Das Gute-Laune-Musical Mamma Mia – Das Musical im Stage Theater des Westens (bis 19.04.2020 in Berlin, ab Oktober 2020 in Hamburg)

Das Lied „Mamma Mia“ (1975) ist jedem, egal ob Jung oder Alt, ein Begriff. Die Band ABBA begeistert mit ihrer lebensfrohen Musik seit Jahrzehnten Millionen von Menschen. Im Jahr 1999 folgte daher das Unausweichliche: die Weltpremiere des mitreißenden Musicals „Mamma Mia“ im traditionsreichen Prince Edward Theatre im Londoner West End. Seitdem bezauberte das Jukebox-Musical (Buch: Catherine Johnson) mit Liedern der schwedischen Popband ABBA, das aus der Feder der männlichen ABBA-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus stammt, bereits über 60 Millionen Menschen.  

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum kam das weltweit beliebte Musical wieder nach Berlin, ins Stage Theater des Westens. Ich habe dieses Musical bereits mehre Male live erlebt. Da man aber so etwas Schönes wie „Mamma Mia“ nicht oft genug sehen und hören kann, habe ich es am Samstag, den 18. Januar 2020, wieder getan und schreibe Euch diese Zeilen mit einem glücklichen Herzen und vielen schönen Erinnerungen an den gestrigen Abend.
 
Doch wovon handelt das Musical „Mamma Mia“, das 2008 mit Meryl Streep, Pierce Brosnan und Colin Firth erfolgreich verfilmt wurde? Es handelt von der allein erziehenden Donna, die mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie auf einer kleinen griechischen Insel lebt und dort eine Taverne besitzt. Die Tochter Sophie weiß noch immer nicht, wer ihr Vater ist. In dem Tagebuch der Mutter liest Sophie, dass drei Männer ihr Vater sein könnten. So lädt Sophie die potenziellen Väter zu ihrer Hochzeit mit Sky ein, ohne dies vorher mit ihrer Mutter und ihrem Verlobten abzusprechen.
Erfährt Sophie endlich, wer ihr Vater ist oder versinkt die Hochzeit in einem Chaos? Und was ist mit Donna, wie wird sie auf die Männer reagieren?
 
Donna ist eine Löwenmutter, die ihre Tochter Sophie alleine großgezogen hat. Sie vergöttert ihre Tochter und hat für sie alles aufgegeben. Einst ein wildes und das Leben liebende Partygirl, das nach Freiheit und Unabhängigkeit strebte, geht sie in ihrer Mutterrolle, die viele Entbehrungen mit sich brachte, auf. Jetzt muss sie ihre Tochter ziehen lassen.
Anna Thorén, die in meinem Lieblingsmusical „Tanz der Vampire“ mitspielte, lebt diese Rolle. Von der ersten Minute an habe ich mich in ihre kraftvolle Stimme, ihre Ausdrucksstärke und ihr schauspielerisches Talent verliebt. Eine sehr gelungene Besetzung, die in jedem Ton und jedem Tanzmove bestätigt wurde! Bei Thoréns Interpretation des Liedes „The Winner Takes It All“, meinem absoluten ABBA-Lieblingslied, hatte ich Gänsehaut und Tränen in den Augen.
 
Donnas Tochter Sophie wird von der charismatischen Sanne Buskermolen, die den Musicalgängern unter Euch aus den Musicals „Tanz der Vampire“ und „Grease“ bekannt sein dürfte, verkörpert. Sophie möchte vieles anders als ihre Mutter machen. Sie möchte nicht ohne einen Mann leben und deswegen ihre Liebe Sky heiraten. Sophie weiß oft nicht, wer sie wirklich ist und ist deswegen auf der Suche nach einer Vaterfigur. Doch liebt sie auch ihre Mutter über alles und will sie nicht enttäuschen. Diese Zerrissenheit der Figur wird großartig von Buskermolen dargestellt. Buskermolen überzeugte das Publikum an dem gestrigen Abend auf der ganzen Linie, als Sängerin, als Tänzerin und als Schauspielerin.
 
