Ein gewisser Charles Spencer Chaplin – die außergewöhnliche Geschichte des privaten Charles Spencer Chaplin im Schlosspark Theater

Der Name „Charles Spencer Chaplin“ (1889-1977) ist jedem ein Begriff. Die einen denken bei dem Namen an die großartige Darstellung im „Der große Diktator“, die anderen an die zahlreichen komödienhaften Darstellungen des Stummfilmartisten mit einem schwingenden Stöckchen, einem abgewetzten Anzug und einer Melone auf dem Kopf. Doch nur die Wenigsten kennen die private Seite des berühmtesten Menschen des 20. Jahrhunderts.
Dem privaten Leben des Ausnahmekünstlers widmete sich der französische Dramaturg und Regisseur Daniel Colas, indem er Chaplins privates Leben von 1914 bis 1975 beleuchtete.
Dieter Hallervorden brachte nun diese Geschichte auf die deutsche Bühne ins Schlosspark Theater.
Am Samstag, den 14. Oktober 2017, war die Premiere, von der ich Euch nun ausführlich berichten werde.

Der Regisseur Rüdiger Wandel und die Regieassistentin Viktoria Feldhaus konzentrieren sich bei dem Theaterstück auf den Aufstieg des in sehr armen Verhältnissen in England aufgewachsenen Charlie Chaplin, der es in den USA mit seiner komödienhaften Darstellung in diversen Stummfilmen zu einem umjubelten Star brachte, der schließlich seine eigenen Filmstudios gründete.
Auf der Bühne blicken wir aber auch hinter die Fassade der Kultfigur und erleben dabei einen zerbrechlichen und liebenden Mann, der auf eine großartige und authentische Art und Weise von Wolfgang Bahro verkörpert wird.

Wolfgang Bahro spielt nicht nur seit seit 25 Jahren Dr. Jo Gerner in der Serie „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“, sondern ist auch eine Größe auf den Kabarett-Bühnen Berlins. Die Figur des privaten Charlie Chaplins ist ihm in der Inszenierung wie auf den Leib geschnitten. Bahro spielt nicht nur einen gefeierten Star, sondern auch einen liebenden Sohn, der seine kranke Mutter, die er vergöttert, in die USA bringt, um sie hier besser versorgen zu können.
Neben zahlreichen Frauengeschichten muss sich jedoch Chaplin ständig mit den Veränderungen in der Weltgeschichte auseinandersetzen. Nach dem Ersten Weltkrieg werden seine Filme von den Nationalsozialisten verboten, da man ihn für einen Juden hält und er in seinen Filmen die Nationalsozialisten karikiert. Doch kaum ist diese schwarze Zeit überstanden, steht Chaplin vor einem erneuten politischen und geschichtlichen Problem: Hoover und das FBI halten ihn für einen Kommunisten und wollen ihm mit einer Zensur zum Umdenken zwingen. Sogar vor einem Einreiseverbot in die USA schrecken die selbst ernannten Bolschewisten-Jäger nicht zurück.

Neben der gelungenen Darstellung des Charlie Chaplin durch Bahro überzeugen auch die anderen Darsteller auf der Bühne: Die mehrfach ausgezeichnete TV-Schauspielerin und Theaterdarstellerin Brigitte Grothum agiert sehr vielseitig in ihrer Rolle der Hannah Hill (genannt Lily Harley), der Mutter von Charlie. Mal ist sie die fröhliche und sich sorgende Mutter, mal wird die Figur von einer tiefen Traurigkeit erfasst.
Judith Wegner spielt hervorragend die dritte – kokette- Frau und Elinor Eidt die vierte – ihrem Mann ergebende – Frau des Charlie Chaplin. Karsten Kramer und Jörg Westphal gelingt es, den loyalen Bruder und den ehrlichen Leiter der Chaplin Studios zu verkörpern. Oliver Nitsche jagt dem Zuschauer in seiner Rolle des besessenen FBI-Gründers Hoover Angst ein.

Auch die authentischen Kostüme von Viola Matthies und Jasper Krafft und die emotionale Musik von Philippe Roth sorgen dafür, dass wir uns sehr gut in die Zeit 1914 bis 1975 versetzt fühlen können.

Mein Fazit: „Ein gewisser Charles Spencer Chaplin“ ist eine sehr gelungene Inszenierung mit großartigen Darstellern, die einen zum Nachdenken anregt und so aktuell wie nie zuvor ist. Wir erleben nicht nur das konfliktreiche Privatleben des Charlie Chaplin, sondern erkennen auch, was Zensur, Jagd auf Andersdenkende und eine strenge Einwanderungspolitik bewirken können. Intoleranz und Freiheitsberaubung waren auch schon früher ein Teil der Weltgeschichte und wiederholen sich erneut.

Weitere Informationen zum Theaterstück:
http://schlosspark-theater.de/produktionen/ein-gewisser-charles-spencer-chaplin.html
https://www.facebook.com/Schlosspark-Theater-Berlin-Offizielle-Seite-332467151990/

Kontakt: Schlosspark Theater
Schloßstraße 48
12165 Berlin
030 78956670

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© E. Günther

 

 

 

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Premiere des Theaterstücks „Convivium Fabulosum. Eine Tischgesellschaft“ im Theaterschiff Potsdam – eine kulturelle Idylle in Potsdam

Das Theaterschiff Potsdam verbindet zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen: Auf der einen Seite sitze ich, wenn ich die Zeit dazu habe, gerne am Wasser, lasse meine Seele baumeln und versuche den Stress der Arbeitswoche zu vergessen. Auf der anderen Seite gehe ich sehr gerne ins Theater und besuche klassische und moderne Theaterstücke. Aus diesem Grund kam es mir wie gerufen, dass das Theaterschiff Potsdam mich zu der Premiere seines neues Theaterstückes, „Convivium Fabulosum. Eine Tischgesellschaft“, am Freitag, den 2. Juni 2017, eingeladen hat.
 
