Sweet Home Europa in der Vaganten Bühne – Wo liegen deine Wurzeln?

Was bedeutet Heimat für dich? Wo liegen deine Wurzeln? Was verstehst du unter einer gelungenen Integration? Vermisst du dein Zuhause? Fragen, mit denen ich mich in letzter Zeit verstärkt wegen meiner Arbeit als Lehrerin mit jungen Männern mit einem Migrationshintergrund beschäftigt habe.

Es war also nahe liegend, dass das in der Vaganten Bühne aufgeführte Theaterstück „Sweet Home Europa“ von Davide Carnevali, dem mehrfach ausgezeichneten Autor aus Italien, mein Interesse weckte.
Beim Besuch des Theaters des Westens haben wir uns schon oft vorgenommen, dass wir einmal die Vaganten Bühne, das Privattheater in der Kantstraße im Ortsteil Charlottenburg, aufsuchen wollen. Am Freitag, den 10. März 2017, war es dann soweit.
Das Foyer, das gleichzeitig ein Café ist, war an diesem Abend sehr gut gefüllt und zeigte die unterschiedliche Vielfalt der Zuschauer, die alle Altersstufen und verschiedene Nationalitäten vertraten.
Zur Handlung des von Sabine Heymann ins Deutsche übersetzte und von dem Regisseur Stefan Lochau inszenierte Theaterstück:
Zwei Männer, die offensichtlich aus unterschiedlichen Ländern kommen und einer unterschiedlichen Kultur entstammen, treffen sich zu einem Geschäftsessen. Eine Frau führt ein Telefongespräch mit ihrem Sohn, der seine Heimat für eine bessere Zukunft verlassen hat. Ein Mann bittet einen anderen Mann auf der Straße um etwas Kleingeld.
Diese alltäglichen Situationen sind jedoch eng miteinander verbunden und erzählen die Geschichte eines jungen Mannes, der in ein anderes Land gekommen ist, um dort glücklich zu werden.
Das ganze Theaterstück über wird kein Land und keine Zeit benannt, in der die Geschichte spielt. Jedoch kann man aufgrund der Geschichte eine geografische und zeitliche Eingrenzung vornehmen. Da der Geschäftspartner aus dem anderen Land Ramadan feiert, kommt er offensichtlich aus einem muslimischen Land. Zudem ist seine Heimat von einer Wüste umgeben. Der andere Geschäftspartner, der den „Fremden“ zum Geschäftsessen einlädt, repräsentiert dabei die Nation, die das Land des anderen vorher kolonisiert und offenbar ausgebeutet hat.
In „Sweet Home Europa“ werden viele Themen behandelt, die die menschliche Existenz bestimmen: Traditionen, Kultur, Familie, Liebe, Sehnsucht, Sprache, das unterschiedliche Verständnis einer gelungenen Integration, Religion und verschiedene Erziehungsmethoden und Frauenbilder. Der Zuschauer stellt dabei die in der Gesellschaft tief verankerten Machtstrukturen fest: zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen und den unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen.
Allerdings sorgen die drei Darsteller Alessandro Calabrese, Richard Manualpillai und Astrid Rashed dafür, dass das Theaterstück nie zu moralisierend, sondern immer witzig und manchmal etwas zu absurd wirkt.
Aus diesem Grund können wir auch das 90 Minuten dauernde Theaterstück (ohne Pause) empfehlen, denn hier wird man gleichzeitig zum Denken und Lachen angeregt.
Kontakt: Vaganten Bühne
Kantstraße 12A
10623 Berlin
030 3124529
Weitere Informationen:
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Text © E. Günther
Fotos © Gernot Wöltjen

WUNSCHKINDER im Renaissance-Theater – Ist es heutzutage verboten, jung und unbeschwert zu sein?

Warum dürfen heutzutage Kinder nicht einfach Kinder sein? Kann denn ein Kind nicht einfach verspielt und albern sein? Nein, stattdessen bekommen die Kinder von heute Tabletten, um sie ruhig zu stellen und das nur weil sie sich ihrem Alter entsprechend verhalten. Muss ein 19-Jähriger nach dem Abitur sofort wissen, was er später machen möchte? Ja, in der heutigen Gesellschaft, die nur auf sichtbaren Erfolg ausgerichtet ist, wird es erwartet.

Das alles sind Fragen, die ich mir als Pädagogin sehr oft stellen muss. Aus diesem Grund habe ich mich sehr gefreut, dass das Renaissance-Theater „Wunschkinder“, eines der bekanntesten Texte von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, deren Werke mehrfach ausgezeichnet wurden und zu den meistgespielten Texten der Gegenwart auf deutschen Bühnen gehören, ins Programm aufgenommen hat.
 
Am Samstag, den 4. Februar 2017, haben wir schließlich das an diesem Abend fast bis auf den letzten Platz ausverkaufte Theaterstück unter der Regie von Torsten Fischer und des Regieassistenten Joachim Flicker besucht und waren ganz gespannt, zu erfahren, ob die vielen positiven Kritiken im Vorfeld berechtigt waren.
 
Die „Wunschkinder“ handeln von Marc, der nach seinem Abitur vor vier Monaten sich hat hängen lassen. Er ist nur am Kiffen, Schlafen und am Feiern, sonst hat sein Leben keinen weiteren Sinn mehr. Seine Eltern Gerd und Bettine sind natürlich deswegen verzweifelt. Eines Tages ändert sich jedoch alles zum Guten, da Marc eine neue Freundin hat: Selma. Doch dann kommt Marc eines Abends völlig verstört nach Hause zu seinen Eltern …
 
Simone Thomalla war für mich die positive Überraschung an diesem Abend. Ich wusste nicht, welches schauspielerische Talent sich in ihr verbirgt. In ihrer Rolle der liebenden und fürsorglichen Mutter Bettine, die für ihren Sohn alles aufgegeben hat und immer für ihn da ist, geht sie förmlich auf. Egal, ob beim schnellen Tanzen, dem guten Zureden oder beim Ausrasten, in allen Szenen machte sie im doppelten Sinne eine gute Figur.
 