Sky ist Sophies Verlobter und liebt und unterstützt Sophie. Doch als er erfährt, dass Sophie ihn angelogen und ihm nichts von der Einladung ihrer drei potentiellen Väter erzählt hat, ist er zutiefst enttäuscht.
Sky wird von Benét Monteiro gespielt. Der gebürtige Brasilianer, bekannt aus dem Musical „Bat out of Hell“ gibt der Rolle alles, was sie braucht: eine feurige Leidenschaft und viel Temperament.  
 
Donnas Freundinnen und deren Darstellerinnen gehörten gestern zu den Glanzlichtern des Musicals. Sie sorgten für viel Lebensfreude auf der Bühne und für viele Lacher im Zuschauersaal.
Tanja, eine meiner Lieblingsfiguren, ist ein Männer verschlingendes Vamp. Schon drei Mal verheiratet gewesen und trotzdem ist ihr Hunger noch nicht gestillt. Auf der Suche nach einem reichem Mann geht sie aber auf der griechischen Insel eine Liaison mit dem nicht wohlhabenden und deutlich jüngeren Pepper (Duncan William Saul) ein. Tanja legt sehr viel Wert auf ihr Aussehen und wirkt auf den ersten Blick oberflächlich. Doch ist sie eine sehr gute Freundin für Donna und Rosie.
Betty Vermeulen, die schon 2006 diese Figur spielte, interpretiert auch diesmal auf eine fantastische Art und Weise die Rolle und unterhielt in jeder Minute den Zuschauer.
 
Rosie, Donnas zweite beste Freundin, ist das komplette Gegenteil von Tanja. Sie ist die personifizierte Emanzipation der Frau und ist ihr Leben lang ohne einen Mann ausgekommen. Doch sehnt sich Rosie im Grunde ihres großen Herzens nur nach dem Richtigen.
Barbara Raunegger übernimmt wie schon einst in Hamburg die Rolle der Sympathieträgerin Rosie und erwärmt sofort das Herz jedes Zuschauers.
 
Zwar ist das Musical „Mamma Mia“ ein „Frauenpower-Musical“, doch spielen die Männer natürlich auch eine wichtige Rolle. Die drei potenziellen Väter werden von Karim Khawatmi (Sam), Gerd Achilles (Harry) und Jörg Zuch (Bill) dargestellt. Sam hat einst Donna verlassen, um seine Verlobte zu heiraten und bereut diesen Schritt noch immer, da er Donna auch heute liebt. Bill war die Freiheit schon immer wichtiger als ein sicherer Hafen, doch findet er in Griechenland nicht nur eine (mögliche) Tochter, sondern auch in Rosie eine Partnerin. Harry hingegen offenbart einen anderen Grund, warum es damals mit Donna nicht geklappt hat.
Alle drei Darsteller spielten ihre jeweilige Rolle sehr glaubwürdig und zeigten sich gestern auch stimmlich als eine Bereicherung für das Musical.
 
Michael Kunze textete bereits Musicals wie „Tanz der Vampire“, „Rebecca“ und übersetzte auch das Musical „Das Phantom der Oper“ ins Deutsche. Auch seine deutschen Texte in dem Musical „Mamma Mia“ überzeugen. Die Texte wurden thematisch an die Handlung des Musicals angepasst, doch die berühmten Ohrwurm-Melodien des Musicals bleiben erhalten und sorgten an dem gestrigen Abend für einen begeisterten Szenenapplaus an vielen Stellen. Bei den Partykrachern wie „Super Trooper“ oder „Money, Money, Money“ ist das Publikum überschwänglich mitgegangen. Es gab aber auch traurige Lieder wie „The Winner Takes It All“, bei denen ich mir die Tränen wegwischen musste.
 