Das Theaterschiff Potsdam ist die einzige schwimmende Kleinkunstbühne Deutschlands und zeigt verschiedene Theaterstücke auf seinem Schiff, in einer traumhaften Atmosphäre am Wasser, die dem stressgeplagten Stadtmenschen eine Gelegenheit zum Ausruhen gibt. Im Schiffsbauch findet man 89 Sitzplätze und 120 Stehplätze im Theatersaal. Zudem gibt es donnerstags von 19 bis 23 Uhr Live-Musik.
 
Im Theaterschiff Potsdam kann man also kulturell viel erleben, denn viele Nachwuchskünstler stellen auf dem Schiff ihre Kunstwerke aus. Junge Nachwuchsmusiker können während der Veranstaltungsreihe „Live in der Bar“ ihre Musik präsentieren.
 
Am Freitag, den 2. Juni 2017, besuchten wir also um 19.30 Uhr eine Theaterpremiere, ein Theaterprojekt in zwei Teilen nach einer Idee von Martina König, in dem es um die Reden und Gedanken Martin Luthers geht. Zu Beginn des Theaterstückes wurden Brezeln und Wein kostenlos verteilt bzw. eingeschenkt.
 
Im ersten Teil hat Christian Klischat in traditioneller Kleidung und unter der Regie von Götz Brandt Martin Luthers Tischreden leidenschaftlich vorgetragen. In der Pause wurde eine geschnittene Wassermelone serviert, eine wundervolle Geste bei den warmen Temperaturen.
Im zweiten Teil unter der Regie von Valentin Werner gingen die Schauspieler Patricia Coridun und Ibrahim El-Akramy den noch immer aktuellen Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Glauben in der Gesellschaft nach.
Sicherlich spricht vielleicht das Theaterstück, das am 6. Juli 2017, wieder aufgeführt wird, in erster Linie Fans von Martin Luther und dessen Reden an, aber das Theaterschiff Potsdam bietet einfach so viel mehr. Doch überzeugt Euch selbst davon:
 
Kontakt: Theaterschiff Potsdam
Schiffbauergasse 9b
14467 Potsdam
0331 2800100
 
#TheaterschiffPotsdam #Theaterschiff #Potsdam #ConviviumFabulosum #EineTischgesellschaft #MartinLuther #MartinaKönig #ChristianKlischat #GötzBrandt #PatriciaCoridun #IbrahimElAkramy #ValentinWerner #Sturmvogel
 
© E. Günther

 

 

Festivalzeit in Berlin – Performing Arts Festival, SOFA im Admiralspalast und Circus Festival

Es ist endlich Sommer! Die Temperaturen steigen, die Musik wird immer lauter und die Laune immer besser. Zum Glück leben wir in Berlin, der Stadt der kulturellen Vielfalt, in der vor allem im Sommer verschiedene Festivals stattfinden. An dieser Stelle werde ich Euch drei dieser Festivals genauer vorstellen: Performing Arts Festival, SOFA im Admiralspalast und Circus Festival.
 
Performing Arts Festival Berlin (13.-18. Juni 2017):
Künstler der freien Szene zeigen in über 120 Inszenierungen, was Berlin kulturell zu bieten hat. 60 Berliner Spielstätten, darunter Ballhaus Ost, HAU Hebbel am Ufer, Sophiensæle, Theaterdiscounter, ATZE Musiktheater und das ACUD-Theater, zeigen Theaterstücke, Performances, Tanzaufführungen und vieles mehr.
Den Auftakt des Festivals bildet die große Eröffnungsveranstaltung Open up, PAF! am 13. Juni um 20 Uhr im diesjährigen Festivalzentrum in der Alte Münze in Berlin-Mitte. 
 
Kontakt: Performing Arts Festival
Pappelallee 15
10437 Berlin
030 30346628
 
Weitere Informationen:
 
 
 
SOFA – Sommerfestival im Admiralspalast (15. Juli bis 20. August 2017)
Eine meiner Lieblingsspielstätten in Berlin lässt es im Hochsommer auf allen Etagen so richtig krachen und lädt alle Berliner, egal ob Klein oder Groß, ein, um gemeinsam kulturell was zu erleben.
Mit „Der Hauptmann von Köpenick“ (19.07. – 06.08.2017), einem echten Berliner Volkstheater-Musical, und „Cats“
(09.08. – 19.08.2017), einem rekordverdächtigem Klassiker von Andrew Lloyd Webber, werden gleich zwei Musicals gespielt. Als bekannter Musicalfan habe ich natürlich schon für beide Veranstaltungen die Karten geholt.
Märchen sind nicht nur was für kleine Kinder, sondern verzaubern genauso auch große Kinder. Aus diesem Grund erfahren wir bei „Grimm“ (15.07. – 26.07.2017) alles über die wahre Geschichte von Rotkäppchen. Aber SOFA wird natürlich mit Sandtheater, Poetry Slam, Konzerten und Cabaret viel mehr zu bieten haben. Überzeugt Euch selbst davon:
 
Kontakt: Admiralspalast
Friedrichstraße 101
10117 Berlin
030 22507000
 
 
 
Berlin Circus Festival (25.08.-03.09.2017)
Zum 3. Mal findet auf dem Tempelhofer Feld das Berlin Circus Festival statt, zum dritten Mal wird der zeitgenössische Zirkus zelebriert und das zehn Tage lang. Bei großen Produktionen werdet Ihr Zeuge künstlerischer Symbiosen aus Tanz, Artistik und Performance. Das Festival konnte dieses Jahr das finnische Institut als Partner gewinnen. Finnische Produktionen und finnische Spezialitäten warten auf Euch.
 