Bettines Ehemann, Gerd, ist leitender und gut verdienender Ingenieur, der von dem Schauspieler Christian Schreiber gespielt wird. Im Gegensatz zur Mutter Bettine ist er ungeduldiger und erwartet mehr von seinem Sohn, seiner „Investition“. Schließlich hat er für die Erziehung und Schulbildung seines Sohnes viel bezahlt. Die Rolle des strengen, aber doch liebenden Vater nahm der Zuschauer Christian Schreiber ab und honorierte diese Leistung mit einem entsprechenden Applaus am Ende.
 
Am meisten als Schauspielerin hat uns an diesem Abend Judith Rosmair überzeugt, die Selmas Mutter, Heidrun, verkörpert. Sie ist eine besorgte und gutmütige Mutter, die ihre Tochter über alles liebt und mit dieser eine unzertrennliche Einheit bildet. Doch das harte Leben als allein erziehende Mutter hat sie krank und zerbrechlich gemacht. Auf den Zuschauer wirkt sie leicht verrückt, was durch ihre zerzausten Haare unterstrichen wird.
 
Arne Gottschling ist Marc, Gerds und Bettines Sohn. Er versteht den ganzen Druck seitens der Eltern nicht, schließlich hat er doch vor Kurzem Abitur gemacht. Jetzt will er einfach nur das Leben genießen, ohne einen genauen Lebensplan zu haben. Er spielt den typischen jungen Mann, der gerne Sport macht und nicht von den neuen Medien loszureißen ist. Am meisten vertraut er seiner Tante, die ihn am besten verstehen kann. In der Rolle des orientierungslosen jungen Mannes hat mich Gottschling überzeugt.
 
Die von vielen anderen Theaterstücken bekannte Angelika Milster (darunter von dem Theaterstück „Doris Day“) übernimmt die Rolle der coolen Tante Katrin, die das totale Gegenstück zu ihrer spießigen Schwester Bettine ist. Sie ist aufgeschlossen und so kommen Marc und seine Freundin zu ihr, wenn sie etwas bedrückt. Eine Rolle, die der Darstellerin auf den Leib geschneidert ist!
 
Lotta Wegner ist die starke Figur Selma, die ihre Mutter abgöttisch liebt und schon früh lernen musste, stark zu sein und alles Schlechte von ihrer Mutter abzuwenden. Neben ihrer kranken Mutter und ihrem Abschluss hat sie zudem noch zwei Jobs.
Ich konnte mich mit dieser Figur sehr gut identifizieren, da ich auch eine starke Bindung zu meiner Mutter habe und viele Menschen oft nicht sehen, dass hinter dieser Stärke aber eine große Zerbrechlichkeit versteckt ist.
 
Das Theaterstück spricht sehr viele gesellschaftskritische Themen an:
° den hohen Leistungsdruck der Eltern, die ihre Wünsche und Erwartungen auf ihre Kinder projizieren.
° die Rebellion der wohlbehüteten Kinder, die am liebsten aus diesem Kokon ausbrechen möchten.
° den Zusammenprall zweier Generationen, die ein unterschiedliches Verständnis von Erfolg haben und die Tatsache, dass die ältere Generation vergessen hat, dass auch sie mal jung war.
° die Probleme zwischen Eheleuten, die sich im Laufe der Zeit entwickeln können.
° das noch immer unterschiedliche Männer- und Frauenbild: Der Mann ist der Großverdiener, der die Familie ernährt, die Mutter kümmert sich um die Erziehung der Kinder und ist für die Harmonie im Haus verantwortlich.
° die starke Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind.
° Schwestern, die sich ständig vergleichen, aber dennoch zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.
Allerdings werden diese Themen auf eine unglaubliche humorvolle Art und Weise dargestellt. Zwei Stunden lag konnten die Zuschauer ihr lautes Gelächter nicht unterdrücken.
 
Mein Fazit: Das ganze Theaterstück über habe ich viel gelacht und war froh darüber, dass die Themen, die mich oft beschäftigen, nicht zu moralisierend behandelt wurden. Am Ende kamen mir jedoch Tränen, da „Wunschkinder“ einen trotzdem zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Ich kann jedem das Theaterstück nur empfehlen: eine großartige Geschichte und ein wundervoller Cast, was will man mehr?!
 
Kontakt: Renaissance-Theater
Knesebeckstraße 100
10623 Berlin
030 3159730
 
Vorstellungen: 6. Februar 2017 (16 Uhr) / 14. – 17. Februar 2017 (20 Uhr) /18. Februar 2017 (18 Uhr) / 19. Februar 2017 (18 Uhr) mit anschließendem Publikumsgespräch / 28. Februar – 4. März 2017 (20 Uhr) / 5. März 2017 (18 Uhr) / 6. – 9. März 2017 (20 Uhr)
 
Kartenpreise: 10,- bis 42,- € (So. – Do.) und 12,- bis 48,- € (Fr., Sa.+ Feiertage)
 
Achtung: Azubis zwischen dem 16. und dem 24. Lebensjahr können das Azubi-Ticket erwerben, das ihnen ermöglicht, in dem Theater Stücke für 3 Euro zu besuchen. Auch Studenten kommen nach dem Erwerb der „Studi-Flät“ für 10 Euro in den Genuss von Vergünstigungen. In den darauffolgenden sechs Monaten erhält der/die Student/in an der Abendkasse für alle Vorstellungen im Renaissance-Theater Berlin – nach Maßgabe der vorhandenen Plätze – ein Ticket für nur 1 Euro.
 
Weitere Informationen:
 
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© E. Günther

 

 

Gewinnspiel zum Theaterstück „Erbarmen“ im Berliner Kriminal Theater

2_120Wer kennt nicht den spannenden Psychothriller von Jussi Adler-Olsen?! Schon die Verfilmung hat viele begeistert. Nun gibt es das Theaterstück dazu.

Ich verlose 1×2 Freikarten für das Kriminalstück ERBARMEN am Montag, den 30.01.2017, um 20 Uhr im Berliner Kriminal Theater.

