der Graf in einer Szene seinen Umhang um Sarah legt, dann glaubt auch jede Zuschauerin, dass sie gleich wie Sarah den Verstand verlieren wird. Die ganzen Aspekte, die für Mark Seibert als den perfekten Grafen sprechen, erklären auch, warum er den meisten Applaus am Ende bekommt.

Am 29.4. habe ich bereits den dritten „Alfred“ gesehen, doch keiner konnte diesen so perfekt spielen wie in diesem Jahr: Tom van der Ven ist ein begnadeter Musicaldarsteller, der meinen Mann und mich von erster Minute an gleich überzeugt hat. Er kann nicht nur sehr gut singen, sondern hat auch sehr gute schauspielerische Fähigkeiten. Mal ist er der schüchterne und brave Junge, mal beißt er sich auf die Lippen, weil er von Sarahs Schönheit fasziniert ist.

Doch auch die anderen Musicaldarsteller, egal ob der schwule Sohn des Grafen (Milan van Waardenburg) oder der strenge jüdische Vater (Nicolas Tenerani), der aber gleichzeitig der Magd (gesanglich starke Merel Zeeman) nachstellt, alle gehen in ihren Rollen vollkommen auf und können sehr gut singen. Auch die Tänzer wurden diesmal sehr gut ausgewählt, da sie den Zuschauer durch ihre Körperlichkeit und ihre erotischen Tänze verführen. Also auch ein großes Lob an den Choreografen: Dennis Callahan!

Das Musical Tanz der Vampire spielt auch in dieser Saison mit seinen für das Musical bekannten symbolischen Bildern. Sarah bekommt vom Bediensteten des Grafen, bevor sie ihr Zuhause verlässt, rote Stiefeln und zusammen mit ihrem roten Tuch symbolisieren diese mit der roten Farbe die bevorstehende Verführung. Ein sehr gut gewähltes bildliches Element ist für mich die Gegenüberstellung zweier entgegen gesetzter Bilder, die für die verschiedenen Welten im Musical stehen: Während man erkennt, wie eine Frau, die Sarah sehr ähnlich sieht, mit einem erotischen Tänzer, der an den Grafen erinnert, tanzt und sich ihm ganz hingibt, zeigt man auf der anderen Seite auf der Bühne, wie ihre jüdischen Eltern die Menora anzünden und genauso wie die christliche Magd im Nebenzimmer beten – zwei bildlich unglaublich gewaltige Kontraste.

Ich habe zwei Lieblingsszenen in dem Musical, in denen mein Lieblingslied („Totale Finsternis“) gespielt und gesungen wird, und beide spielen in dem Schloss des Grafen: Beim ersten Mal steht Sarah mit ihrem roten Tuch und erwartet den Grafen, der die Treppe zu ihr runterkommt. Obwohl sie ihm ihre vollkommene Hingabe zeigt und von ihm gebissen werden will, hält er sich zurück, weil er auf den Ball warten will und so umhüllt er sie am Ende der Szene mit seinem Umhang. In der zweiten Szene wartet der Graf auf dem Ball auf Sarah, während diese majestätisch und in einem roten (!) Kleid zu ihm und der Gesellschaft die Treppe runterkommt, um dann anschließend von dem Grafen gebissen zu werden. Das sind zwei Szenen, die noch immer Gänsehaut bei mir verursachen.

Ich hoffe, mit diesem Blogbeitrag bei Euch die Begeisterung, die ich immer wieder für Tanz der Vampire empfinde, geweckt zu haben, denn dieses Musical ist ein Gesamtkunstwerk, das gesehen werden muss!

Falls Euch die Informationen noch nicht ausreichen, hier findet Ihr weitere Informationen zum Musical:
http://www.stage-entertainment.de/…/tanz-der-vampire-berlin…
https://www.facebook.com/TANZ.DER.VAMPIRE/?fref=ts

Und sonst nichts wie hin. Bis zum 25. September habt Ihr dazu in Berlin noch Zeit.

Theater des Westens

Kantstraße 12

10623 Berlin

 

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© E. Günther

Aladdin – das Disney-Musical in Hamburg

Für Disney ist man nie zu alt…

Könnt Ihr Euch noch an die Zeit erinnern, als Ihr ein kleines Kind wart und zum ersten Mal einen Süßigkeitenladen betreten habt? Ihr kamt bestimmt aus dem Staunen nicht mehr raus und wusstet nicht, wohin Ihr zuerst schauen solltet, oder? Genau so ging es mir auch, als ich am Samstag, den 16. April 2016, mit meinem Mann das Musical Aladdin gesehen habe…

Am Samstag, den 16. April 2016, nahmen mein Mann und ich, zwei Disney-Liebhaber, in der vierten Reihe der Neuen Flora in Hamburg Platz und waren bereit, uns in ein Märchen von 1001 Nacht entführen zu lassen. Um 20 Uhr ging der Vorhang auf und wir sahen einen begeisterten Dschinni, der uns in einem Prolog die einzelnen Figuren des Musicals vorstellte und auf das Treiben auf dem Basar einging. Sofort fiel uns die traumhafte Kulisse mit der authentischen Darstellung eines Basars im Orient auf. Wir sahen Bauchtänzerinnen, Derwische, eine Wahrsagerin und viele andere Figuren, die man mit einem Orient in Verbindung bringt. Und dann ging es mit der eigentlichen Handlung los. Da ich davon ausgehe, dass jedem von Euch die Aladdin-Geschichte ein Begriff ist, verzichte ich an dieser Stelle auf die Wiedergabe der Handlung, sondern konzentriere mich lieber gleich auf die Punkte, die uns in dem Musical begeistert haben-und davon gab es schließlich sehr viele.