Kontakt: Berlin Circus Festival
Tempelhofer Damm 104
12101 Berlin-Mitte
 
Weitere Informationen:
 
 
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© E. Günther

 

 

Sweet Home Europa in der Vaganten Bühne – Wo liegen deine Wurzeln?

Was bedeutet Heimat für dich? Wo liegen deine Wurzeln? Was verstehst du unter einer gelungenen Integration? Vermisst du dein Zuhause? Fragen, mit denen ich mich in letzter Zeit verstärkt wegen meiner Arbeit als Lehrerin mit jungen Männern mit einem Migrationshintergrund beschäftigt habe.

Es war also nahe liegend, dass das in der Vaganten Bühne aufgeführte Theaterstück „Sweet Home Europa“ von Davide Carnevali, dem mehrfach ausgezeichneten Autor aus Italien, mein Interesse weckte.
Beim Besuch des Theaters des Westens haben wir uns schon oft vorgenommen, dass wir einmal die Vaganten Bühne, das Privattheater in der Kantstraße im Ortsteil Charlottenburg, aufsuchen wollen. Am Freitag, den 10. März 2017, war es dann soweit.
Das Foyer, das gleichzeitig ein Café ist, war an diesem Abend sehr gut gefüllt und zeigte die unterschiedliche Vielfalt der Zuschauer, die alle Altersstufen und verschiedene Nationalitäten vertraten.
Zur Handlung des von Sabine Heymann ins Deutsche übersetzte und von dem Regisseur Stefan Lochau inszenierte Theaterstück:
Zwei Männer, die offensichtlich aus unterschiedlichen Ländern kommen und einer unterschiedlichen Kultur entstammen, treffen sich zu einem Geschäftsessen. Eine Frau führt ein Telefongespräch mit ihrem Sohn, der seine Heimat für eine bessere Zukunft verlassen hat. Ein Mann bittet einen anderen Mann auf der Straße um etwas Kleingeld.
Diese alltäglichen Situationen sind jedoch eng miteinander verbunden und erzählen die Geschichte eines jungen Mannes, der in ein anderes Land gekommen ist, um dort glücklich zu werden.
Das ganze Theaterstück über wird kein Land und keine Zeit benannt, in der die Geschichte spielt. Jedoch kann man aufgrund der Geschichte eine geografische und zeitliche Eingrenzung vornehmen. Da der Geschäftspartner aus dem anderen Land Ramadan feiert, kommt er offensichtlich aus einem muslimischen Land. Zudem ist seine Heimat von einer Wüste umgeben. Der andere Geschäftspartner, der den „Fremden“ zum Geschäftsessen einlädt, repräsentiert dabei die Nation, die das Land des anderen vorher kolonisiert und offenbar ausgebeutet hat.
In „Sweet Home Europa“ werden viele Themen behandelt, die die menschliche Existenz bestimmen: Traditionen, Kultur, Familie, Liebe, Sehnsucht, Sprache, das unterschiedliche Verständnis einer gelungenen Integration, Religion und verschiedene Erziehungsmethoden und Frauenbilder. Der Zuschauer stellt dabei die in der Gesellschaft tief verankerten Machtstrukturen fest: zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen und den unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen.
Allerdings sorgen die drei Darsteller Alessandro Calabrese, Richard Manualpillai und Astrid Rashed dafür, dass das Theaterstück nie zu moralisierend, sondern immer witzig und manchmal etwas zu absurd wirkt.
Aus diesem Grund können wir auch das 90 Minuten dauernde Theaterstück (ohne Pause) empfehlen, denn hier wird man gleichzeitig zum Denken und Lachen angeregt.
Kontakt: Vaganten Bühne
Kantstraße 12A
10623 Berlin
030 3124529
Weitere Informationen:
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#RichardManualpillai #AstridRashed #SabineHeymann #StefanLochau
Text © E. Günther
Fotos © Gernot Wöltjen

WUNSCHKINDER im Renaissance-Theater – Ist es heutzutage verboten, jung und unbeschwert zu sein?

Warum dürfen heutzutage Kinder nicht einfach Kinder sein? Kann denn ein Kind nicht einfach verspielt und albern sein? Nein, stattdessen bekommen die Kinder von heute Tabletten, um sie ruhig zu stellen und das nur weil sie sich ihrem Alter entsprechend verhalten. Muss ein 19-Jähriger nach dem Abitur sofort wissen, was er später machen möchte? Ja, in der heutigen Gesellschaft, die nur auf sichtbaren Erfolg ausgerichtet ist, wird es erwartet.

Das alles sind Fragen, die ich mir als Pädagogin sehr oft stellen muss. Aus diesem Grund habe ich mich sehr gefreut, dass das Renaissance-Theater „Wunschkinder“, eines der bekanntesten Texte von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, deren Werke mehrfach ausgezeichnet wurden und zu den meistgespielten Texten der Gegenwart auf deutschen Bühnen gehören, ins Programm aufgenommen hat.
 
Am Samstag, den 4. Februar 2017, haben wir schließlich das an diesem Abend fast bis auf den letzten Platz ausverkaufte Theaterstück unter der Regie von Torsten Fischer und des Regieassistenten Joachim Flicker besucht und waren ganz gespannt, zu erfahren, ob die vielen positiven Kritiken im Vorfeld berechtigt waren.
 