Das Berliner Kriminal Theater in Friedrichshain, das zu meinen Lieblingstheatern gehört, befindet sich in einem kleinen Hinterhof neben dem Restaurant Umspannwerk Ost. Im Hinterhof hängen Bilder der aktuell gespielten Theaterstücke. Dabei handelt es sich, wie der Name „Kriminal Theater“ schon sagt, um die Inszenierungen bekannter Krimis, sei es von Agatha Christie, Umberto Eco oder Alfred Hitchcock. Im Foyer kann man die Fotos der männlichen und weiblichen Darsteller der einzelnen Theaterstücke bewundern.
Bereits zwei Theterstücke habe ich in dem Theater besucht und war jedes Mal von der Umsetzung des literarischen Stoffes und von dem Cast begeistert.

Zu der Handlung des Theaterstückes: Carl Mørck ist seit 25 Jahren Vizekriminalkommissar bei der Mordkommission Kopenhagen. Bei einem besonders heiklen Einsatz gerät sein Team in einen Hinterhalt, ein Kollege wird getötet und ein anderer schwer verletzt. Mørck selbst kommt äußerlich fast unbeschadet davon, erleidet allerdings ein Trauma. Erst zwei Monate später kehrt er in den Dienst zurück. Er wird in ein Kellerbüro abgeschoben und mit dem Aufbau des Sonderdezernats Q beauftragt, das alte uaufgeklärte Fälle unauffällig zum Abschluss bringen soll. Dazu bekommt er mit dem Syrer Hafez el-Assad einen neuen Assistenten. Die beiden lassen es ruhig angehen, bis Mørck auf die Akte der seit Jahren vermissten Politikerin Merete Lynggaard stößt: Sie war spurlos von einer Personenfähre verschwunden, ihr Fall wurde schließlich als wahrscheinlicher Selbstmord eingestuft und nicht weiter verfolgt. Mørcks alter Ehrgeiz ist geweckt und er geht einigen Nachlässigkeiten bei den bisherigen Ermittlungen nach. Er findet immer deutlichere Hinweise darauf, dass die vermeintlich Tote noch am Leben sein könnte und sich in großer Gefahr befindet, denn sie wird seit Jahren in völliger Isolation und Dunkelheit gefangen gehalten.

Adresse: Berliner Kriminal Theater
Palisadenstraße 48
10243 Berlin

Falls dein Interesse geweckt worden ist, dann mach bei dem Gewinnspiel mit! Alles, was du dafür tun musst, ist: Like diesen Beitrag UND kommentiere in dem unteren Kommentarfeld, was dein Lieblingskriminalroman ist! Die Verlosung endet am Donnerstag, den 26. Januar 2017, um 17 Uhr.

Ich wünsche Euch viel Glück! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Weitere Informationen: http://kriminaltheater.de/index.php?article_id=161

© E. Günther

Die 7 Leben des Fräuleins B. – die neue Show von und mit Lena Binski

Wie ich bereits an dieser Stelle Euch berichtet habe, war ich am Samstag, den 8. Oktober 2016, mit meinem Mann und meiner langjährigen Freundin auf der 25 Jahre-Jubiläumsfeier des ACUD-Theaters: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1709255296067897&id=1520602494933179
 
Auf dieser Jubiläumsfeier ist uns besonders ein Programmpunkt positiv aufgefallen: der Showausschnitt von und mit Lena Binski. Diese Begeisterung für die Künstlerin führte dazu, dass mein Mann und ich am Samstag, den 3. Dezember 2016, ihre neue Show im ACUD-Theater, „Die 7 Leben des Fräuleins B.“, besuchten.
 
Lena Binski ist Komikerin, Dozentin im Bereich Physical Theater, Clownerie und Pantomime und bereits eine feste Größe im ACUD-Theater. Zudem bietet Binski auch sehr viele Workshops an, in denen man lernt, seine komische Seite (auf der Bühne) zum Vorschein zu bringen.
Ihre Vorliebe für alte Stummfilme Anfang des 20. Jahrhunderts kann man in allen ihren Shows erkennen. Binskis Shows sind nahezu nonverbal und das ist eines der Gründe, warum ihr Publikum an diesem Abend deutsch-, russisch- und französischsprachig war.
 
In ihrem 50-minütigen Stück, das eine Mischung aus Theater und Comedy ist, verkörpert sie im Grunde eine einsame Frau, die sich selbst Briefe schreibt, und ihre Einsamkeit mit einem Selbstmord beenden möchte. Doch alle Selbstmordversuche scheitern: Das Gift macht sie nur betrunken und wieder lebensfroh. Den Strick kann sie nirgendwo anbringen und nützt ihn daher zum Seilspringen. Der Zug fährt doch nicht über die Gleise, auf denen sie liegt.
 
Man bekommt von dem schauspielerischen Talent der Lena Binski nicht genug, der Wechsel zwischen Zynismus und Lebensfreude begeistert. Die Themen Einsamkeit, Glück und Hoffnung auf Erlösung wirken in keiner Minuten schwer, denn Lena Binski bringt alle mit ihrer facettenreichen Mimik und Gestik und ihrem Gespür für Situationskomik zum Lachen. Am Ende bekommen alle im Saal Blumen und werfen diese am Ende Lena Binski auf die Bühne – wie zu früheren Zeiten, als große Diven noch mehr gewürdigt wurden.
 
Weitere Informationen:
 
Kontakt: ACUD
Veteranenstraße 21
10119 Berlin
030 44359497
 
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© E. Günther

 

Glaspalast auf dem Pfefferberg – Märchen für kleine und große Kinder

Winterzeit ist Märchenzeit. Winterzeit ist Kuschelzeit. Winterzeit ist Zeit mit guten Freunden bei einem Glas Glühwein verbringen, am besten am Lagerfeuer. Dieses Konzept verfolgt auch der Glaspalast am Pfefferberg, in dem man bis zum 15. Januar 2017 Märchen für Kinder und für Erwachsene neu interpretiert erleben kann.

