Disneys „Der König der Löwen“ als Musical – der Welterfolg in Hamburg

Dieses Jahr bedeutet etwas Großartiges für jeden Disney- und „Der König der Löwen“-Fan, denn im Jahr 1994 kam Disneys Meisterwerk in die Kinos und eroberte vor 25 Jahren die Herzen der kleinen und großen Disneyliebhaber. Wenn man von den Kinoeinnahmen ausgeht, ist es bisher weltweit der kommerziell erfolgreichste klassische Zeichentrickfilm.
 
Aber auch dieses Jahr können wir uns auf etwas ganz Besonderes freuen: „Der König der Löwen“ kommt als Realverfilmung am 17.Juli 2019 in die deutschen Kinos. Der Regisseur hat schon 2016 den Disneyklassiker „Das Dschungelbuch“ als eine düstere Version ins Kino gebracht. Ich werde mir auf jeden Fall auch diese Realverfilmung auf großer Kinoleinwand anschauen.
 
Doch zum 25. Jubiläum von „Der König der Löwen“ wollte ich dieses Jahr auch das weltbekannte Musical von der Theater- und Filmregisseurin Julie Taymo, die 1998 für „Der König der Löwen“ mit dem Tony-Award für die beste Regie und die besten Kostüme ausgezeichnet wurde, in Hamburg besuchen. Und da ich eine Frau der Taten bin, erfüllte ich mir diesen großen Wunsch am Samstag, den 22. Juni 2019.
 
Um 20 Uhr war es endlich soweit und wir tauchten für zwei Stunden lang in die mystische Welt Afrikas, in die Hitze der Savanne, in der Simba, der Sohn des königlichen Löwenpaares Mufasa und Sarabi, geboren und allen Tieren des geweihten Landes von Rafiki präsentiert wird. Doch nicht alle sind bei der Zeremonie anwesend. Mufasas Bruder Scar fehlt, da er auf den Thron und auf Simbas Erbe neidisch ist.
Zeit vergeht und der großzügige und ehrenhafte Mufasa versucht, seinem rebellischen Sohn die Güte und Weisheit eines Königs spielerisch zu vermitteln.
Doch der neugierige Simba hört nicht auf seinen Vater und vertraut dem Falschen, seinem Onkel Scar. Scar und die hinterlistigen Hyänen locken Simba in einen Hinterhalt, was sein Vater Mufasa mit dem Leben bezahlen muss. Da Scar Simba einredet, dass er für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, flieht Simba und findet weit weg von seiner Heimat in dem Erdmännchen Timon und dem Warzenschwein Pumbaa neue Freunde und eine neue Heimat.
Doch seinen Wurzeln kann man nie entfliehen und so erkennt Simba nach Jahren mit der Hilfe von Rafiki und seiner Jugendliebe Nala und dem Geist seines Vaters, was seine Bestimmung ist. In dem geweihten Land angekommen muss Simba mit Schrecken feststellen, dass das einst blühende Land durch Scars Herrschaft und der Anwesenheit der Hyänen zu einem trostlosen Ödland geworden ist. Entschlossen fordert Simba seinen Onkel zu einem Kampf um den Thron heraus.
 
Das Broadway-Musical von Elton John und Tim Rice läuft schon seit dem 2. Dezember 2001 in Hamburg und ist noch immer ein Dauerbrenner unter den Musicals in Deutschlands – auch an diesem Abend im ausverkauften Zuschauersaal. Und am 22. Juni 2019 wurde mir klar, warum dieses Musical noch immer ein Zuschauermagnet ist. Über 300 atemberaubende Masken und Requisiten, mehr als 400 farbenfrohe Kostüme erschaffen die Welt des beliebten Disneyfilms auf der Musicalbühne, in der Mensch und Tier durch die besondere Präsentation der Tierfiguren miteinander verschmelzen.
 
Die Änderungen im Vergleich zum Disneyfilm erschienen mir an dem besagten Abend vollkommen zielführend. Die Figur Rafiki ist hier im Gegensatz zum Film weiblich, da die Regisseurin Taymor der Meinung war, dass es im Film keine weibliche Führungsrolle gibt. Bongiwe Malunga, die Rafiki-Darstellerin, dankte es ihr an dem Abend mit ihrer Stimmgewalt und hat dem Zuschauer das geheimnisvolle Afrika und dessen Gebräuche näher gebracht.
 
Cleveland Cathnott verkörperte sehr authentisch den zugleich starken und gütigen König des Geweihten Landes und den sich sorgenden Vater Mufasa. Das ständige Knurren der Figur wirkte an keiner Stelle aufgesetzt und die voluminöse Stimme des Darstellers war schön anzuhören.
 