Mein Fazit: Das Musical „Mamma Mia“ handelt von so vielen schönen Themen: der engen Mutter-Tochter-Beziehung, der jungen Liebe, der Liebe, deren Flamme nie erloschen ist, und der wahren Freundschaft. „Mamma Mia“ ist ein großartiges Gute-Laune-Musical, das aus jedem Pessimisten einen Optimisten macht. Die weltbekannten Lieder der schwedischen Popband ABBA gehen in dem Musical ins Ohr und bleiben für immer im Herzen, was auch den sehr talentierten Sängern und Sängerinnen im Musical zu verdanken ist. Der Produktion gelingt mit jeder kleinen Rolle eine fantastische Besetzung, die sich beim Singen, Tanzen und Schauspielern widerspiegelt.
Bis zum 19.04.2020 könnt Ihr Euch noch im Stage Theater des Westens in Berlin davon überzeugen lassen, dass die ABBA-Musik für immer leben wird. Ab Oktober 2020 ist das Musical in Hamburg zu bewundern.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
 
Text © E. Günther
Fotos © Stage Entertainment

 

ABBA Gold – The Concert Show 2019

Sie sind selten geworden: Bands, die durch ihre unvergessliche Musik Generationen vereinen können. ABBA, der schwedischen Popgruppe, die aus den beiden ehemaligen Paaren Agnetha und Björn sowie Benny und Frida bestand und sich 1972 in Stockholm formierte, gelingt dies noch immer.
 
Mit ihrem Lied „Waterloo“ gelang ihnen im Jahr 1974 beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ ein Sieg, der sie unsterblich machte.
ABBA gehört mit über 375 Millionen verkauften Tonträgern weltweit zu den einflussreichsten Popbands aller Zeiten und ist eine Legende. 
 
Die Live-Band ABBA Gold versprach unter dem Motto „Having the time of your life“ und unter der Leitung von Produzent Werner Leonard (Max Raabes Palast Orchester, ABBA MANIA) das Unmögliche: Sie wollte diese legendäre Band wieder auf die Bühne bringen. Davon wollte ich mich selbst unbedingt am 23.März 2019 im Admiralspalast überzeugen.
 
In dem fast ausverkauften Admiralspalast war die Stimmung von Anfang an außergewöhnlich gut. Ältere und sehr junge Menschen schienen die Vorfreude auf Agnetha (Kirsty Cameron), Frida (Claire Trusson), Benny (Adam Fletcher) und Björn (Mirko Hildmann) nicht mehr aushalten zu können. Als ABBA Gold auf die Bühne kam, glaubte ich kurz, auf einem Justin Bieber-Konzert zu sein. Die Vorfreude entlud sich in unbändigem Jubel. Wer dachte, die Stimmung könnte nicht noch bombastischer werden, der wurde mit der Ankündigung des Liedes „Fernando“ eines Besseren belehrt.
 
ABBA Gold sang alle Welthits: „Mamma Mia“, „Souper Trouper“, „Dancing Queen“ usw. Die Band mit dem Bassisten Sebastian Hoffmann und dem Schlagzeuger Marko Klotz transportierte das Publikum in die 70- und 80-er Jahre und überzeugte auf ganzer Linie: Originalkostüme, schwedischer Akzent, dieselbe Performance – wir vergaßen, dass nicht ABBA selbst auf der Bühne stand. Und viele Zuschauer vergaßen sich selbst, alle tanzten, jubelten und sangen begeistert mit. Und als Zugabe gab es am Ende einer fast dreistündigen Konzertshow das Lied „Waterloo“, ein unbeschreibliches Gefühl.
 
Mein Fazit: Bei der Live-Band ABBA Gold stimmt einfach alles! Die weltbekannten Lieder reißen einen mit, die Stimmung ist ekstatisch. Die Bandmitglieder sind talentiert und genauso charismatisch wie die Originalbesetzung. Das Bühnenbild mit den Kostümen wirkt originalgetreu. Das Motto der Konzerttournee war „Having the time of your life“ und das hatten wir auch. Thank you for the music, ABBA! Thank you for the concert, ABBA Gold! Thank you for the show, Admiralspalast!
Heute tritt die Band in Krefeld auf und tourt weiter durch Deutschland und Österreich. Im nächsten Jahr geht die Band übrigens wieder auf Tournee und kommt wieder nach Berlin (Admiralspalast).
 
Weitere Informationen:
 
Text und Fotos (außer Titelbild) © E. Günther