Die „Wunschkinder“ handeln von Marc, der nach seinem Abitur vor vier Monaten sich hat hängen lassen. Er ist nur am Kiffen, Schlafen und am Feiern, sonst hat sein Leben keinen weiteren Sinn mehr. Seine Eltern Gerd und Bettine sind natürlich deswegen verzweifelt. Eines Tages ändert sich jedoch alles zum Guten, da Marc eine neue Freundin hat: Selma. Doch dann kommt Marc eines Abends völlig verstört nach Hause zu seinen Eltern …
 
Simone Thomalla war für mich die positive Überraschung an diesem Abend. Ich wusste nicht, welches schauspielerische Talent sich in ihr verbirgt. In ihrer Rolle der liebenden und fürsorglichen Mutter Bettine, die für ihren Sohn alles aufgegeben hat und immer für ihn da ist, geht sie förmlich auf. Egal, ob beim schnellen Tanzen, dem guten Zureden oder beim Ausrasten, in allen Szenen machte sie im doppelten Sinne eine gute Figur.
 
Bettines Ehemann, Gerd, ist leitender und gut verdienender Ingenieur, der von dem Schauspieler Christian Schreiber gespielt wird. Im Gegensatz zur Mutter Bettine ist er ungeduldiger und erwartet mehr von seinem Sohn, seiner „Investition“. Schließlich hat er für die Erziehung und Schulbildung seines Sohnes viel bezahlt. Die Rolle des strengen, aber doch liebenden Vater nahm der Zuschauer Christian Schreiber ab und honorierte diese Leistung mit einem entsprechenden Applaus am Ende.
 
Am meisten als Schauspielerin hat uns an diesem Abend Judith Rosmair überzeugt, die Selmas Mutter, Heidrun, verkörpert. Sie ist eine besorgte und gutmütige Mutter, die ihre Tochter über alles liebt und mit dieser eine unzertrennliche Einheit bildet. Doch das harte Leben als allein erziehende Mutter hat sie krank und zerbrechlich gemacht. Auf den Zuschauer wirkt sie leicht verrückt, was durch ihre zerzausten Haare unterstrichen wird.
 
Arne Gottschling ist Marc, Gerds und Bettines Sohn. Er versteht den ganzen Druck seitens der Eltern nicht, schließlich hat er doch vor Kurzem Abitur gemacht. Jetzt will er einfach nur das Leben genießen, ohne einen genauen Lebensplan zu haben. Er spielt den typischen jungen Mann, der gerne Sport macht und nicht von den neuen Medien loszureißen ist. Am meisten vertraut er seiner Tante, die ihn am besten verstehen kann. In der Rolle des orientierungslosen jungen Mannes hat mich Gottschling überzeugt.
 
Die von vielen anderen Theaterstücken bekannte Angelika Milster (darunter von dem Theaterstück „Doris Day“) übernimmt die Rolle der coolen Tante Katrin, die das totale Gegenstück zu ihrer spießigen Schwester Bettine ist. Sie ist aufgeschlossen und so kommen Marc und seine Freundin zu ihr, wenn sie etwas bedrückt. Eine Rolle, die der Darstellerin auf den Leib geschneidert ist!
 
Lotta Wegner ist die starke Figur Selma, die ihre Mutter abgöttisch liebt und schon früh lernen musste, stark zu sein und alles Schlechte von ihrer Mutter abzuwenden. Neben ihrer kranken Mutter und ihrem Abschluss hat sie zudem noch zwei Jobs.
Ich konnte mich mit dieser Figur sehr gut identifizieren, da ich auch eine starke Bindung zu meiner Mutter habe und viele Menschen oft nicht sehen, dass hinter dieser Stärke aber eine große Zerbrechlichkeit versteckt ist.
 
Das Theaterstück spricht sehr viele gesellschaftskritische Themen an:
° den hohen Leistungsdruck der Eltern, die ihre Wünsche und Erwartungen auf ihre Kinder projizieren.
° die Rebellion der wohlbehüteten Kinder, die am liebsten aus diesem Kokon ausbrechen möchten.
° den Zusammenprall zweier Generationen, die ein unterschiedliches Verständnis von Erfolg haben und die Tatsache, dass die ältere Generation vergessen hat, dass auch sie mal jung war.
° die Probleme zwischen Eheleuten, die sich im Laufe der Zeit entwickeln können.
° das noch immer unterschiedliche Männer- und Frauenbild: Der Mann ist der Großverdiener, der die Familie ernährt, die Mutter kümmert sich um die Erziehung der Kinder und ist für die Harmonie im Haus verantwortlich.
° die starke Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind.
° Schwestern, die sich ständig vergleichen, aber dennoch zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.
Allerdings werden diese Themen auf eine unglaubliche humorvolle Art und Weise dargestellt. Zwei Stunden lag konnten die Zuschauer ihr lautes Gelächter nicht unterdrücken.
 
Mein Fazit: Das ganze Theaterstück über habe ich viel gelacht und war froh darüber, dass die Themen, die mich oft beschäftigen, nicht zu moralisierend behandelt wurden. Am Ende kamen mir jedoch Tränen, da „Wunschkinder“ einen trotzdem zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Ich kann jedem das Theaterstück nur empfehlen: eine großartige Geschichte und ein wundervoller Cast, was will man mehr?!
 
Kontakt: Renaissance-Theater
Knesebeckstraße 100
10623 Berlin
030 3159730
 
Vorstellungen: 6. Februar 2017 (16 Uhr) / 14. – 17. Februar 2017 (20 Uhr) /18. Februar 2017 (18 Uhr) / 19. Februar 2017 (18 Uhr) mit anschließendem Publikumsgespräch / 28. Februar – 4. März 2017 (20 Uhr) / 5. März 2017 (18 Uhr) / 6. – 9. März 2017 (20 Uhr)
 
Kartenpreise: 10,- bis 42,- € (So. – Do.) und 12,- bis 48,- € (Fr., Sa.+ Feiertage)
 
Achtung: Azubis zwischen dem 16. und dem 24. Lebensjahr können das Azubi-Ticket erwerben, das ihnen ermöglicht, in dem Theater Stücke für 3 Euro zu besuchen. Auch Studenten kommen nach dem Erwerb der „Studi-Flät“ für 10 Euro in den Genuss von Vergünstigungen. In den darauffolgenden sechs Monaten erhält der/die Student/in an der Abendkasse für alle Vorstellungen im Renaissance-Theater Berlin – nach Maßgabe der vorhandenen Plätze – ein Ticket für nur 1 Euro.
 