Wie Ihr schon mehrmals festgestellt habt, liebe ich den Pfefferberg und habe Euch bereits am 12. Juni 2016 in meinem Blog von dem Pfefferberg Theater vorgeschwärmt:
https://www.facebook.com/permalink.php.story_fbid=1632842440375850&id=1520602494933179
Zudem essen wir dort sehr gerne in dem Restaurant Tauro, das tatsächlich den besten Brunch Berlins hat (siehe Blogbeitrag im April 2016):
https://www.facebook.com/permalink.phpstory_fbid=1598112037182224&id=1520602494933179

So stand es außer Frage, dass ich bei der Vorstellung des neu eröffneten Märchenberges am Mittwoch, den 23. November 2016, auch dabei sein werde. Diesem Wunsch folgten offenbar auch viele andere Leute, denn der Glaspalast war an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem Glühwein in einer durch die Laternen gemütlich geschaffenen Atmosphäre machte uns eine Glocke darauf aufmerksam, dass es bald losgehen sollte.

Begonnen wurde das märchenhafte Spektakel mit „Der gestiefelte Kater“, einer Variante für Erwachsene. Der lebenslustige Kater wurde von der ebenso lebensbejahenden Carsta Zimmermann verkörpert und versuchte, den grimmigen Müllerssohn (Torsten Schnier) zu einer Interaktion zu begeistern, was ihm aber selten gelang, da der Müllerssohn an seinem Missfallen keinen Zweifel ließ. Dies änderte aber nichts an der guten Laune des Katers, der nur so vor Energie sprühte.
Das ganze Publikum lag vor Lachen auf dem Boden und fand großes Gefallen an diesen unterschiedlichen Charakteren. Wieder einmal überzeugten mich die beiden Darsteller des Stückes, Torsten Schnier kannte ich bereits von „Der Geizige“.

Nach einer 10-minütigen Pause kam mit „Rotkäppchen“ das zweite Märchen an diesem Abend, das mich sogar mehr packen konnte als „Der gestiefelte Kater“. Vielleicht lag es aber auch daran, dass mit Vlad Chiriac, der den bösen und wilden Wolf an diesem Abend spielte, mein Lieblingsdarsteller des Pfefferberg Theaters auf der Bühne stand. Aber auch Ina Gercke, die ich bisher noch nicht kannte, ging in ihrer Rolle des züchtigen Rotkäppchens auf. Die Mimik dieser beiden Darsteller und die Artikulation (Überspitzung des rollenden R) war einfach nur großartig!
Das Märchen war natürlich eindeutig für Erwachsene konzipiert, da es sexualisiert und derb präsentiert wurde. So wurde das Rotkäppchen von dem Wolf am Ende ins Bett gelegt, allerdings auf die erwachsene Art und Weise.

Mein Fazit: Das ganze Publikum hatte einen sehr lustigen Abend und die Zeit (Jedes Märchen dauert eine halbe Stunde.) verging leider wie im Flug. Die sehr zufriedenen Zuschauer werden sicherlich wiederkommen. Wer mit seinen Kindern kommen möchte, der sollte das Theater nachmittags besuchen, Erwachsene dagegen abends. Wer die Märchen unter Glas erleben möchte, der kann dies noch bis zum 15. Januar 2017 tun. Es werden immer zwei Märchen hintereinander aufgeführt. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder bis zu 13 Jahren 6 Euro. Die Eintrittskarten für die 10 Uhr-Vorstellung kosten übrigens 5 Euro. Also ich wünsche Euch eine märchenhafte Zeit im Glaspalast…

Weiterer Eventtipp: Am Sonntag, den 27. November 2016, findet von 14 Uhr bis 18 Uhr im Glaspalast ein Kinderfest statt, mit dem „Froschkönig“ und „Hans im Glück“ um 15 Uhr und mit „Rapunzel“ und „Der gestiefelte Kater“ um 16.30 Uhr.

Weitere Informationen:

Adresse: Glaspalast auf dem Pfefferberg
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin

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Text © E. Günther
Fotos © Daniel Wetzel

 

 

 

„Er ist wieder da“ – der Erfolgsroman von Timur Vermes als Theaterstück

Sie ist wieder da: eine Partei, die in jeder Schicht das Urteilsvermögen der Menschen trübt und den Verstand in allen Schichten vernebelt.
Sie sind wieder da: kluge Männer und Frauen, die wie Schafe den nichtssagenden Parolen einer Partei folgen.
„Er ist wieder da“, der millionenfach verkaufte Bestsellerroman von Timur Vermes, der im Jahr 2015 erfolgreich verfilmt wurde, läuft jetzt als von Axel Schneider inszeniertes Theaterstück im Theater am Kurfürstendamm in Berlin.
 
Als Demokratie liebende Lehrerin, die in ihrem Unterricht Schüler verschiedener Nationalitäten unterrichtet und Toleranz predigt, musste ich natürlich diese Satire in Theaterform sehen und gehörte deswegen mit meinem Mann am Freitag, den 11. November 2016, zu den Besuchern des an diesem Abend sehr gut besuchten Theaterstücks.
 
Zur satirischen und zum Teil sehr bedrückenden Geschichte des Theaterstückes: Adolf Hitler wacht 69 Jahre nach dem Zweiten Weltkriegs in Berlin auf und wundert sich über die Veränderung „seines“ Deutschlands. Wohin man schaut, sieht man Ausländer, die hier leben, lieben und ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen. Deutschland wird von einer demokratischen Regierung regiert.
Aber niemand glaubt dem wenig begeisterten Hitler, dass er wieder da ist, alle sehen in ihm einen weiteren, aber diesmal überzeugenden Imitator. Der obdachlose Hitler kann bei einem Kioskbesitzer unterkommen und wird von diesem an die Fernsehproduzenten Sensenbrink und Sawatzki vermittelt. Bellini, die Chefin des Senders, erkennt schnell ein potentielles Comedytalent in Hitler. Hitler bekommt ein Büro und wird zum neuen Star. Er ist wieder da und einem erneuten Aufstieg scheint nichts im Wege zu stehen.
 
Trotz der Schwere dieses Themas kommen in dem Theaterstück sehr viele Witze vor, die den Zuschauer, auch wenn er das vielleicht anfangs nicht wollte, zum Lachen bringen. So fragt die Figur Hitler, die sich keiner Schuld bewusst ist: „Sehe ich aus wie ein Verbrecher“? Adolf Hitler lässt seine Uniform in einer türkischen Blitzreinigung waschen, ein historischer Verweis auf den Blitzkrieg. Auch gibt es sehr viele ironische Bezüge zur aktuellen Medienlandschaft: Stromberg, die RTL-Sendung „Mitten im Leben“ und die zahlreichen Kochsendungen.
 