Zudem hat mich die Besetzung der Simba-Rollen überzeugt. Während Enes den verspielten und naiven jungen Simba glaubhaft verkörperte, spielte Riccardo Haerri sehr authentisch den erwachsenen Simba, der zunächst den leichten Weg geht und seine Identität verleugnet. Da Simba sich seinen Ängsten nicht stellt, kommt es auch zu der folgenden Szene, die im Musical dazu geschrieben wurde: In der Szene „Der Löwe schläft heut Nacht“ fällt Timon in einen Fluss. Simba wird an den Tod seines Vaters erinnert und ist in dieser Szene wie gelähmt. Riccardo Haerri hat mich an dem Abend auch gesanglich sehr stark überzeugt.
 
Sicherlich ist die Figur Scar ein bösartiger und intriganter Antagonist, der nicht einmal vor dem Mord an seinem eigenen Bruder zurückschreckt. Doch Stefan Voigt gelang es, mit der Darstellung der Figur, den Zuschauer bis zur letzten Minute zu fesseln und in den Bann zu ziehen.
 
An dieser Stelle muss ich positiv betonen, dass im Gegensatz zum Disneyfilm die Figur Nala im Musical viel stärker und selbstbewusster präsentiert wird, was sicherlich der stolzen Verkörperung der Figur durch die Darstellerin Gugu Zulu zu verdanken ist. Die Figur wäscht nicht nur ihrer Jugendliebe Simba bei einem Aufeinandertreffen den Kopf, sondern bleibt auch in einer intensiven Szene mit Scar stark.
 
Für die vielen Lacher an diesem Abend sorgten die Figuren, die schon im Disneyfilm unsere Herzen erwärmen: Der Nashornvogel Zazu ist der Haus- und Hofmeister des aktuellen Königs und Simbas glückloser Aufpasser. Zwar ist er seinem König und dessen Familie gegenüber sehr loyal, doch seine tollpatschige Art bringt ihn in viele schwierige und für den Zuschauer lustige Situationen. Großartig von Joachim Benoit gespielt.
 
In seiner schwierigsten Zeit wird Simba von zwei treuen Weggefährten aufgenommen, die ihm zeigen, dass die wichtigste Lebensweisheit im Leben ist: HAKUNA MATATA. Beide Figuren brachten mit ihrer sorgenfreien Art zu leben und ihrem manchmal tollpatschigen Verhalten den Zuschauer nicht nur im Film sehr oft zum Lachen. Tobias Korinth (Timon) und S’Thembiso Keith Mashiane (Pumbaa) machten aus den Figuren auch auf der Musicalbühne zwei Sympathieträger.
 
Neben Scar gibt es drei weitere Antagonisten im „Der König der Löwen“: Die drei hinterhältigen Hyänen Shenzi (Thenjiwe Nofemele), Banzai (Simon Gwala) und Ed (Sean Gerard) helfen Scar dabei, Mufasa zu ermorden und Simba zu vertreiben. An den Reaktionen der Zuschauer in der Pause konnte ich entnehmen, dass die Umsetzung der Szene mit den drei Hyänen in der ersten Hälfte das Publikum mehr als begeistert hat.
 
Die Musik. Was soll ich nur zu dieser wunderschönen und weltbekannten Filmmusik schreiben?! Vielleicht beginne ich von vorn. Für die Lieder engagierte man Elton John, der die Melodien zu den von Tim Rice geschriebenen Texten komponierte. Für die Musik erhielt der Film zwei Oscars: Hans Zimmer für die Beste Filmmusik und das Duo Elton John/Tim Rice für den besten Filmsong für „Can You Feel the Love Tonight.“
 
Der Dirigent Bradley Nyström und die Musiker triumphieren mit ihrer musikalischen Umsetzung im Musical. Die Mischung aus Popmusik von Sir Elton John und authentischen afrikanischen Rhythmen ergreift das Herz jedes Disneyfans. Alle bekannten Lieder („Der ewige Kreis“, „Kann es wirklich Liebe sein?“, „Hakuna Matata“) finden im Musical einen würdigen Platz.
 
Auch die Choreografie von Garth Fagan ist in dem „Der König der Löwen“ einzigartig und wurde zurecht mit dem Tony-Award für die beste Choreografie ausgezeichnet.
 
Mein Fazit: Das Musical „Der König der Löwen“ ist ein audiovisuelles Meisterwerk, das mit seiner grandiosen Musik, seinem Farbenreichtum und seinen wundervollen Darstellern überzeugt! Zurecht begeistert dieses Musical schon seit Jahren Groß und Klein in Hamburg. Auch die dargestellten Themen im Musical werden zu jeder Zeit aktuell sein: Loyalität, Freundschaft, Missgunst, Neid und der ewige Kreis aus Geburt, Tod und Wiedergeburt. Unbedingt besuchen und niemals vergessen: HAKUNA MATATA.
 