Weitere Informationen:
 
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© E. Günther

 

 

Gewinnspiel zum Theaterstück „Erbarmen“ im Berliner Kriminal Theater

2_120Wer kennt nicht den spannenden Psychothriller von Jussi Adler-Olsen?! Schon die Verfilmung hat viele begeistert. Nun gibt es das Theaterstück dazu.

Ich verlose 1×2 Freikarten für das Kriminalstück ERBARMEN am Montag, den 30.01.2017, um 20 Uhr im Berliner Kriminal Theater.

Das Berliner Kriminal Theater in Friedrichshain, das zu meinen Lieblingstheatern gehört, befindet sich in einem kleinen Hinterhof neben dem Restaurant Umspannwerk Ost. Im Hinterhof hängen Bilder der aktuell gespielten Theaterstücke. Dabei handelt es sich, wie der Name „Kriminal Theater“ schon sagt, um die Inszenierungen bekannter Krimis, sei es von Agatha Christie, Umberto Eco oder Alfred Hitchcock. Im Foyer kann man die Fotos der männlichen und weiblichen Darsteller der einzelnen Theaterstücke bewundern.
Bereits zwei Theterstücke habe ich in dem Theater besucht und war jedes Mal von der Umsetzung des literarischen Stoffes und von dem Cast begeistert.

Zu der Handlung des Theaterstückes: Carl Mørck ist seit 25 Jahren Vizekriminalkommissar bei der Mordkommission Kopenhagen. Bei einem besonders heiklen Einsatz gerät sein Team in einen Hinterhalt, ein Kollege wird getötet und ein anderer schwer verletzt. Mørck selbst kommt äußerlich fast unbeschadet davon, erleidet allerdings ein Trauma. Erst zwei Monate später kehrt er in den Dienst zurück. Er wird in ein Kellerbüro abgeschoben und mit dem Aufbau des Sonderdezernats Q beauftragt, das alte uaufgeklärte Fälle unauffällig zum Abschluss bringen soll. Dazu bekommt er mit dem Syrer Hafez el-Assad einen neuen Assistenten. Die beiden lassen es ruhig angehen, bis Mørck auf die Akte der seit Jahren vermissten Politikerin Merete Lynggaard stößt: Sie war spurlos von einer Personenfähre verschwunden, ihr Fall wurde schließlich als wahrscheinlicher Selbstmord eingestuft und nicht weiter verfolgt. Mørcks alter Ehrgeiz ist geweckt und er geht einigen Nachlässigkeiten bei den bisherigen Ermittlungen nach. Er findet immer deutlichere Hinweise darauf, dass die vermeintlich Tote noch am Leben sein könnte und sich in großer Gefahr befindet, denn sie wird seit Jahren in völliger Isolation und Dunkelheit gefangen gehalten.

Adresse: Berliner Kriminal Theater
Palisadenstraße 48
10243 Berlin

Falls dein Interesse geweckt worden ist, dann mach bei dem Gewinnspiel mit! Alles, was du dafür tun musst, ist: Like diesen Beitrag UND kommentiere in dem unteren Kommentarfeld, was dein Lieblingskriminalroman ist! Die Verlosung endet am Donnerstag, den 26. Januar 2017, um 17 Uhr.

Ich wünsche Euch viel Glück! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Weitere Informationen: http://kriminaltheater.de/index.php?article_id=161

© E. Günther

Die 7 Leben des Fräuleins B. – die neue Show von und mit Lena Binski

Wie ich bereits an dieser Stelle Euch berichtet habe, war ich am Samstag, den 8. Oktober 2016, mit meinem Mann und meiner langjährigen Freundin auf der 25 Jahre-Jubiläumsfeier des ACUD-Theaters: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1709255296067897&id=1520602494933179
 
Auf dieser Jubiläumsfeier ist uns besonders ein Programmpunkt positiv aufgefallen: der Showausschnitt von und mit Lena Binski. Diese Begeisterung für die Künstlerin führte dazu, dass mein Mann und ich am Samstag, den 3. Dezember 2016, ihre neue Show im ACUD-Theater, „Die 7 Leben des Fräuleins B.“, besuchten.
 
Lena Binski ist Komikerin, Dozentin im Bereich Physical Theater, Clownerie und Pantomime und bereits eine feste Größe im ACUD-Theater. Zudem bietet Binski auch sehr viele Workshops an, in denen man lernt, seine komische Seite (auf der Bühne) zum Vorschein zu bringen.
Ihre Vorliebe für alte Stummfilme Anfang des 20. Jahrhunderts kann man in allen ihren Shows erkennen. Binskis Shows sind nahezu nonverbal und das ist eines der Gründe, warum ihr Publikum an diesem Abend deutsch-, russisch- und französischsprachig war.
 
In ihrem 50-minütigen Stück, das eine Mischung aus Theater und Comedy ist, verkörpert sie im Grunde eine einsame Frau, die sich selbst Briefe schreibt, und ihre Einsamkeit mit einem Selbstmord beenden möchte. Doch alle Selbstmordversuche scheitern: Das Gift macht sie nur betrunken und wieder lebensfroh. Den Strick kann sie nirgendwo anbringen und nützt ihn daher zum Seilspringen. Der Zug fährt doch nicht über die Gleise, auf denen sie liegt.
 