Kristian Bader „glänzt“ in seiner Rolle des Adolf Hitlers und spielt diese bis auf die letzte Faser seines Körpers überzeugend, was einem oft einen Schauder über den Rücken laufen lässt, weil man sich dank dieser großartigen Darstellung in die dunkle Zeit versetzt fühlt. Mimik, Gestik, die Stimme – alles wird von Bader perfekt imitiert.
 
Der „neue“ Hitler muss sich zwar im neuen Berlin zurecht finden, was ihn oft überfordert, weil er die neuen Medien nicht bedienen kann, ist aber dennoch der alte grausame Hitler geblieben. Wenn Bader als Hitler eine Rede hält und diese parallel auf dem Bildschirm an der Wand „ausgestrahlt“ wird, wenn seine Stimme dabei so verändert wird, dass man glaubt, einem Radioprogramm gerade zu folgen, dann erinnert das den Zuschauer an die zahlreichen Reden, mit denen Hitler nach der Machtergreifung Stadien füllte und man hat aus diesem Grund einen Kloß im Hals.
 
Parallel zu der dauernden Präsenz des Führers auf der Bühne sieht man auch einen offenbar armen und obdachlosen Mann (von Georg Münzel dargestellt), der Geige, Akkordeon und Kontrabass spielt. Offensichtlich handelt es sich dabei um jüdische Lieder. Diese Gegenüberstellung von Täter und Opfer hält einem noch einmal das nicht in Worte zu fassende Verbrechen vor Augen: die Ermordung von 6 Millionen Juden und die Auslöschung ihrer Kultur in Deutschland. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage einer Figur besonders erschreckend: „Noch immer ist die Anzahl der Juden in Deutschland dezimiert, doch den Deutschen regt die Dezimierung des Waldes viel mehr auf.“ (keine wortwörtliche Wiedergabe)
 
Doch „Er ist wieder da“ ist auch eine Kritik an der Mediengesellschaft, die nur nach Sensation und hohen Einschaltquoten giert und sich nicht für die moralischen Werte interessiert. So tragen die Medien Schuld daran, dass Hitler, der neue Youtube-Star, zum wiederholten Male aufsteigen kann, weil sie ihm eine Bühne bieten.
 
Mein Fazit: Dieses lustige und zugleich beklemmende Theaterstück mit einem wundervollen Kristian Bader können wir jedem empfehlen! Obwohl das Theaterstück das Publikum sehr gut unterhält und viele Lacher garantiert, ist die Botschaft am Ende evident: Der (rechte) Geist des Massenmörders Adolf Hitler war niemals weg und wird leider für immer weiterleben. Diese traurige Wahrheit sehen wir täglich, wenn uns der europaweite Ruck nach Rechts bewusst wird.
 
Spielzeiten: bis zum 20. November 2016 und vom 5. bis 22. Januar 2017
 
Kontakt: Theater am Kurfürstendamm
Kurfürstendamm 206/209
10719 Berlin
030 88591188
 
Weitere Informationen:
 
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© E. Günther

 

 

Das ACUD-Theater wird 25 Jahre alt. – Die Legende (k)lebt.

