art:berlin – Kunst trifft Architektur: ein kulturell wertvoller Streifzug durch schöne und versteckte Ecken in Berlin

Seit 1991 ist art:berlin für Führungen zu den wichtigsten Kunst-, Architektur- und Kulturstationen in Berlin und Brandenburg bekannt.

Am Samstag, den 25. Juli 2020, nahm ich um 12 Uhr selbst mit einer Freundin, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, an einer der Führungen von art:berlin teil. Wir entschieden uns für die Führung „Kunst trifft Architektur“, die an dem Tag durch Wedding führte.
Die Führung, die ca. 2,5 Stunden lang dauerte, begann mit der evangelischen Nazarethkirche am Leopoldplatz, die von Karl Friedrich Schinkel erbaut wurde, dem berühmtesten Baumeister Preußens. Danach ging es zum Himbelbeet, einem Gemeinschaftsgarten, in dem alles ökologisch angebaut wird. Die grüne Oase mit einem Café bietet mitten in Wedding eine großartige Möglichkeit der Erholung an. Im Himmelbeet finden auch verschiedene Veranstaltungen wie Yoga oder Backen im Kiez statt.
Wir waren sehr traurig, als wir erfuhren, dass dieser schöne Ort Ende Oktober abgerissen wird.
Sehr beeindruckt hat mich die nächste Station auf unserer Führung: das 1. Krematorium Berlins zur Verbrennung von Leichen (2001 außer Betrieb genommen). Seit 2015 ist das denkmalgeschützte Gebäude als Silent Green – ein Kulturquartier mit unterschiedlichen kulturellen Veranstaltungen und dem netten Café Mars, das ich bestimmt bald besuchen werde – bekannt. Hier kann man auch die historische Führung „vom Krematorium zum Kulturquartier“ buchen.
Zudem hat mir das Amtsgericht Wedding sehr imponiert. Als Vorbild diente dem im Stil der Neogotik erbauten zentralen Mahngericht die Albrechtsburg in Meißen.
Auch die vielen historischen Wohnhäuser mit ihren schönen Fassaden, das Buscafé und das ehemalige Luisenbad haben das Interesse der Teilnehmer an der Führung sehr geweckt.
Mein Fazit: Die Führung „Kunst trifft Architektur“ ist sehr interessant und zeigt versteckte und beeindruckende Ecken in Berlin. Sie ist nicht nur für Touristen, sondern auch für Berliner sehr lohnend, da man Berlin von einer anderen Seite entdeckt und erlebt.
Ich werde auf jeden Fall auch bald an den anderen zahlreichen Führungen teilnehmen. Besonders spannungsvoll finde ich die Führungen: das französische Berlin und Russisches Berlin (Charlottengrad in den 20-er Jahren).
Die Führung „Kunst trifft Architektur“ kostet 18 €, ermäßigt 15 €.
Weitere Informationen:
Text und Fotos © E. Günther

 

Gewinnspiel und Eventtipp: Verlosung der 2 CDs „Ave Maria“ und Hinweis auf die beiden Releasekonzerte

Am Samstag, den 21. Juli 2018, besuchte ich im Rahmen der Berliner Residenz Konzerte im Schloss Charlottenburg die „Barocke Operngala – Zauber der Klassik“, von der ich hin und weg war. An diesem Abend begeisterte mich die Sopranistin Andrea Chudak, deren musikalischen Werdegang ich seitdem aufmerksam verfolge.

In den letzten 15 Jahren hat sich Andrea Chudak ausführlich für Ave Maria-Vertonungen interessiert. So darf es einen nicht verwundern, dass in dieser Zeit eine vielfältige Sammlung von mehr als 200 Kompositionen aus allen Epochen der Musikgeschichte entstanden ist. 68 dieser Kompositionen hat Andrea Chudak schließlich in der Friedenskirche Potsdam aufgenommen und präsentiert diese nun auf der 5 CD-Box „68 Ave Maria“. Auf der CD-Box „Ave Maria“ kommt man in den Genuss der Vertonungen für Sopran, Tenor und Orgel von der Gregorianik bis zu Neukompositionen, einer Musikgeschichte aus 7 Epochen. Natürlich finden sich auf den CDs neben der musikalischen Huldigung der Mutter Gottes durch Schubert, Verdi und Gounod auch andere unbekannte Vertonungen wie die des sowjetischen Gitarristen Wladimir Wawilow.

Dabei verzichtet Andrea Chudak bei ihrer Sammlung bewusst auf eine chronologische oder systematische Sortierung. Die Sopranistin wird bei ihrem beeindruckenden Werk in einzelnen Stücken vom Tenor Julian Rohde und dem Bariton Matthias Jahrmärker unterstützt oder ersetzt. Elf Instrumentalisten, unter ihnen drei Organisten, die ich bei der Vorstellung der beiden Releasekonzerte unten vorstelle, haben hier auch eine großartige Arbeit geleistet. Die Begleittexte stammen vom Musikwissenschaftler Michael Pauser.

Zwei dieser wundervollen CD-Boxen könnt Ihr gewinnen, indem Ihr eines dieser beiden CD-Release-Konzerte (Eintritt ist kostenlos!) besucht und Euren Gewinn vor Ort abholt (Ihr dürft natürlich auch gleich beide Konzerte besuchen):

Das erste Konzert findet am Samstag, den 15. August 2020, von 20 bis 21:30 Uhr in der Katholischen Kirche St. Marien statt:

AVE MARIA – das große Releasekonzert, Katholische Kirche St. Marien, Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin, Mitwirkende: Andrea Chudak (Sopran), Julian Rohde (Tenor), Robert Knappe (Orgel), Michael Schepp (Violine), Stefan R. Kelber (Viola), Ekaterina Gorynina (Violoncello), Lidiya Naumova (Gitarre), Olaf Neun (Erzlaute), Almute Zwiener (Oboe/ Englisch Horn)

Der Eintritt ist frei, über eine Spende würde man sich aber freuen.

Das zweite Releasekonzert kann man am Sonntag, den 16. August 2020, von 18 bis 19:30 Uhr in der Friedenskirche besuchen: AVE MARIA, Friedenskirche, Don-Ugoletti-Platz, 12527 Berlin, Mitwirkende: Andrea Chudak (Sopran), Julian Rohde (Tenor), Dr. Jakub Sawicki (Orgel)

Auch hier ist der Eintritt frei und eine Spende wünschenswert.