Man bekommt von dem schauspielerischen Talent der Lena Binski nicht genug, der Wechsel zwischen Zynismus und Lebensfreude begeistert. Die Themen Einsamkeit, Glück und Hoffnung auf Erlösung wirken in keiner Minuten schwer, denn Lena Binski bringt alle mit ihrer facettenreichen Mimik und Gestik und ihrem Gespür für Situationskomik zum Lachen. Am Ende bekommen alle im Saal Blumen und werfen diese am Ende Lena Binski auf die Bühne – wie zu früheren Zeiten, als große Diven noch mehr gewürdigt wurden.
 
Weitere Informationen:
 
Kontakt: ACUD
Veteranenstraße 21
10119 Berlin
030 44359497
 
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© E. Günther

 

Glaspalast auf dem Pfefferberg – Märchen für kleine und große Kinder

Winterzeit ist Märchenzeit. Winterzeit ist Kuschelzeit. Winterzeit ist Zeit mit guten Freunden bei einem Glas Glühwein verbringen, am besten am Lagerfeuer. Dieses Konzept verfolgt auch der Glaspalast am Pfefferberg, in dem man bis zum 15. Januar 2017 Märchen für Kinder und für Erwachsene neu interpretiert erleben kann.

Wie Ihr schon mehrmals festgestellt habt, liebe ich den Pfefferberg und habe Euch bereits am 12. Juni 2016 in meinem Blog von dem Pfefferberg Theater vorgeschwärmt:
https://www.facebook.com/permalink.php.story_fbid=1632842440375850&id=1520602494933179
Zudem essen wir dort sehr gerne in dem Restaurant Tauro, das tatsächlich den besten Brunch Berlins hat (siehe Blogbeitrag im April 2016):
https://www.facebook.com/permalink.phpstory_fbid=1598112037182224&id=1520602494933179

So stand es außer Frage, dass ich bei der Vorstellung des neu eröffneten Märchenberges am Mittwoch, den 23. November 2016, auch dabei sein werde. Diesem Wunsch folgten offenbar auch viele andere Leute, denn der Glaspalast war an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem Glühwein in einer durch die Laternen gemütlich geschaffenen Atmosphäre machte uns eine Glocke darauf aufmerksam, dass es bald losgehen sollte.

Begonnen wurde das märchenhafte Spektakel mit „Der gestiefelte Kater“, einer Variante für Erwachsene. Der lebenslustige Kater wurde von der ebenso lebensbejahenden Carsta Zimmermann verkörpert und versuchte, den grimmigen Müllerssohn (Torsten Schnier) zu einer Interaktion zu begeistern, was ihm aber selten gelang, da der Müllerssohn an seinem Missfallen keinen Zweifel ließ. Dies änderte aber nichts an der guten Laune des Katers, der nur so vor Energie sprühte.
Das ganze Publikum lag vor Lachen auf dem Boden und fand großes Gefallen an diesen unterschiedlichen Charakteren. Wieder einmal überzeugten mich die beiden Darsteller des Stückes, Torsten Schnier kannte ich bereits von „Der Geizige“.

Nach einer 10-minütigen Pause kam mit „Rotkäppchen“ das zweite Märchen an diesem Abend, das mich sogar mehr packen konnte als „Der gestiefelte Kater“. Vielleicht lag es aber auch daran, dass mit Vlad Chiriac, der den bösen und wilden Wolf an diesem Abend spielte, mein Lieblingsdarsteller des Pfefferberg Theaters auf der Bühne stand. Aber auch Ina Gercke, die ich bisher noch nicht kannte, ging in ihrer Rolle des züchtigen Rotkäppchens auf. Die Mimik dieser beiden Darsteller und die Artikulation (Überspitzung des rollenden R) war einfach nur großartig!
Das Märchen war natürlich eindeutig für Erwachsene konzipiert, da es sexualisiert und derb präsentiert wurde. So wurde das Rotkäppchen von dem Wolf am Ende ins Bett gelegt, allerdings auf die erwachsene Art und Weise.

Mein Fazit: Das ganze Publikum hatte einen sehr lustigen Abend und die Zeit (Jedes Märchen dauert eine halbe Stunde.) verging leider wie im Flug. Die sehr zufriedenen Zuschauer werden sicherlich wiederkommen. Wer mit seinen Kindern kommen möchte, der sollte das Theater nachmittags besuchen, Erwachsene dagegen abends. Wer die Märchen unter Glas erleben möchte, der kann dies noch bis zum 15. Januar 2017 tun. Es werden immer zwei Märchen hintereinander aufgeführt. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder bis zu 13 Jahren 6 Euro. Die Eintrittskarten für die 10 Uhr-Vorstellung kosten übrigens 5 Euro. Also ich wünsche Euch eine märchenhafte Zeit im Glaspalast…

Weiterer Eventtipp: Am Sonntag, den 27. November 2016, findet von 14 Uhr bis 18 Uhr im Glaspalast ein Kinderfest statt, mit dem „Froschkönig“ und „Hans im Glück“ um 15 Uhr und mit „Rapunzel“ und „Der gestiefelte Kater“ um 16.30 Uhr.

Weitere Informationen:

Adresse: Glaspalast auf dem Pfefferberg
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin

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Text © E. Günther
Fotos © Daniel Wetzel

 

 

 

„Er ist wieder da“ – der Erfolgsroman von Timur Vermes als Theaterstück

Sie ist wieder da: eine Partei, die in jeder Schicht das Urteilsvermögen der Menschen trübt und den Verstand in allen Schichten vernebelt.
Sie sind wieder da: kluge Männer und Frauen, die wie Schafe den nichtssagenden Parolen einer Partei folgen.
„Er ist wieder da“, der millionenfach verkaufte Bestsellerroman von Timur Vermes, der im Jahr 2015 erfolgreich verfilmt wurde, läuft jetzt als von Axel Schneider inszeniertes Theaterstück im Theater am Kurfürstendamm in Berlin.
 