Als mein Mann und ich einmal in der Veteranenstraße vorbei gefahren sind, hat mein Mann mir davon erzählt, dass er früher im ACUD-Kunsthaus gefeiert hätte, natürlich vor meiner Zeit;)
Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, mich mit diesem Ort genauer zu befassen und fand Folgendes heraus:
In dem ACUD, einem Kunst- und Kulturzentrum in Berlin-Mitte, befinden sich ein Theater, eine Kunstgalerie, zwei Kinos, ein Club, ein Konzertsaal, eine Bar und Ateliers. Zwar arbeiten die einzelnen Bereiche zum Teil unabhängig voneinander, doch schließen sie sich auch immer wieder zu gemeinsamen Veranstaltungen zusammen. Seit 1991 geht das ACUD dem Auftrag, eine alternative Kultureinrichtung in Berlin zu sein, nach.
Trotz der großen Konkurrenz unter den Berliner Kunsthäusern konnte sich das ACUD in Berlin behaupten und im Jahr 2016, dem Jahr des 25. Jubiläums, wurde das Kino im ACUD von den Organisatoren der Berlinale sogar als einer der Teilnehmer bestimmt.
Am Samstag, den 8. Oktober 2016, hat das ACUD seinen 25. Geburtstag gefeiert und mein Mann, unsere sehr gute Freundin und ich waren mittendrin.
Obwohl die Feier an diesem Tag bereits um 14 Uhr mit verschiedenen Auftritten und Workshops für Kinder begann, entschieden wir uns, erst um 20 Uhr zu erscheinen, wenn im ACUD-Theater zahlreiche Performances der früheren und zukünftigen Produktionen aufgeführt wurden. Zu diesen Performances gehörten Theaterausschnitte und kleine Konzerte. Der Moderator Felix Goldmann führte uns durch diesen Abend und informierte uns kurz zwischen den einzelnen Auftritten über den nächsten Programmpunkt.
Gleich zu Beginn fiel mir die Internationalität der Gäste an diesem Abend auf. Man konnte nicht nur afrikanisches Essen auf dem Gelände kaufen, sondern hörte im Publikum auch die russische, englische und französische Sprache.
Wie so oft war ich mit meinem Mann und meiner Freundin derselben Meinung, wer zu unseren künstlerischen Höhepunkten an diesem Abend zählte:
Das seit 2008 existierende musikalische Duo „Die Linkshändler“ (nicht Linkshänder) besteht aus Oliver Gössel (Gesang, Sansula) und Laszlo Moldvai (Hang, Stimme). Beide sangen sowohl Texte von Ritsos und Jandl als unterhielten uns auch wunderbar mit komödiantischen Einlagen, wenn z.B. Laszlo Moldvai mit seinen vielen Notenblättern überfordert zu sein schien. Durch ihre volkstümlichen Musikrichtung entstanden vor meinem Auge Bilder von tanzenden Elfen.
Lena Binski zeigte mit ihrem Clownerie-Programm aus „Die 7 Leben des Fräuleins B.“, wie lustig ein non-verbales Programm gestaltet werden kann, wenn man nur die richtige Mimik und Gestik einsetzt. An diesem Abend entschlossen wir uns, demnächst auch das Soloprogramm der Künstlerin zu besuchen.
Die Schauspielerin Claudia Rippe, die schon auf mehreren Berliner Bühnen gestanden hat, zeigte uns ihr Theaterstück „BEING JANE DARK“. Dabei ging es um die Suche nach sich selbst und dem Wunsch, etwas in seinem Leben erreichen zu wollen oder zu müssen. So änderte die Protagonistin mehrmals ihren Lebenslauf: Aus einer Arbeitslosen, die Selbstmord beging, wurde eine Präsidentin mit Abitur. Claudia Rippe thematisierte die Möglichkeiten, die einem das Leben bietet und Erwartungen, die in der Gesellschaft an eine Frau gestellt werden.
Den ganzen Auftritt über konnte die Darstellerin ihr schnelles Tempo und ihren Enthusiasmus aufrecht erhalten.
Der russische Akkordeon-Spieler Oleg Nehls, der gleich am Anfang auftrat, spielte u.a. das melancholische Lied „Spaziergang“.
Sibille Roth, Susanne Heubaum und Anders Kamp sangen an dem Abend ruhige Lieder aus „Simplex“, die später Anders Kamp auch an der Gitarre begleitete.
Das Ensemble „RATTEN 07“, eine Obdachlosentheatergruppe, präsentierte uns ihre dreiteilige Performance „Es war einmal“, die sich mit gesellschaftskritischen Themen befasste: verwehrte Hilfe von Außenstehenden am Unfallort, ein jähzorniger Vater, der seinen Sohn schlug und die Gründung einer neuen Religion, die von ihren Anhängern sowohl Gehorsam als auch Menschenopfer verlangte.
In der fast wortlosen Performance „Das Röcheln“ kam die Darstellerin und Theaterpädagogin Nadine Giese auf die Bühne. Nach einem unbegründeten Röcheln machte sie ihren Verband ab und fing an, das Fleisch, das in diesem Verband eingewickelt war, zu würzen und anschließend wütend zu klopfen. Am Ende bereitete sie daraus eine Roulade zu.
Die Darstellerin hat mich mit ihrer Mimik sehr überzeugt, allerdings sind wir keine großen Fans des absurden Theaters.
Leider mussten wir nach einer anstrengenden Arbeitswoche bereits um 22 Uhr gehen und verpassten damit das Programm nach der Pause. Somit kann ich Euch leider nichts zu den zahlreichen Künstlern im zweiten Akt schreiben.
Mein Fazit: Wer unkonventionelle Kunst, die von ihrer Spontanität lebt und in kein perfektionistisches Korsett gehört, liebt, der ist im ACUD-Theater genau richtig. Hier erlebt Ihr die unterschiedliche Bandbreite der Kunst, vom Gesang bis zum absurden Theater.
Kontakt: ACUD
Veteranenstraße 21
10119 Berlin
030 44359497
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© E. Günther

 

 

Wildes Berlin – das Hauptstadtmusical im BKA-Theater

 Eine rappende Türkentaube und eine Gras rauchende Füchsin im Görlitzer Park? Ihr meint, dass das zu verrückt für ein Musical wäre? Verrückt ja, aber genau das Richtige für ein Off-Musical im für seine schrägen Shows bekannten BKA.

 Am Samstag, den 24. September 2016, besuchte ich das Musical, über das im Moment die ganze Stadt spricht, in dem für mich bis dato noch unbekannten Theater. Da für mich der Besuch in dieser bekannten Berliner Location ein Novum darstellte, werde ich zuerst ein paar Worte zu dieser künstlerischen Institution schreiben:
 
Die Berliner Kabarett Anstalt (BKA Theater) unter der Leitung von Rainer Rubbert und Uwe Berger besteht seit 1988 am Mehringdamm in Kreuzberg und ist eine Spielstätte für viele Formen der Kunst geworden: Theater, Kabarett, Improvisationstheater, Konzerte, Comedy und eben Musicals. Zudem hat man am Vormittag die Möglichkeit, englischsprachiges Kindertheater und jeden Dienstagabend die „Unerhörte Musik“, Deutschlands einzige wöchentliche Konzertreihe für Zeitgenössische Musik, zu besuchen.
Das BKA-Theater zeichnet sich durch eine loungige Atmosphäre aus, die durch die Auswahl der Musik im Hintergrund (Hip Hop, Rock, Charts) begünstigt wird. Man kann sowohl an einem Tisch der Show folgen als auch die hinteren Sitzplätze buchen.
 
Seit der Premiere am Freitag, den 23. September 2016, läuft auch das oben erwähnte Musical „Wildes Berlin“ im BKA.
Um 19.10 Uhr wurde ich am 24.09. von der Servicekraft an den Tisch Nummer 17 geführt, von dem ich einen guten Blick auf die Bühne hatte. Sofort fiel mir die sehr für den Görlitzer Park, dem Schauplatz des Musicals, authentische Bühnenkulisse auf (für Ausstattung und Kostüm verantwortlich: Jenny Dechêne). Müll lag auf dem Boden und auf der überdimensionalen Sitzbank erkannte man Graffitis: „36 Boys“ und „King Kalid!“. Die Zahl „36“ steht für die frühere Postleitzahl des Bezirks Kreuzberg und die „36 Boys“ waren eine Ende der 1980er Jahre in Berlin bekannte Crew.
 
Zu den Protagonisten dieser Fabel nach Robert Löhr in Musicalform unter der Regie von Denis Fischer und der Regieassistentin Larissa Copetti gehören: eine türkische Taube, eine Reinickendorfer Füchsin, ein Wilmersdorfer Kaninchen, ein schwäbischer Biber, ein amerikanischer Waschbär und der Haus- und frühere Polizeihund Rex.
Gemeinsam leben sie in Harmonie, bis sie nach einem durch Drogen verursachten Filmriss neben einer menschlichen Leiche in ihrem Park aufwachen. Der offensichtlich durch ein Tier begangene Mord bedroht ihre gesamte Existenz und zwingt sie zu einer schnellen Aufklärung.
 