Die CDs liegen bei den Konzerten zur Abholung durch die beiden Gewinner/Gewinnerinnen bereit. Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist, diesen Beitrag zu liken und zu kommentieren. Falls Ihr meine Blogseite „Mein Event-Tipp“ noch nicht geliked und abonniert habt, dann habt Ihr jetzt die Gelegenheit dazu.

Das Gewinnspiel endet am Dienstag, den 21. Juli 2020, um 16 Uhr. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Viel Glück! 4014513035950

Text © E. Günther

„Pretty Woman – Das Musical“ in Hamburg – eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im Stage Theater an der Elbe

Wahre Liebe kennt keinen Grenzen und schafft es, sowohl religiöse als auch gesellschaftliche Hindernisse zu überwinden. Dies faszinierte auch ein Millionenpublikum im Jahr 1990 an dem Film „Pretty Woman“, in dem sich die Figuren von Richard Gere und Julia Roberts trotz aller Hindernisse die ewige Liebe schworen. 30 Jahre nach dem Kassenschlager an den Kinokassen läuft im Stage Theater an der Elbe in Hamburg die Musicalversion des Films, in dem wir alle von Julia Roberts‘ Lachen verzaubert wurde.
 
Und das Musical konnte nur gut werden. Schließlich führt bei dem Musical mit Jerry Mitchell, dem Regisseur auch beim Erfolgsfilm, ein zweifacher Tony Award-Gewinner Regie. Am Samstag, den 7. März 2020, wurde ich mal wieder Zeugin der außergewöhnlichen Liebe zwischen Vivian und Edward im Beverly Hills der späten 80er-Jahre.
 
„Pretty Woman“ handelt vom erfolgreichen, gutaussehenden und reichen Geschäftsmann Edward Lewis. Dieser will nur nach dem Weg zu seinem Luxushotel in Beverly Hills fragen und trifft dabei zufällig die hübsche und nicht auf den Mund gefallene Prostituierte Vivian Ward. Edward bucht Vivian für eine Woche. Diese Woche verändert das Leben der beiden und lässt ihre Liebe zueinander aufblühen. Doch die unterschiedliche Herkunft des Paares stellt es immer wieder vor große Probleme. Schaffen es Vivian und Edward, trotz aller Hürden ein gemeinsames Leben aufzubauen?
 
Hanna Mall, vielen aus dem Musical „Doktor Schiwago“ bekannt, hatte eine sehr schwierige Rolle. Schließlich musste sie in die Fußstapfen der einzigartigen Julia Roberts treten. Doch Mall gelingt die Interpretation der Vivian Ward erstaunlich gut. Auch die Musical-Version dieser Figur ist eine aufgeweckte junge Frau, die jeden nicht nur durch ihr hübsches Aussehen, sondern auch durch ihre erfrischende Art in ihren Bann zieht – so auch ihre große Liebe Edward Lewis. Hanna Mall überzeugte mich dabei mit ihrem Gesang und ihrem Schauspiel.
 
Edward Lewis ist nicht nur gutaussehend, sondern auch sehr reich. Diesen Reichtum hat er auch seiner beruflichen Skrupellosigkeit zu verdanken. Beim Aufkaufen von großen und von der Insolvenz betroffenen Firma ist er nicht an den Schicksalen der einzelnen Mitarbeiter, sondern nur an dem Profit interessiert. Dies ändert sich jedoch, als Edward der Vivian begegnet, die ihre Meinung zu seinen Geschäften offen sagt. Durch sie entdeckt er seine empathische und positive Seite und zum ersten Mal auch, was es heißt, jemanden aufrichtig zu lieben.
Seit dem 23. Februar 2020 spielt Mathias Edenborn, der allen Musicalliebhabern aus dem Musical „Tanz der Vampire“ bekannt ist, die Rolle des Edward Lewis. Mit seiner authentischen Darstellung der Figur und seinem starken Gesang hat er mich an dem Abend begeistert.
 
Ein großer Gewinn für die Musicalproduktion ist auf jeden Fall die Musicaldarstellerin Piek van der Kaaden, die die temperamentvolle Prostituierte Kit de Luca spielt. Kit de Luca feiert gerne und ist Vivian gegenüber eine loyale Freundin. Sie entscheidet sich dank des Zusammentreffens zwischen Vivian und Edward auch dazu, etwas aus ihrem Leben zu machen. Die rockige und ausdrucksstarke Stimme von Piek van der Kaaden hat mich mitgerissen und ich hoffe, dass ich von der Musicaldarstellerin noch viel sehen werde.
 
Auch eine gute Besetzung stellt Marco Heinrich in seiner Rolle des Hotelmanagers Mr. Thompson dar. Mr. Thompson ist immer für Vivian da und gewinnt nicht nur Vivians Herz mit seiner positiven Art. Das hat Marco Heinrich gut umgesetzt.
 
Die Rolle des skrupellosen und machtgeilen Anwalts scheint Nigel Casey wie auf den Leib geschnitten zu sein. Schon als Anwalt Billy Flynn in dem Musical „Chicago“ erfreute er das Publikum.
Das gelingt ihm auch mit seiner Darstellung des Antagonisten Philip Stuckey in dem Musical „Pretty Woman“. Philip ist nicht an der Freundschaft mit Edward, sondern nur an den Aufträgen interessiert.
 
Eine weitere grandiose Besetzung ist die des Hotelpagen Giulio. Johnny Galeandro machte aus dieser kleinen Rolle etwas ganz Großes und brachte das Publikum durchgehend zum Lachen. Zurecht bekam der Darsteller am Ende einen sehr großen Applaus.
 
Zum Glück schaffte es meine Lieblingsszene aus dem Film „Pretty Woman“ auch in das gleichnamige Musical. Auch diesmal kamen mir bei Vivians und Edwards Besuch der Oper „La Traviata“ die Tränen. Eine wunderschöne Gegenüberstellung zwischen dem Gesang der Hauptdarsteller und dem Operngesang!
Die bezaubernde Schlussszene aus dem Film wurde im Musical mit der Bank als Pferd wunderbar gelöst.
Überhaupt ist der blitzschnelle Wechsel zwischen den Schauplätzen dem Bühnenbildner David Rockwell sehr gelungen. Der große Eingangsportal des Hotels, das elegante Penthouse mit der berühmten Badewannenszene – alles findet sich auch in dem Musical wieder.
 