Als Demokratie liebende Lehrerin, die in ihrem Unterricht Schüler verschiedener Nationalitäten unterrichtet und Toleranz predigt, musste ich natürlich diese Satire in Theaterform sehen und gehörte deswegen mit meinem Mann am Freitag, den 11. November 2016, zu den Besuchern des an diesem Abend sehr gut besuchten Theaterstücks.
 
Zur satirischen und zum Teil sehr bedrückenden Geschichte des Theaterstückes: Adolf Hitler wacht 69 Jahre nach dem Zweiten Weltkriegs in Berlin auf und wundert sich über die Veränderung „seines“ Deutschlands. Wohin man schaut, sieht man Ausländer, die hier leben, lieben und ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen. Deutschland wird von einer demokratischen Regierung regiert.
Aber niemand glaubt dem wenig begeisterten Hitler, dass er wieder da ist, alle sehen in ihm einen weiteren, aber diesmal überzeugenden Imitator. Der obdachlose Hitler kann bei einem Kioskbesitzer unterkommen und wird von diesem an die Fernsehproduzenten Sensenbrink und Sawatzki vermittelt. Bellini, die Chefin des Senders, erkennt schnell ein potentielles Comedytalent in Hitler. Hitler bekommt ein Büro und wird zum neuen Star. Er ist wieder da und einem erneuten Aufstieg scheint nichts im Wege zu stehen.
 
Trotz der Schwere dieses Themas kommen in dem Theaterstück sehr viele Witze vor, die den Zuschauer, auch wenn er das vielleicht anfangs nicht wollte, zum Lachen bringen. So fragt die Figur Hitler, die sich keiner Schuld bewusst ist: „Sehe ich aus wie ein Verbrecher“? Adolf Hitler lässt seine Uniform in einer türkischen Blitzreinigung waschen, ein historischer Verweis auf den Blitzkrieg. Auch gibt es sehr viele ironische Bezüge zur aktuellen Medienlandschaft: Stromberg, die RTL-Sendung „Mitten im Leben“ und die zahlreichen Kochsendungen.
 
Kristian Bader „glänzt“ in seiner Rolle des Adolf Hitlers und spielt diese bis auf die letzte Faser seines Körpers überzeugend, was einem oft einen Schauder über den Rücken laufen lässt, weil man sich dank dieser großartigen Darstellung in die dunkle Zeit versetzt fühlt. Mimik, Gestik, die Stimme – alles wird von Bader perfekt imitiert.
 
Der „neue“ Hitler muss sich zwar im neuen Berlin zurecht finden, was ihn oft überfordert, weil er die neuen Medien nicht bedienen kann, ist aber dennoch der alte grausame Hitler geblieben. Wenn Bader als Hitler eine Rede hält und diese parallel auf dem Bildschirm an der Wand „ausgestrahlt“ wird, wenn seine Stimme dabei so verändert wird, dass man glaubt, einem Radioprogramm gerade zu folgen, dann erinnert das den Zuschauer an die zahlreichen Reden, mit denen Hitler nach der Machtergreifung Stadien füllte und man hat aus diesem Grund einen Kloß im Hals.
 
Parallel zu der dauernden Präsenz des Führers auf der Bühne sieht man auch einen offenbar armen und obdachlosen Mann (von Georg Münzel dargestellt), der Geige, Akkordeon und Kontrabass spielt. Offensichtlich handelt es sich dabei um jüdische Lieder. Diese Gegenüberstellung von Täter und Opfer hält einem noch einmal das nicht in Worte zu fassende Verbrechen vor Augen: die Ermordung von 6 Millionen Juden und die Auslöschung ihrer Kultur in Deutschland. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage einer Figur besonders erschreckend: „Noch immer ist die Anzahl der Juden in Deutschland dezimiert, doch den Deutschen regt die Dezimierung des Waldes viel mehr auf.“ (keine wortwörtliche Wiedergabe)
 
Doch „Er ist wieder da“ ist auch eine Kritik an der Mediengesellschaft, die nur nach Sensation und hohen Einschaltquoten giert und sich nicht für die moralischen Werte interessiert. So tragen die Medien Schuld daran, dass Hitler, der neue Youtube-Star, zum wiederholten Male aufsteigen kann, weil sie ihm eine Bühne bieten.
 
Mein Fazit: Dieses lustige und zugleich beklemmende Theaterstück mit einem wundervollen Kristian Bader können wir jedem empfehlen! Obwohl das Theaterstück das Publikum sehr gut unterhält und viele Lacher garantiert, ist die Botschaft am Ende evident: Der (rechte) Geist des Massenmörders Adolf Hitler war niemals weg und wird leider für immer weiterleben. Diese traurige Wahrheit sehen wir täglich, wenn uns der europaweite Ruck nach Rechts bewusst wird.
 
Spielzeiten: bis zum 20. November 2016 und vom 5. bis 22. Januar 2017
 
Kontakt: Theater am Kurfürstendamm
Kurfürstendamm 206/209
10719 Berlin
030 88591188
 
Weitere Informationen:
 
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© E. Günther

 

 

Das ACUD-Theater wird 25 Jahre alt. – Die Legende (k)lebt.