Eine große Freude im Musical waren die ganzen Bühnenbilder, die in jeder Szene variierten und den Zuschauer immer überraschten. Egal, ob es eine Szene auf dem Basar, in dem Palast oder in der Höhle, aus der Aladdin die sagenumwobene Lampe holen sollte, war, jedes Mal präsentierte uns die Produktion ein anderes Bühnenbild, in dem auf jedes winzige Detail geachtet wurde. Auch bei anderen visuellen Effekten wie einem Feuerwerk oder aus dem Boden springenden Männern wurde auf der Bühne nicht gespart. Genauso wie die Bühnenbilder waren auch die Kostüme farbenfroh und ideenreich (Die Produktion verfügt über 600 Kostüme).

In dem sehr temporeichen Musical haben die Darsteller die ganze Zeit getanzt und gesungen und uns auch mit ihrer Komik begeistert. Zu den Komikelementen gehörten auch sehr viele Anspielungen auf die aktuelle Fernsehlandschaft (Let’s Dance, Das Supertalent, Helene Fischer). Besonders schön fand ich es, als Dschinni das Lied aus „Die Schöne und das Biest“, meinem absoluten Lieblingsdisneyfilm, anstimmte.

Und nun kommen wir zu dem Teil, ohne den ein Musical nicht denkbar wäre: die Darsteller. Den größten Applaus am Ende des Musicals hat Enrico de Pieri bekommen, der die Figur des Dschinni darstellte, obwohl er den schwierigsten Part im Musical hatte. Jeder von uns verbindet Dschinni mit Robin Williams‘ Stimme bzw. Synchronstimme, die uns als Kinder bzw. Jugendliche begeistert hat. Und Enrico de Pieri stand dem in nichts nach. Auch er redete genauso schnell und manchmal genauso wirr, was viele Gelächter im Publikum verursachte. Zudem gefiel mir sehr die Darstellung der beiden bösen Figuren: Ethan Freeman (Dschafar) und Erik Minsk (Jago), die ihre Sache mehr als gut machten, was das Publikum mit einem entsprechenden Applaus honorierte. Die Verkörperung des nervigen Papageis und des manipulativen Dschafars war einfach hervorragend.

Zunächst brauchte ich ein paar Minuten, um mich daran zu gewöhnen, dass Jasmin von einer Brasilianerin (Myrthes Monteiro) gespielt wird, doch fand ich dann die Wahl passend, da die Figur Jasmin eine sehr temperamentvolle Frau ist. Jasmin und Aladdin (Terry Alfaro) waren ein sehr überzeugendes Paar auf der Bühne, das sowohl durch ihre Bühnenpräsenz als auch durch ihre Stimmen überzeugte. Auch fand ich es gut, dass die anderen weiblichen Darstellerinnen so gut ausgewählt wurden: Es waren sehr hübsche und vor allem sehr weibliche Frauen. Überhaupt möchte ich die 38 Darsteller aus 12 verschiedenen Ländern dafür loben, dass sie uns mit ihrer temporeichen Darbietung sehr gut unterhalten haben. Zwei Stunden lang verbreiteten die Darsteller eine enthusiastische und positive Stimmung, die das Publikum von ihren Sitzen zog.

Mein Mann war nur etwas enttäuscht, dass die Figur des Affen, Aladdins bester Freund im Film, es nicht ins Musical geschafft hat, sondern dass Aladdin stattdessen drei (menschliche) Freunde hatte. Ich fand es aber nicht schlimm, zumal ich Philipp Tobias Hägeli, der den besten Freund Aladdins im Musical verkörperte, bereits aus andren Produktionen kannte.

Gespannt warteten mein Mann und ich die ganze Zeit im Musical auf die Teppich-Szene, die für uns im Disney-Film die schönste Szene ist. Und unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen: In der besagten Szene, in der die beiden Protagonisten auf einem Teppich weg fliegen, erstrahlte der ganze Saal in einem Sternenhimmel. Der Sternenhimmel und die wunderschönen Stimmen der beiden Hauptdarsteller verzauberten uns und entführten uns für eine kurze Zeit in eine Traumwelt, aus der wir nur ungern aufwachten. Die Musik von Alan Menken ging auch in dieser Szene mitten ins Herz.

Das Musical Aladdin ist „ein Rausch für alle Sinne“ (Uschi Neuss) und gehört jetzt zur Top 3 meiner Lieblingsmusicals. Ich empfehle jedem, nach Hamburg zu fahren oder eine Hamburg-Reise mit dem Musicalbesuch zu verbinden. Aladdin sollte für jeden Musical- und Disney-Fan ein Muss sein!

Weitere Informationen zum Musical findet Ihr auf:
http://www.stage-entertainment.de/…/disneys-aladdin-hamburg…
https://www.facebook.com/AladdinDasMusical/?fref=ts

Adresse: Neue Flora

Stresemannstraße 159a

22769 Hamburg

 

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© E. Günther