Einer der Gründe, warum ich unbedingt das Musical „Pretty Woman“ sehen wollte, war die Tatsache, dass die Musik und die Songtexte von dem Grammygewinner Bryan Adams stammen. 21 Songs wurden von Bryan Adams und Jim Wallance für das Musical geschrieben. Viele der Lieder berühren das Herz der Zuschauer (und Zuhörer), andere Lieder sind hingegen rockig.
Der Dirigent Anday Rodriguez Toledo und die Band (nicht Orchester) interpretierten sehr gut die Musik von Bryan Adams an dem besagten Abend.
 
Mein Fazit: Das Musical „Pretty Woman“ wird jeden Liebhaber des gleichnamigen Films glücklich machen. Fast jede Filmszene kommt genauso im Musical vor. Die Besetzung der großen und vor allem der kleinen Rollen ist sehr geglückt. Und am Ende kommt auch in der Zugabe unser geliebtes „Pretty Woman“-Lied. Bis zum 8. November 2020 läuft „Pretty Woman“ noch im Stage Theater an der Elbe in Hamburg.
 
Weitere Informationen zum Musical „Pretty Woman“:
 
Text © E. Günther
Fotos © Stage Entertainment (Achtung: Auf den Fotos sind Mark Seibert als Edward Lewis und Patricia Meeden als Vivian Ward abgebildet.)

20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue im Wintergarten Berlin

Spoiler: die künstlerisch bedeutendste Show des Wintergarten Berlin
 
Bevor die dunkelste Zeit der Weltgeschichte über die Welt hereinbrach, gab es mit den Goldenen Zwanzigern eine Zeit der sündigen Freude, des verruchten Jazz und der leicht bekleideten Damen, die genau wie die Männer nur eins wollten: ausgelassen feiern und dabei den Alltag vergessen.
Die Berliner Regisseure Pierre Caesar (Seine Show „Like Berlin“ habe ich im Jahr 2017 im Wintergarten Berlin gesehen.) und Markus Pabst und der talentierte Paradiesvogel Jack Woodhead – beide von mir seit der Show „Der Helle Wahnsinn“ (2014) höchst geschätzt – stellten mit ihrer neuen Show „20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue“ eine schillernde Show im Wintergarten Berlin auf die Beine, in der sie an diese Zeit der Sünde erinnerten.
 
Am Samstag, den 22. Februar 2020, wurde ich ein Teil der Hommage an die Roaring Twenties und der musikalischen und vor allem der geschichtlichen Verbindung zu den heutigen 20-er Jahren. Gleich zu Beginn der Show äußerte Markus Pabst seinen sehnlichsten Wunsch, den er mit vielen im Publikum teilte: „Ich hoffe, dass wir es diesmal [die 20-er Jahre 100 Jahre später] nicht wieder verkacken.“ Es gab einen zustimmenden Applaus vom Publikum – in einer Zeit, in der sich nicht nur wie in Thüringen die Geschichte zu wiederholen scheint.
 
 „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. …“ (Erich Kästner)
Die Zitate von Kurt Tucholsky und Erich Kästner an diesem Abend und die Parallelen zwischen damals und heute lassen mich zu der Meinung kommen, dass mit „20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue“ dem Wintergarten die künstlerisch bedeutendste Show gelungen ist.
 
Doch die Show „20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue“ steht keineswegs nur für mahnende Worte, sondern transportiert in Form des Burlesque-Tanzes, der erotischen Kontorsion, den authentischen Kostümen der Musiker und Artisten auf der Bühne und der Servicekräfte im Saal und der guten Jazz-Musik in der Show das verboten fröhliche Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger in den Wintergarten Berlin. Und kein anderer kann diese verrückte und frivole Zeit so gut herüberbringen wie der glänzende Paradiesvogel Jack Woodhead, der uns an diesem Abend als Moderater und Sänger begeisterte.
 
Wie in allen bisherigen Shows des Wintergarten Berlin spielte die Musik auch diesmal eine wichtige Rolle. Vor allem in der ersten Showhälfte gab es eine musikalische Zeitreise (u.a.„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Marlene Dietrich, „In der Bar zum Krokodil“ von den Comedian Harmonists, „Two Ladys“ aus dem legendären Musical „Cabaret“). In der zweiten Showhälfte bekam der Zuschauer dann moderne Elektromusik zu hören – eine wunderbare musikalische Mischung.
 
Neben Jack Woodhead durfte ich aber auch weitere Sänger an diesem Abend erleben, die in der Show für viele Gänsehautmomente bei mir sorgten: Yamil Borges, die mich mit ihrer sehr starken und gefühlvollen Stimme an den „blauen Engel“ erinnerte und die vielen aus dem Musical-Film „A Chorus Line“ mit Michael Douglas bekannt ist.
Der Sänger Ye Fei steht für das, was eine gute Musik ausmachen sollte: Gefühl und Sprengung aller Grenzen. Dass Markus Pabst ihn, einen chinesischen Opernsänger, in einem Restaurant entdeckt hat, ist ein unglaublicher Glücksfall, für den Wintergarten Berlin und für die Musikwelt. Es war ein magischer und berührender Moment in der Show, als Fei mit seiner kraftvollen Stimme sang und der Tänzer Dennis Mac Dao dazu in einem Schnee aus weißem Konfetti ästhetisch tanzte.
 
Die Band, diesmal nicht im Hintergrund, sondern oben auf der Bühne und damit ein wichtiger Teil der Show, brachte mit den Liedern und dem Jazz den Flair der Zwanziger Jahre in den Wintergarten Berlin. Tobias Tinker (Keyboard, Akkordeon, Horn, Trompete, Band Leader), Felix Buchner (Bass),
Florent Mannant (Tenor Saxophon) und der mir aus den Shows „Der Helle Wahnsinn“ und „Like Berlin“ bekannte Lukas Thielecke (Schlagzeug) sorgten für einen schwungvollen Abend.
 
Ich bin mir sicher, dass viele meiner treuen Blogleser, die den Wintergarten genauso lieben wie ich, beim Lesen meines Berichtes etwas nervös geworden sind und sich aufgeregt fragen: Wo bleiben die Akrobaten, die die Shows im Wintergarten zu etwas Besonderem machen? Ich darf Euch beruhigen, auch diesmal waren die Akrobaten da und wie sie es waren. Vielleicht habe ich das in den Shows zuvor genauso geschrieben, aber die Artisten der Show „20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue“ haben mir oft den Atem geraubt.
 