Als mein Mann und ich einmal in der Veteranenstraße vorbei gefahren sind, hat mein Mann mir davon erzählt, dass er früher im ACUD-Kunsthaus gefeiert hätte, natürlich vor meiner Zeit;)
Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, mich mit diesem Ort genauer zu befassen und fand Folgendes heraus:
In dem ACUD, einem Kunst- und Kulturzentrum in Berlin-Mitte, befinden sich ein Theater, eine Kunstgalerie, zwei Kinos, ein Club, ein Konzertsaal, eine Bar und Ateliers. Zwar arbeiten die einzelnen Bereiche zum Teil unabhängig voneinander, doch schließen sie sich auch immer wieder zu gemeinsamen Veranstaltungen zusammen. Seit 1991 geht das ACUD dem Auftrag, eine alternative Kultureinrichtung in Berlin zu sein, nach.
Trotz der großen Konkurrenz unter den Berliner Kunsthäusern konnte sich das ACUD in Berlin behaupten und im Jahr 2016, dem Jahr des 25. Jubiläums, wurde das Kino im ACUD von den Organisatoren der Berlinale sogar als einer der Teilnehmer bestimmt.
Am Samstag, den 8. Oktober 2016, hat das ACUD seinen 25. Geburtstag gefeiert und mein Mann, unsere sehr gute Freundin und ich waren mittendrin.
Obwohl die Feier an diesem Tag bereits um 14 Uhr mit verschiedenen Auftritten und Workshops für Kinder begann, entschieden wir uns, erst um 20 Uhr zu erscheinen, wenn im ACUD-Theater zahlreiche Performances der früheren und zukünftigen Produktionen aufgeführt wurden. Zu diesen Performances gehörten Theaterausschnitte und kleine Konzerte. Der Moderator Felix Goldmann führte uns durch diesen Abend und informierte uns kurz zwischen den einzelnen Auftritten über den nächsten Programmpunkt.
Gleich zu Beginn fiel mir die Internationalität der Gäste an diesem Abend auf. Man konnte nicht nur afrikanisches Essen auf dem Gelände kaufen, sondern hörte im Publikum auch die russische, englische und französische Sprache.
Wie so oft war ich mit meinem Mann und meiner Freundin derselben Meinung, wer zu unseren künstlerischen Höhepunkten an diesem Abend zählte:
Das seit 2008 existierende musikalische Duo „Die Linkshändler“ (nicht Linkshänder) besteht aus Oliver Gössel (Gesang, Sansula) und Laszlo Moldvai (Hang, Stimme). Beide sangen sowohl Texte von Ritsos und Jandl als unterhielten uns auch wunderbar mit komödiantischen Einlagen, wenn z.B. Laszlo Moldvai mit seinen vielen Notenblättern überfordert zu sein schien. Durch ihre volkstümlichen Musikrichtung entstanden vor meinem Auge Bilder von tanzenden Elfen.
Lena Binski zeigte mit ihrem Clownerie-Programm aus „Die 7 Leben des Fräuleins B.“, wie lustig ein non-verbales Programm gestaltet werden kann, wenn man nur die richtige Mimik und Gestik einsetzt. An diesem Abend entschlossen wir uns, demnächst auch das Soloprogramm der Künstlerin zu besuchen.
Die Schauspielerin Claudia Rippe, die schon auf mehreren Berliner Bühnen gestanden hat, zeigte uns ihr Theaterstück „BEING JANE DARK“. Dabei ging es um die Suche nach sich selbst und dem Wunsch, etwas in seinem Leben erreichen zu wollen oder zu müssen. So änderte die Protagonistin mehrmals ihren Lebenslauf: Aus einer Arbeitslosen, die Selbstmord beging, wurde eine Präsidentin mit Abitur. Claudia Rippe thematisierte die Möglichkeiten, die einem das Leben bietet und Erwartungen, die in der Gesellschaft an eine Frau gestellt werden.
Den ganzen Auftritt über konnte die Darstellerin ihr schnelles Tempo und ihren Enthusiasmus aufrecht erhalten.
Der russische Akkordeon-Spieler Oleg Nehls, der gleich am Anfang auftrat, spielte u.a. das melancholische Lied „Spaziergang“.
Sibille Roth, Susanne Heubaum und Anders Kamp sangen an dem Abend ruhige Lieder aus „Simplex“, die später Anders Kamp auch an der Gitarre begleitete.
Das Ensemble „RATTEN 07“, eine Obdachlosentheatergruppe, präsentierte uns ihre dreiteilige Performance „Es war einmal“, die sich mit gesellschaftskritischen Themen befasste: verwehrte Hilfe von Außenstehenden am Unfallort, ein jähzorniger Vater, der seinen Sohn schlug und die Gründung einer neuen Religion, die von ihren Anhängern sowohl Gehorsam als auch Menschenopfer verlangte.
In der fast wortlosen Performance „Das Röcheln“ kam die Darstellerin und Theaterpädagogin Nadine Giese auf die Bühne. Nach einem unbegründeten Röcheln machte sie ihren Verband ab und fing an, das Fleisch, das in diesem Verband eingewickelt war, zu würzen und anschließend wütend zu klopfen. Am Ende bereitete sie daraus eine Roulade zu.
Die Darstellerin hat mich mit ihrer Mimik sehr überzeugt, allerdings sind wir keine großen Fans des absurden Theaters.
Leider mussten wir nach einer anstrengenden Arbeitswoche bereits um 22 Uhr gehen und verpassten damit das Programm nach der Pause. Somit kann ich Euch leider nichts zu den zahlreichen Künstlern im zweiten Akt schreiben.
Mein Fazit: Wer unkonventionelle Kunst, die von ihrer Spontanität lebt und in kein perfektionistisches Korsett gehört, liebt, der ist im ACUD-Theater genau richtig. Hier erlebt Ihr die unterschiedliche Bandbreite der Kunst, vom Gesang bis zum absurden Theater.
Kontakt: ACUD
Veteranenstraße 21
10119 Berlin
030 44359497
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© E. Günther