Da eine Fabel eine literarische Gattung ist, in der Tiere menschliche Züge tragen, kann man auch hier viele Berliner Charaktertypen erkennen:
Da ist zum einen der amerikanische Waschbär Wash (von Lars Kempter gespielt), der ein sich nur vegan ernährender und Selfies liebender Hipster ist. Die dominante Füchsin Faye (Emma Rönnebeck) kommt aus dem Märkischen Viertel und hasst jeden Hinzugezogenen, der ihrer Meinung nach sich in Berlin ausbreitet und die Einheimischen verdrängt, zum Beispiel der Biber.
Das schüchterne Kaninchen Sechser (Christian Nähte) aus Wilmersdorf, das auch gleichzeitig Fayes Vermieter (Jawohl, eine Füchsin und ein Kaninchen leben zusammen) ist, ist gegen Nüsse allergisch, leidet unter einer Schwerhörigkeit und Glutenunverträglichkeit und sieht schlecht.
 
Ülker (von Konstanze Kromer fantastisch dargestellt), eine Kreuzberger Türkentaube, musste vor ihrem Ehemann ins Taubenhaus fliehen und erwartet dort ein Kind. Sie steht für die in der Gesellschaft verloren gegangenen Werte wie Ehre und Respekt. Neben der Figur der Ülker übernimmt Kromer auch die Rollen des zugezogenen Bibers, der in Prenzlauer Berg (wo sonst?!) wohnt und der Füchsin durch sein Dialekt und seine aufdringliche Art auf die Nerven geht, der Katzendame Bella, die gerne am Kleber schnüffelt und des polnischen Automarders Jerzy.
Ein weitere Figur in dem Musical ist der eingebildete und ordungsliebende Hund Rex (wie der Waschbär von Lars Kempter verkörpert).
 
In dem Musical wird zu der Musik von Wolfgang Böhmer und den Songtexten (darunter auch dem Ohrwurm „Welcome to Berlin“) von Tom van Hasselt gesungen und getanzt. Dabei geben die Darsteller darstellerisch und körperlich alles und unterhalten hervorragend das Publikum, das sich mit lautem Gelächter und einem tosenden Applaus am Ende bedankt hat.
 
Mein Fazit: Das Musical ist lustig und an manchen Stellen vulgär und ich liebe es! Ein Besuch dieses Musicals ist nicht nur für jeden Berliner unabdingbar, da er viele Lacher garantiert. Das Musical könnt Ihr noch bis zum 11. Februar 2017 besuchen (immer um 20 Uhr). Für genauere Termine besucht Ihr bitte eine der folgenden Seiten:
 
Preise für den Besuch des Musicals:
ab 21,00 € in Reihe (Kategorie 2)
ab 25,00 € am Tisch (Kategorie 1)
 
Wichtiger Hinweis für Sonntag, den 25. September 2016:
Buchpremiere „Wildes Berlin. Ein Bestiarium der Hauptstadt“ mit der musikalischen Begleitung der Musicaldarsteller
BKA-Theater um 17 Uhr
Eintritt frei!
 
Kontakt: BKA-Theater
Mehringdamm 34
10961 Berlin
030 2022007
 
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© E. Günther

 

25 Jahre Theater Thikwa Homescape – Thikwas Zeltstadt

Was ist Heimat? Bedeutet Heimat den Duft von Omas Pfannkuchen? Ist es der Ort, wo dein Partner nach der Arbeit dich mit einem Lächeln empfängt? Oder steht Heimat für das Zuhause, wo du in Jogginghose deinen Bauch nicht einziehen brauchst? Ist Heimat ein Land, eine Stadt oder ein Haus? Jeder von uns hat eine persönliche Definition von „Heimat“. Bei jedem wird bei dem Wort ein anderes Bild hervorgerufen. Mit diesen verschiedenen Bildern beschäftigt sich das Theater Thikwa, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.
 
Seit 1991 erarbeitet das Theater Thikwa unter dem Konzept und der Gesamtregie von Gerd Hartmann Theaterstücke, in denen Menschen mit Behinderungen (vor allem mit dem Down Syndrom) und mit Menschen, die keine Beeinträchtigungen haben, gemeinsam und auf Augenhöhe spielen. Doch das Theater ist nicht nur Spiel-, sondern auch Ausbildungsstätte für Schauspielerei, Sprach- und Körperausbildung sowie Malerei und Arbeiten am Bühnen- und Kostümbild. Mehr als 90 Produktionen, bestehend aus Sprech- und Hörtheater und Tanz, wurden bis jetzt gezeigt.
 
Am Samstag, den 10. September 2016, wollten auch mein Mann und ich dieses pädagogisch wertvolle Konzept kennenlernen und unterstützen und fanden uns kurz nach 19 Uhr mit anderen Zuschauern in einem Hinterhof in Kreuzberg wieder, um bei einem kalten Getränk den sommerlichen Abend zu genießen. Um 20 Uhr wurden wir von einer Theatermitarbeiterin mitgenommen und auf eine Reise durch sechs verschiedene Zelte geschickt.
 
Zunächst kamen wir alle in ein großes Zelt, in dem wir Schattentheater sahen und verschiedene Stimmen hörten, die später in Gesänge zum Thema „Heimat“ übergingen. Nach der Vorführung wurden wir alle durch „Raus!“-Rufe aus dem Zelt geschmissen und wurden so zu Vertriebenen, die sich in anderen Zelten eine neue Heimat suchen sollten.
 
Thikwas Zeltstadt besteht aus sechs Stationen, an denen verschiedene Theaterstücke zehn Minuten lang aufgeführt und anschließend mehrere Male wiederholt werden. So wird gewährleistet, dass der Zuschauer alle 40 Künstler auf der Bühne sehen kann und kein einziges Stück verpasst. Im Foyer spielt zudem eine Live-Band.
 