Katharina Lebedew verinnerlichte bei ihrer Handstandakrobatik die Musik und verzauberte die Zuschauer mit einer vollkommenen Harmonie zwischen Musik und Tanz. Ihre Bewegungen erinnerten auf eine ästhetische Art und Weise an Amphibien. Eine imposante Mischung aus Burlesque und Handstanakrobatik auf der Bühne.
Apropos Burlesque, ich liebe diese Kunstform. Banbury Cross („die kugelsichere Blondine“) – begeisterte mich daher mit ihrer Classic Burlesque, einer nassen Champagner-Nummer und einem erotischen Fächertanz auf ganzer Linie. Nicht nur der Champagner sprudelte, sondern auch die Künstlerin vor erotischer Energie. Ich bin mir sicher, dass die „Neo-Marilyn“ sowohl jedem Mann als auch jeder Frau im Publikum richtig einheizte.
 
Die Frauen waren auch in dieser Show artistisch wieder sehr stark. Das Duo Sienna (Sina Brummer und Vienna Holz) hat mit ihrer kraftvollen, aber dennoch grazilen Performance und Synchronität an der Pole und am Vertikaltuch (Sina) und Luftring (Vienna) bei dem Zuschauer keine Wünsche offen gelassen. In Zusammenarbeit mit Thula Moon (Aerial Hoop) zeigte das Duo ein atemberaubend schönes und gefühlvolles Unterhaltungsprogramm. Zum Weinen schön!
Doris „die älteste noch arbeitende Artistin am Vertikaltuch“ – ist wohlgemerkt im Jahr 1945 geboren und rockt mit ihrer Akrobatik noch immer die Bühne. Meine Hochachtung vor so viel Biegsamkeit in diesem Alter.
 
Biegsam ist auch David Pereira, den ich bereits in „Der Helle Wahnsinn“ bewundern durfte. Mit seinen beiden Showelementen Kontorsion und Hula Hoop beweist dieser Ausnahmeakrobat mal wieder, dass er sich in alle Richtungen bewegen kann.
Chris Myland an den Strapaten war für die großen Gefühle zuständig. In Verbindung mit der Livemusik und dem Licht kamen mir sogar die Tränen bei seiner Performance.
Alessandro Di Sazio überzeugte als sinnlicher Tänzer und als Akrobat am Chinesischen Mast – gemeinsam mit Girma Tsehai. Tsehai kannte ich schon aus der Wiga-Show „Like Berlin“. Auch diesmal begeisterte er alle mit seinem Charme und seiner Hut-Jonglage. Einige Damen im Saal waren bestimmt enttäuscht, dass die Hüte doch nicht heruntergefallen waren.
 
Leider muss ich bei einem der Showprogramme etwas Trauriges schreiben: Die Collins Brothers kamen uns viel zu kurz. Wir hätten sie gerne noch viel länger bzw. häufiger auf der Bühne gesehen. Mit ihrem schwarzen Anarcho-Humor und ihrer naiven und tollpatschigen Art haben sie uns zum Schmunzeln und zum Lachen gebracht. Ein sympathisches und zum Brüllen komisches Duo!
 
Mein Fazit: Die Show „20 20 – Die 20er Jahre Varieté Revue“ ist aufgrund einiger historischer Verweise und Zitate aufrüttelnd, aber auch höchst unterhaltsam und sehenswert! Die Musik ist fetzig, die Stimmen der Sänger sind stark und gefühlvoll und die sehr talentierten Akrobaten sind wie immer eine Augenweide! Diesmal wird die Dosis Sexappeal auf der Bühne sogar etwas erhöht. Das Essen (Meine Vorspeise, die Jakobsmuscheln, habe ich sogar zwei Mal bestellt.) und der Service waren wie immer fabelhaft. Ich kann jedem die Show, die noch bis zum 11. Juni 2020 im Wintergarten Berlin läuft, wärmstens empfehlen. Übrigens gibt es diesmal sogar eine nostalgische Holzklasse in der ersten Reihe. Eine wunderbare Reise in die Goldenen Zwanziger, die einen amüsiert, aber auch aufmerksam für die aktuellen Geschehnisse in der Politik nach Hause gehen lässt.
 
Adresse: Wintergarten Berlin
Potsdamer Straße 96
10785 Berlin
 
Weitere Informationen:
 
Text und Fotos © E. Günther 
erstes Foto (Titelbild) © Wintergarten Berlin

Gewinnspiel: 2×2 Karten für das Computerspielemuseum

imagegroup1997 eröffnet und seit dem 21. Januar 2011 mit einer neuen Dauerausstellung ist das Computerspielemuseum ein Ort für Comuterspielenostalgiker geworden.
Im Museum findet man (Stand: 2015) über ca. 25.000 originale Datenträger mit Computerspielen und Anwendungen, ca. 12.000 Fachmagazine, 120 verschiedene historische Heimcomputer und Konsolensysteme und eine umfangreiche Sammlung von weiteren Dokumenten, wie z.B. Videos, Poster und Handbücher. Das Computerspielemuseum verfügt über eine der größten Sammlungen von Entertainmentsoft- und -hardware in Europa.
 
Den legendären Pong-Automaten; Nimrod, das erste Computerspiel (auf der Industrieausstellung 1951 in Berlin zu bestaunen gewesen); die Wall of Hardware mit über 50 Lieblings-Maschinen (Apple II. Commodore PET. Atari); Games Meilensteine mit 52 Spielemitschnitten berühmter Videospiele, historische Schätze wie „Poly-Play“, aktuelle 3D-Spiele, Tanz- und Bewegungsspiele und und – all das findet Ihr im Computerspielemuseum im ehemaligen Café Warschau in der Karl-Marx-Allee
 
Habe ich Euch neugierig gemacht? Dann verlose ich hiermit 2×2 Eintrittskarten für das Computerspielemuseum und fasse noch einmal das Wichtigste zusammen:
 
Was? 2×2 Eintrittskarten für das Computerspielemuseum
Wann? Die Karten sind bis Ende 2020 gültig.
Wo? Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93A, 10243 Berlin
Was muss ich dafür machen? Den Newsletter der Blogseite „Mein Event-Tipp“ abonnieren und diesen Beitrag liken und unter dem Beitrag einen Kommentar hinterlassen!
 
Das Gewinnspiel endet am Dienstag, den 3. März 2020, um 16 Uhr. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.
Viel Glück und ein schönes Wochenende!
 
Text © E. Günther
Foto „Eingangsbereich des Computerspielemuseums in Berlin“ © Jörg Metzner/​Computerspielemuseum

Illuseum Berlin – Museum der Illusionen in Berlin

Das Wort „Illusion“ stammt vom lateinischen Wort „illusio“ ab und bedeutet „Täuschung“. Der Duden definiert das Wort als „Täuschung durch die Wirkung eines Kunstwerks, das Darstellung als Wirklichkeit erleben lässt“.
 