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
 
#DerKönigderLöwen #BongiweMalunga #RiccardoHaerri #GuguZulu #ClevelandCathnott #StefanVoigt #JoachimBenoit #OliviaGrassner #ThenjiweNofemele #SimonGwala #SeanGerard #TobiasKorinth #SThembisoKeithMashiane #BradleyNyström #EltonJohn #JulieTaymo #TimRice #GarthFagan #HansZimmer #Hamburg #Musical #StageEntertainment #Disney #Afrika #Savanne #Simba #Mufasa #Scar

 

 
Text © E. Günther
Fotos © Stage Entertainment

Oscars der Filmmusik in der Philharmonie Berlin

Was wäre der Angriff des weißen Hais im gleichnamigen Film ohne die berühmte Musik von John Williams? Bestimmt weniger bedrohlich. Die zeitlose Liebesgeschichte zwischen dem Jurastudenten Oliver und der Musikstudentin Jennifer in dem Film „Love Story“ wäre ohne die wunderschöne Musik von Francis Lai bestimmt nicht so herzzerreißend. Die beiden Kunstformen Film und Musik können nicht mehr ohne einander existieren und oft ist die Filmmusik sogar interessanter als der Film und häufig ein Grund, sich einen Film überhaupt erst anzuschauen oder sich an diesen zu erinnern.

Da Filmmusik ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden ist, nahm ich voller Vorfreude am Sonntag, den 21. April 2019, um 20 Uhr im Großen Saal der Philharmonie Berlin Platz.
Der Dirigent des Sinfonie Orchesters Berlin und der Moderater an diesem Abend war Scott Lawton, der seine Sache sehr gut machte, denn er dirigierte nicht nur mit Enthusiasmus und Begeisterung für die Filmmusik, sondern erzählte vor jeder Komposition, von wem die Musik stammt und in welchem Film sie gespielt wird. Sicherlich konnte jeder im Saal die Filmmusik den großen Filmproduktionen zuordnen, doch war ich bei einigen Filmmusik-Stücken (darunter die „Cinema Paradiso“-Musik von Ennio Morricone und die „Il Postino“-Musik von Luis Bacalov) froh, eine Information vorab zu bekommen.
 
Die großartig von dem Sinfonie Orchester Berlin gespielte Filmmusik ließ mich für über zwei Stunden lang die Realität vergessen und schuf vor meinem inneren Auge Furcht einflößende (die „Gladiator“- Musik von Hans Zimmer), harmonische (die „La La Land“- Musik von Justin Hurwitz), romantische (die „Love Story“-Musik von Francis Lai) und nervenaufreibende Bilder (die „Exodus“-Musik von Ernest Gold).
 
Bei zwei Filmen drehte sich eine meiner fünf Begleitungen an diesem Abend zu mir um und erzählte mir, dass sie den folgenden Film zwar nicht gesehen habe, aber die Filmmusik sehr gut kenne, was meine einleitende These nur bestätigt. Die Musik eines Filmes ist oft bekannter und einprägsamer als der Film selbst.
Auch ich wurde während des Konzerts von der Filmmusik dazu inspiriert, mir bald einige Filme anzuschauen: „Moon River“ mit Audrey Hepburn (Musik von Henry Mancini) und „Reise nach Indien“ (Musik von Maurice Jarre).
 
Mein Fazit: Es war gestern ein wunderschöner Abend mit einem sehr talentierten Dirigenten und brillanten Orchester, die jeden Fan von Filmmusik begeisterten. Legendäre Filmmusik-Stücke, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind – z.B. die Filmmusik von Nono Rota in „Der Pate“-Trilogie und die Filmmusik von Howard Shore in „Der Herr der Ringe-Die Gefährten“ – wurden an diesem Abend hervorragend gespielt.
Am Ende wollte das Publikum den Dirigenten und das Sinfonie Orchester Berlin nicht gehen lassen und bekam dafür als Zugabe die Filmmusik aus „James Bond“ (David Arnold) und „Fluch der Karibik (Klaus Badelt und Hans Zimmer). Ich hoffe auf ein weiteres Konzert dieser Art, vielleicht dann mit der Musik aus „Star Wars“.
 
Hier noch einmal die ganze Filmmusik, die in der folgenden Reihenfolge am gestrigen Abend gespielt wurde:
1. Teil
Anatevka – John Williams
Cinema Paradiso – Ennio Morricone
Gladiator – Hans Zimmer
Moon River – Henry Mancini
Exodus – Ernest Gold
Il Postino – Luis Bacalov
Reise nach Indien – Maurice Jarre
Der Pate – Nono Rota
Star Trek – Jerry Goldsmith
 
2. Teil
Da Vinvi Code – Hans Zimmer
Love Story – Francis Lai
Der weiße Hai – John Williams
Herr der Ringe (Die Gefährten) – Howard Shore
Casablanca – Max Steiner
Die Stunde des Siegers – Vangelis
La La Land – Justin Hurwitz
Jurassic Park – John Williams
 
Zugabe: James Bond – David Arnold
Fluch der Karibik – Klaus Badelt und Hans Zimmer
 
Weitere Informationen:
 
 Text und Fotos © E. Günther