Mein Mann und ich fanden uns nach dem großen Zelt in dem Zelt der Mission L537 ein, wo Marsmenschen, die 1953 einen Vertrag mit dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower geschlossen haben und später von den Amerikanern verraten wurden, die Erde besiedelt haben. Viele der Theaterstücke (u.a. „Zelten im Zelt“), die wir im Folgenden sahen, kann man dem absurden Theater zuzuordnen.
 
Wer diese Theaterreise in der Zeltstadt auch erleben möchte, hat noch von Mittwoch, den 14.9.16, bis Samstag, den 17.9.16, dazu die Gelegenheit. Die Tickets kosten 16 Euro (ermäßigt 10 Euro). Neben weiteren verschiedenen Theaterstücken (z.B. „Zwillinge“ von Nicole Hummel) widmet sich das Thikwa-Theater im November einem neuen Projekt der Inklusion: In „Biofiction“ werden auch russische Künstler mitspielen und das Integrationsprojekt erweitern.
 
Weitere Informationen:
 
Kontakt:
Theater Thikwa
Theater in den Mühlenhaupthöfen
Fidicinstraße 40
10965 Berlin
 
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© E. Günther

 

 

Tod auf dem Nil – der Agatha Christie-Klassiker im Berliner Kriminaltheater

Wir schreiben das Jahr 2016, in dem es sehr viele neue gute Kriminalautoren (Dan Brown, Sebastian Fitzek etc.) gibt. Doch trotz dieser neuen Krimischätze ist noch immer Agatha Christie meine Lieblingsautorin, wenn es um Kriminalromane geht. Zu meinen Lieblingsromanen von Agatha Christie gehören „Mord im Orientexpress“ und „Tod auf dem Nil“. Keiner anderen Autorin gelingt es, auf so eine spannende Art und Weise eine Geschichte zu erzählen und dieser am Ende eine unerwartete Wendung zu geben.
 
Aus diesem Grund war ich am Samstag, den 27. August 2016, mit meiner Lieblingskollegin, die auch die Agatha Christie-Romane zu schätzen weiß, im Berliner Kriminaltheater, um das Theaterstück „Tod auf dem Nil“ zu besuchen. Für meine Kollegin war es der erste Besuch im Kriminaltheater, das sie aber auf Anhieb überzeugen konnte. Dabei fielen ihr vor allem folgende Punkte positiv auf: die bequemen Sitze und die richtige Temperatur im Saal. Da wir in der achten Reihe saßen, hatten wir neben der guten Sicht auf die Bühne auch viel Beinfreiheit.
 
Um ca. 20 Uhr ging der rote Vorhang auf und der Agatha Christie-Klassiker, für das Berliner Kriminaltheater von Wolfgang Rumpf und Matti Wien als Theaterstück inszeniert und von Maria Jany und Matti Wien bearbeitet, konnte beginnen.
Zu der weltbekannten Geschichte: Auf einem Nil-Dampfer macht das verheiratete Paar Linnet und Simon Doyle Flitterwochen und trifft dort auf Jacqueline de Bellefort, Simons Ex-Verlobte und Linnets ehemalige beste Freundin. Die verbitterte Jacqueline schießt im Verlauf der Reise auf Simon und Linnet und später deren Zofe werden ermordet. Und wie immer bei Agatha Christie hat jeder der Anwesenden ein Motiv und könnte der Mörder sein…
 
Manfred Bitterlich schafft ein detailgetreues Bühnenbild, das dem Zuschauer tatsächlich das Gefühl gibt, sich auf einem Nil-Dampfer zu befinden. Durch das Einspielen der arabischen Musik wird das Ganze noch authentischer. Besonders angetan waren wir von den Kostümen der Darsteller, allen voran von den wunderschönen Kleidern der Darstellerinnen. Ein großes Lob an Vera Krisch für diese gelungene Arbeit!
 
Da Hercule Poirot zu meinen Lieblingsfiguren in Krimnalromanen gehört, war ich sehr auf die Umsetzung der Figur gespannt und wurde auch nicht enttäuscht. Matti Wien spielt den scharfsinnigen und manchmal zynischen Meisterdetektiv, der jeden Mord aufklären kann, perfekt.
Mir war es auch sehr wichtig, die witzige Tatsache, dass Poirot immer wieder betonen muss, er sei kein Franzose, sondern ein Belgier, in dem Theaterstück wiederzufinden.
 
Besonders ausdrucksstark waren in der gestrigen Inszenierung die Darstellerinnen: Suzanne Kockat verkörpert überzeugend die reiche und verwöhnte Linnet Doyle, die sich alles nehmen will und auf den ersten Blick keine Gewissensbisse zu haben scheint. Maria Jany geht in der Rolle der verbitterten und zurückgewiesenen Jacqueline de Bellefort, die ihren Stolz verloren hat und dem Ehepaar das Leben zur Hölle machen möchte, auf. Auch Cornelia Lippert stellt die Figur der Salomé Otterbourne entsprechend der Romanvorlage dar. Salomé Otterbourne wird als eine alkoholkranke Autorin gekennzeichnet, der nicht viel an dem Wohl ihrer Tochter liegt und die nur an ihre Verwirklichung als Schriftstellerin denkt.
 
Das Berliner Kriminaltheater präsentiert wieder einen starken Cast in einem bemerkenswerten Setting. Schade fanden wir es nur, dass man aufgrund des süddeutschen Dialekts der Figur des Dr. Bessner Einiges nicht verstehen konnte. Dies liegt aber nicht an der Darstellung des Karl-Heinz Barthelmeus, der mir in anderen Produktionen positiv aufgefallen war, sondern an der Zeichnung der Figur im Stück.
 
Fazit: Die Inszenierung überzeugt durch ihren Cast, ihr Bühnenbild und die Kostüme und ist für jeden Agatha Christie-Liebhaber ein Muss! Und schließlich ziehen Geschichten über Liebe, Eifersucht, Neid, Betrug und Intrigen die Zuschauer noch immer in ihren Bann…
 
Für weitere Informationen besucht Ihr bitte folgende Seiten:
 
Kontakt: Berliner Kriminal Theater
Palisadenstraße 48
10243 Berlin
030 47997488
 
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© E. Günther