Seit dem 17. August 2018 kann man im Illuseum, dem Museum der Illusionen in Berlin, sich dieser Täuschung der Sinne hingeben. Am Alexanderplatz, nicht weit vom Fernsehturm entfernt, liegt das Museum, in dem die visuelle Wahrnehmung dem Besucher einen Streich spielt.
Meine Schüler waren dort im Dezember 2019 und haben mir, die diesen Besuch wegen einer Erkältung verpasst hat, davon begeisterte Geschichten erzählt. Also holte ich dieses spannende Erlebnis am Sonntag, den 26. Januar 2020, nach.
 
Über 80 Ausstellungsstücke, zu denen die Sammlung von verschiedenen Hologrammen gehört, zeigen, wie leicht der eigene Verstand zu täuschen ist.
Zu meinen (und der meiner Schüler) Highlights im Museum gehörten der Vortex Tunnel, in dem man das Gefühl hat, dass der Tunnel gleich kippen wird, und der umgekehrte Raum, der einem Flügel verleiht.
Viele Täuschungen sieht man erst auf den Fotos, wie den eigenen Kopf auf der Platte oder das Schrumpfen und Wachsen im Ames-Raum. Verschiedene Fotopunkte im Illuseum animieren den Besucher, an den entsprechenden Stellen ein Foto zu machen. Hat man keine Lust auf ein Selfie, kann man das auch sehr freundliche und kompetente Personal fragen, wenn man nicht schon selbst von diesem hilfsbereit angesprochen wird.
Auch die kleinen Besucher kommen hier voll auf ihre Kosten, wenn sie mit Spielzeug aus Holz und Puzzles ihre motorischen Fähigkeiten trainieren können.
 
Mein Fazit: Das Illuseum ist eine sehr interessante Attraktion in Berlin, in der Jung und Alt ins Staunen kommen und die Besucher erleben können, dass ein Museumsbesuch nicht langweilig sein muss. Wir kommen auf jeden Fall wieder, wenn wir das nächste Mal Besuch in Berlin bekommen.
 
Adresse: Illuseum Berlin
Karl-Liebknecht-Str. 9
10178 Berlin
 
Öffnungszeiten: Montag- Sonntag 10 – 22 Uhr
 
Weitere Informationen:
 
Text und Fotos © E. Günther

Das Gute-Laune-Musical Mamma Mia – Das Musical im Stage Theater des Westens (bis 19.04.2020 in Berlin, ab Oktober 2020 in Hamburg)

Das Lied „Mamma Mia“ (1975) ist jedem, egal ob Jung oder Alt, ein Begriff. Die Band ABBA begeistert mit ihrer lebensfrohen Musik seit Jahrzehnten Millionen von Menschen. Im Jahr 1999 folgte daher das Unausweichliche: die Weltpremiere des mitreißenden Musicals „Mamma Mia“ im traditionsreichen Prince Edward Theatre im Londoner West End. Seitdem bezauberte das Jukebox-Musical (Buch: Catherine Johnson) mit Liedern der schwedischen Popband ABBA, das aus der Feder der männlichen ABBA-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus stammt, bereits über 60 Millionen Menschen.  

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum kam das weltweit beliebte Musical wieder nach Berlin, ins Stage Theater des Westens. Ich habe dieses Musical bereits mehre Male live erlebt. Da man aber so etwas Schönes wie „Mamma Mia“ nicht oft genug sehen und hören kann, habe ich es am Samstag, den 18. Januar 2020, wieder getan und schreibe Euch diese Zeilen mit einem glücklichen Herzen und vielen schönen Erinnerungen an den gestrigen Abend.
 
Doch wovon handelt das Musical „Mamma Mia“, das 2008 mit Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth erfolgreich verfilmt wurde? Es handelt von der allein erziehenden Donna, die mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie auf einer kleinen griechischen Insel lebt und dort eine Taverne besitzt. Die Tochter Sophie weiß noch immer nicht, wer ihr Vater ist. In dem Tagebuch der Mutter liest Sophie, dass drei Männer ihr Vater sein könnten. So lädt Sophie die potenziellen Väter zu ihrer Hochzeit mit Sky ein, ohne dies vorher mit ihrer Mutter und ihrem Verlobten abzusprechen.
Erfährt Sophie endlich, wer ihr Vater ist oder versinkt die Hochzeit in einem Chaos? Und was ist mit Donna, wie wird sie auf die Männer reagieren?
 
Donna ist eine Löwenmutter, die ihre Tochter Sophie alleine großgezogen hat. Sie vergöttert ihre Tochter und hat für sie alles aufgegeben. Einst ein wildes und das Leben liebende Partygirl, das nach Freiheit und Unabhängigkeit strebte, geht sie in ihrer Mutterrolle, die viele Entbehrungen mit sich brachte, auf. Jetzt muss sie ihre Tochter ziehen lassen.
Anna Thorén, die in meinem Lieblingsmusical „Tanz der Vampire“ mitspielte, lebt diese Rolle. Von der ersten Minute an habe ich mich in ihre kraftvolle Stimme, ihre Ausdrucksstärke und ihr schauspielerisches Talent verliebt. Eine sehr gelungene Besetzung, die in jedem Ton und jedem Tanzmove bestätigt wurde! Bei Thoréns Interpretation des Liedes „The Winner Takes It All“, meinem absoluten ABBA-Lieblingslied, hatte ich Gänsehaut und Tränen in den Augen.
 
Donnas Tochter Sophie wird von der charismatischen Sanne Buskermolen, die den Musicalgängern unter Euch aus den Musicals „Tanz der Vampire“ und „Grease“ bekannt sein dürfte, verkörpert. Sophie möchte vieles anders als ihre Mutter machen. Sie möchte nicht ohne einen Mann leben und deswegen ihre Liebe Sky heiraten. Sophie weiß oft nicht, wer sie wirklich ist und ist deswegen auf der Suche nach einer Vaterfigur. Doch liebt sie auch ihre Mutter über alles und will sie nicht enttäuschen. Diese Zerrissenheit der Figur wird großartig von Buskermolen dargestellt. Buskermolen überzeugte das Publikum an dem gestrigen Abend auf der ganzen Linie, als Sängerin, als Tänzerin und als Schauspielerin.
 
Sky ist Sophies Verlobter und liebt und unterstützt Sophie. Doch als er erfährt, dass Sophie ihn angelogen und ihm nichts von der Einladung ihrer drei potentiellen Väter erzählt hat, ist er zutiefst enttäuscht.
Sky wird von Benét Monteiro gespielt. Der gebürtige Brasilianer, bekannt aus dem Musical „Bat out of Hell“ gibt der Rolle alles, was sie braucht: eine feurige Leidenschaft und viel Temperament.  
 
Donnas Freundinnen und deren Darstellerinnen gehörten gestern zu den Glanzlichtern des Musicals. Sie sorgten für viel Lebensfreude auf der Bühne und für viele Lacher im Zuschauersaal.
Tanja, eine meiner Lieblingsfiguren, ist ein Männer verschlingendes Vamp. Schon drei Mal verheiratet gewesen und trotzdem ist ihr Hunger noch nicht gestillt. Auf der Suche nach einem reichem Mann geht sie aber auf der griechischen Insel eine Liaison mit dem nicht wohlhabenden und deutlich jüngeren Pepper (Duncan William Saul) ein. Tanja legt sehr viel Wert auf ihr Aussehen und wirkt auf den ersten Blick oberflächlich. Doch ist sie eine sehr gute Freundin für Donna und Rosie.
Betty Vermeulen, die schon 2006 diese Figur spielte, interpretiert auch diesmal auf eine fantastische Art und Weise die Rolle und unterhielt in jeder Minute den Zuschauer.
 
Rosie, Donnas zweite beste Freundin, ist das komplette Gegenteil von Tanja. Sie ist die personifizierte Emanzipation der Frau und ist ihr Leben lang ohne einen Mann ausgekommen. Doch sehnt sich Rosie im Grunde ihres großen Herzens nur nach dem Richtigen.
Barbara Raunegger übernimmt wie schon einst in Hamburg die Rolle der Sympathieträgerin Rosie und erwärmt sofort das Herz jedes Zuschauers.
 
Zwar ist das Musical „Mamma Mia“ ein „Frauenpower-Musical“, doch spielen die Männer natürlich auch eine wichtige Rolle. Die drei potenziellen Väter werden von Karim Khawatmi (Sam), Gerd Achilles (Harry) und Jörg Zuch (Bill) dargestellt. Sam hat einst Donna verlassen, um seine Verlobte zu heiraten und bereut diesen Schritt noch immer, da er Donna auch heute liebt. Bill war die Freiheit schon immer wichtiger als ein sicherer Hafen, doch findet er in Griechenland nicht nur eine (mögliche) Tochter, sondern auch in Rosie eine Partnerin. Harry hingegen offenbart einen anderen Grund, warum es damals mit Donna nicht geklappt hat.
Alle drei Darsteller spielten ihre jeweilige Rolle sehr glaubwürdig und zeigten sich gestern auch stimmlich als eine Bereicherung für das Musical.
 
Michael Kunze textete bereits Musicals wie „Tanz der Vampire“, „Rebecca“ und übersetzte auch das Musical „Das Phantom der Oper“ ins Deutsche. Auch seine deutschen Texte in dem Musical „Mamma Mia“ überzeugen. Die Texte wurden thematisch an die Handlung des Musicals angepasst, doch die berühmten Ohrwurm-Melodien des Musicals bleiben erhalten und sorgten an dem gestrigen Abend für einen begeisterten Szenenapplaus an vielen Stellen. Bei den Partykrachern wie „Super Trooper“ oder „Money, Money, Money“ ist das Publikum überschwänglich mitgegangen. Es gab aber auch traurige Lieder wie „The Winner Takes It All“, bei denen ich mir die Tränen wegwischen musste.
 
Mein Fazit: Das Musical „Mamma Mia“ handelt von so vielen schönen Themen: der engen Mutter-Tochter-Beziehung, der jungen Liebe, der Liebe, deren Flamme nie erloschen ist, und der wahren Freundschaft. „Mamma Mia“ ist ein großartiges Gute-Laune-Musical, das aus jedem Pessimisten einen Optimisten macht. Die weltbekannten Lieder der schwedischen Popband ABBA gehen in dem Musical ins Ohr und bleiben für immer im Herzen, was auch den sehr talentierten Sängern und Sängerinnen im Musical zu verdanken ist. Der Produktion gelingt mit jeder kleinen Rolle eine fantastische Besetzung, die sich beim Singen, Tanzen und Schauspielern widerspiegelt.
Bis zum 19.04.2020 könnt Ihr Euch noch im Stage Theater des Westens in Berlin davon überzeugen lassen, dass die ABBA-Musik für immer leben wird. Ab Oktober 2020 ist das Musical in Hamburg zu bewundern.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
 
Text © E. Günther
Fotos © Stage Entertainment

 

Schwanensee – Das Russische Nationalballett aus Moskau auf Tournee durch Deutschland

Überall kennt man „Schwanensee“, den beliebtesten Ballettklassiker aller Zeiten zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Doch zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie die Ballettaufführung „Schwanensee“ live erleben durfte. Da ich schon „Der Nussknacker“ und „Dornröschen“ gesehen habe, wollte ich also unbedingt das Klassiktrio unter den Ballettaufführungen voll machen. Gedacht, getan.
Am Samstag, den 11. Januar 2020, besuchte ich um 16 Uhr im Stage Theater Am Potsdamer Platz eine Interpretation des Klassikers „Schwanensee“ und zwar in der Ausführung des weltweit berühmten Russischen Nationalballetts aus Moskau.
 
Das erstklassige Moscow Classic Ballet unter der Leitung des Direktors Hasan Usmanov besteht aus Absolventen bedeutender russischer Ballettschulen, u.a. des Bolschoi- und des Mariinsky-Theaters. Mit seinem vielfältigen Repertoire („Romeo und Julia“, „Der Nussknacker“, „Giselle“ etc.) feierte das Russische Nationalballett große internationale Erfolge, u.a. in den USA, Südafrika, China, Italien und Deutschland.
Der Nachmittag versprach also großartig zu sein und dies wurde er auch.
 
Doch wovon handelt das weltweit berühmte „Schwanensee“?: Die Geschichte erzählt von dem Prinzen Siegfried, der seinen 21. Geburtstag feiert und nach dem Willen seiner Mutter sich endlich eine Braut suchen soll. Nach dem Fest entdeckt Siegfried im Schlosspark eine Gruppe wilder Schwäne. Besonders angetan ist der Prinz von der Schwanenkönigin. Diese verwandelt sich um Mitternacht in die wunderschöne Prinzessin Odette. Odette wurde vom Zauberer Rotbart verwunschen und kann nur durch den Schwur ewiger Treue und aufrichtiger Liebe befreit werden. Der Prinz schwört ihr daraufhin seine ewige Treue und Liebe. Doch der böse Zauberer Rotbart hat das Paar beim Gespräch belauscht und taucht auf dem Ball mit seiner Tochter Odile in Gestalt der (nun schwarzgekleideten) Schwanenkönigin auf. Der ahnungslose Siegfried hält Odile für Odette und schwört seiner vermeintlichen Liebsten erneut seine Treue. Dies hat zur Folge, dass sein Schwur im Schlosspark aufgehoben wird.
Bedeutet das, dass Odette nun für immer ein Schwan bleiben muss? Oder wird Siegfried seine wahre Liebe noch retten können?
 
Ksenia Pukhlovskaia verkörpert in der Ballettaufführung Odette und deren Gegenspielerin Odile. Pukhlovskaia tanzt grazil und anmutig und transportiert mit ihrem gleichzeitig durchtrainierten und zerbrechlichen Körper die Gefühle der verwunschenen Prinzessin Odette. So bleibt dem Zuschauer in der ausverkauften Vorstellung nichts Anderes übrig, als den Schmerz der verzweifelten Liebenden nachzuempfinden.
Die Rolle des verliebten Prinzen Siegfried, der sich von dem bösen Magier (Alexey Konkin) täuschen lässt, wird von Ivan Zviagintsev tänzerisch perfekt umgesetzt. Hohe Sprünge untermalen seine Verliebtheit, die später ohne sein Verschulden falsch gelenkt wird.
Auch war ich in der gestrigen Ballettvorstellung sehr von Alexander Pokotiolov begeistert, der seine Rolle des Hofnarrs hervorragend ausfüllt.
 
Das ganze Ballettensemble hat mich an dem gestrigen Nachmittag beeindruckt. Noch nie habe ich eine derartige technische Perfektion und tänzerische Glanzleistung in einem Ballett erleben dürfen und das obwohl es sich bei den Balletttänzern „nur“ um Absolventen handelt.
Pas de Trois (Varvara Garagulia, Ekaterina Razgovorova, Maria Leonova, Alexei Afanasiev, Mikhail Vasilev), der berühmte Tanz der vier kleinen Schwäne (Varvara Garagulia, Ekaterina Razgovorova, Polina Solovieva, Irina Chuvakina) und der Spanische Tanz (Anna Vasileva, Natalia Britviina, Alexei Afanasiev, Sergei Skvortsov, Ivan Zviagintsev) – alles wurde mit einer solchen Hingabe und einem hohen tänzerischen Anspruch getanzt. Die Choreografien der Altmeister Marius Petipa, Lew Iwanow und Juri Grigorowitsch wurden mehr als würdig umgesetzt.
 
Mein Fazit: Das Russische Nationalballett aus Moskau ist eine wirkliche Augenweide, die Balletttänzer unfassbar talentiert. Tänzerische Höchstleistung gepaart mit einer tragischen Liebesgeschichte im „Schwanensee“ – dies alles können noch viele andere Städte live erleben (darunter Kassel am 13. Januar 2020, München am 18. Januar 2020, Hamburg am 20. Januar 2020, Flensburg am 21. Januar 2020, Lübeck am 10. Februar 2020).
 
Text und Fotos © E. Günther
Titelbild © München Ticket GmbH
 
 
 

Quatsch Comedy Club (Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Stuttgart)

Wie entkommt man am besten dem Ernst des Lebens? Man geht in den Quatsch Comedy Club, wo es heißt: Lachen, bis der Arzt kommt. Am Sonntag, den 22. Dezember 2019, haben wir es bereits zum dritten Mal gemacht. Und was soll ich sagen?! Diesmal war es sogar noch besser.
 
Um 17 Uhr begann die Show pünktlich in dem ausverkauften Zuschauersaal. Wie immer hat ein Comedian durch die Show geführt und es gab vier weitere Comedians, die nacheinander auf die Bühne gekommen sind.
Unser Moderator an diesem Abend war Ole Lehmann, der Witze über nach Berlin Gezogene (Lehmann kommt selbst aus Hamburg) und über die liebenswerten Eigenheiten von Berlinern machte und dabei immer charmant blieb. Alltagssituationen können manchmal sehr lustig sein!
 
Roberto Capitoni, ein Halbitaliener aus Schwaben, der seine zwei Nationalitäten zu seinem Programm machte, war der erste Comedian, den Lehmann vorgestellt hatte. Mit seiner herzlichen Art und seinen Witzen über Deutsche, Italiener und Schwaben hat er das Publikum schnell auf seine Seite gezogen. Wir durften den Comedian bereits zum zweiten Mal live auf der Bühne erleben und waren erfreut, dass der Comedian neue Witze präsentierte,
 
Der nächste Comedian war Marco Tschirpke, unser persönliches Highlight an diesem Abend. Mit seinem schelmischen Lächeln und seiner Satire am Mikrofon und am Klavier begeisterte er das ganze Publikum. Tschirpke beherrscht die große Kunst der Comedy: auf den ersten Blick zusammenhanglose Sachen in Form eines Gedichtes vortragen und am Klavier singen und dabei die Zuhörer zu überschwänglichen Reaktionen bringen. Alle waren von seiner Art von Humor, der manchmal schwarz war, mehr als begeistert, was sich auch an dem Applaus bemerkbar machte.
 
Mit Rudi Schöller trat ein Newcomer des Quatsch Comedy Clubs auf die Bühne. Schöller wählte als Einstieg ein in Deutschland beliebtes Thema: „Fußball“. Da ich als Einzige im Publikum den „Schlachtruf“ der Fans der französischen Fußballmannschaft genannt habe („Allez les Bleus.“) und danach aufgeregt war, habe ich auch vergessen, ein Foto von dem österreichischen Komiker zu machen – was ich aber beim Abschlussapplaus nachholte.
 
Am Ende trat der Kabarettist David Leukert auf und bewies, dass das Thema „Männer und Frauen“ noch immer die Zuschauer begeistert. Auch seine Geschichten über seinen Sohn in der Pubertät haben dem Publikum sehr gefallen. Besonders angetan war ich, eine Deutschlehrerin, von den Witzen über die Sprache der heutigen Jugendlichen.
 
Mein Fazit: Auch diesmal waren wir von dem Quatsch Comedy Club hingerissen. Eine tolle Stimmung und fünf talentierte Comedians! Natürlich kann man im Quatsch Comedy Club auch die Show nur eines Künstlers / einer Künstlerin besuchen. Ich rate aber zu dem Besuch der Show mit mehreren und/oder neuen und dem Massenpublikum noch nicht sehr bekannten Komikern, deren Witze man noch nicht kennt und die eine erfrischende Show bieten. Wer nicht in Berlin lebt, kann auch in den Städten Hamburg, München, Düsseldorf, Stuttgart den Quatsch Comedy Club besuchen.
 
Weitere Informationen:
 
 
Text und Fotos © E. Günther

Der Ballettklassiker „Der Nussknacker“ in der Deutschen Oper Berlin

Einige verbinden Weihnachten mit dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, andere denken bei Weihnachten an Whams Lied „Last Christmas“, ich hingegen assoziiere diese Zeit mit der Ballettaufführung „Der Nussknacker“.
Als jemand, der in der Ukraine geboren wurde, bin ich mit der Musik von Peter I. Tschaikowsky und dem Nussknacker aufgewachsen. So war es für mich eine Frage der Ehre, am Donnerstag, den 26. Dezember 2019, in der Deutschen Oper Platz zu nehmen und aufgeregt und gespannt auf „Der Nussknacker“ zu warten.
 
Um 19.30 Uhr begann die Geschichte meiner Kindheit und wir sahen, wie die Familie Silberhaus vor einem riesigen Weihnachtsbaum Weihnachten feiert. Die Frauen tragen elegante Seidenkleider und die Männer feine Fracks. Kinder lachen und spielen ausgelassen miteinander. Alle sind fröhlich und genießen das fröhliche Familienfest. Als Geschenke für die Kinder gibt es vier Puppen: die Prinzessin, den Prinzen und den Mäusekönig. Das schönste Geschenk, den Nussknacker, schenkt aber der geheimnisvolle Drosselmeyer (Federico Spallitta) seinem Patenkind Clara, das sich sofort in die Figur verliebt und sich von nun an rührend um diese kümmert.
 
Um Mitternacht erwachen die Spielfiguren zum Leben und der böse Mäusekönig (Olaf Kollmannsperger) bedroht mit seiner Mäusearmee die anderen Spielfiguren. Der Nussknacker entführt nach seiner Rettung durch Clara Clara in eine Traumwelt, in der er sich in einen schönen Prinzen verwandelt…
 
Die ganze Zeit fühlte ich mich wie in einem Märchen, was zum großen Teil der elfengleichen Clara (Ksenia Ovsyanick, die ich schon in und als „Dornröschen“ auf der Bühne bewundert habe) und ihrem bezaubernden Nussknacker-Prinzen (Dinu Tamazlacaru) zu verdanken war. Beide harmonierten auf der Bühne neben- und miteinander und nahmen den Zuschauer zu der Musik von Peter I. Tschaikowsky unter der musikalischen Leitung von Anton Grishanin in eine mystische Welt voller bezaubernder Bilder. Auch die übrigen Balletttänzerinnen tanzten wundervoll, wie funkelnde Schneeflöckchen – ein wunderschönes Abschlussbild vor der Pause.
 
Der zweite Akt war tänzerisch sogar anspruchsvoller, da die beiden Hauptprotagonisten in einer Solovorstellung dem Publikum ihr Talent demonstrierten, was zum begeisterten Szenenapplaus seitens der Zuschauer führte. Und da in einer Traumwelt alles möglich zu sein scheint, entstanden im Folgenden zauberhafte und geheimnisvolle Bilder vor unseren Augen: Zuerst bekamen wir einen spanischen Tanz von einer Flamencotänzerin und ihren Toreros zu sehen. Weronika Frodyma, Marco Arena, Alexander Bird, Cameron Hunter und Konstantin Lorenz tanzten hier miteinander hingebungsvoll und leidenschaftlich.
 
Es folgte ein orientalischer Tanz von Konkubinen. Dabei bewegten sich die Tänzer Giacomo Bevilacqua, Filipa Cavaco, Jordan Mullin, Kathrin Rooke, Georgeta Varvarici verführerisch wie Schlangen, die gleich ihre Beute erlegen werden. Der chinesische Tanz wurde voller Anmut von den Balletttänzern Yuka Matsumoto und Lewis Turner getanzt. Beide evoziierten beim Zuschauer Bilder von Fernost.
In dem letzten Bild der Traumwelt zeigten uns lebende Sonnenblumen einen grazilen Goldenen Walzer, bevor Dinu Tamzlacaru und Ksenia Ovsyanick als Paar und abwechselnd in einem Soloauftritt brillierten und dem Publikum bewiesen, warum sie zurecht diese unter den Balletttänzern angesehenen Rollen tanzten durften.
 
Die Choreografie der beiden russischen Choreographen Vasily Medvedev und Yuri Burlaka beruht auf der szenischen und choreographischen Überlieferung des Originals von 1892 und überzeugte nicht nur mich an dem gestrigen Abend. Auch das pompös wirkende Bühnenbild von Andrei Voytenko und die authentischen Kostüme von Tatiana Noginova wurden nach einem historischem Vorbild geschaffen, was meine Begleitung und mich vollends begeistert hat.
 
Mein Fazit: Mit dieser klassischen Inszenierung gelingt dem Staatsballett Berlin eine zauberhafte Version des Nussknackers, in der wir zusammen mit den talentierten Tänzern in eine Märchenwelt voller Magie eintauchen. Ich konnte ca. zwei Stunden lang nicht aufhören zu lächeln und war wie der größte Teil des Publikums einfach entzückt. Am Ende haben die Zuschauer die Tänzer und die Verantwortlichen flammend gefeiert. Vor allem die vielen Kinder der Ballettaufführung, die das Herz jedes Zuschauers erwärmt haben, wurden am Ende zurecht mit einem frenetischen Applaus belohnt.
 
Wer sich genauso wie ich von der geheimnisvollen Welt des Nussknackers verführen lassen und eines der beliebtesten Ballette überhaupt in der Deutschen Oper erleben möchte,
dem sei die weiteren Vorstellungen wärmstens empfohlen:
Montag, den 30.12.2019, um 19.30 Uhr
Mittwoch, den 1.1.2020, um 18 Uhr
Freitag, den 3.1.2020, um 19.30 Uhr
Freitag, den 10.1.2020, um 19.30 Uhr (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)
 
Adresse: Deutsche Oper Berlin
Bismarckstraße 35
10627 Berlin
 
Weitere Informationen:
 
Text © E. Günther
Fotos „Szenenbilder“ © Yan Revazov
Fotos am Ende („Applausbilder“) © E. Günther