Der Hauptmann von Köpenick – ein geschichtsträchtiges Musical im Admiralspalast

Wer kennt sie nicht aus dem Deutschunterricht in seiner Schulzeit: die Tragikomödie von Carl Zuckmayer aus dem Jahr 1931?!
Heiko Stang hat diese nur auf den ersten Blick schwerfällige Geschichte als Musical auf die Bühne gebracht. Im Rahmen des Sommerfestivals SOFA kann man nun im Admiralspalast Zeuge dieses geschichtsträchtigen Musicals werden, das ich zur Premierenaufführung besucht habe und nun im Folgenden Euch vorstellen werde.
 
Doch zunächst zur Erinnerung die Handlung: Der gerade aus dem Gefängnis entlassene Voigt, der weder Arbeit noch eine Aufenthaltsgenehmigung hat und das eine nicht ohne das andere bekommen kann, wird aus Verzweiflung wieder kriminell und bricht mit einem Freund in einem Polizeirevier ein. Dafür kommt er wieder ins Zuchthaus.
Als er nach zehn Jahren entlassen wird, versichert ihm der Direktor, dass die militärische Ausbildung, die er im Gefängnis erfahren hat, ihm eines Tages noch einmal von Nutzen sein werde. Voigt kommt bei seiner Schwester und deren Mann Friedrich Hoprecht unter. Doch Voigts erneuter Versuch, im Leben Fuß zu fassen, scheitert zum wiederholten Male. Er soll ausgewiesen werden.
Also kauft sich Voigt eine gebrauchte Hauptmannsuniform, hält eine Gruppe von Soldaten an, zieht mit ihnen zum Köpenicker Rathaus und nimmt dort den Bürgermeister gefangen. Voigt muss aber erkennen, dass es in dem Rathaus keine Passabteilung gibt, er sich also die dringend benötigte Bescheinigung dort nicht ausstellen lassen kann. Voigt bedient sich der Gemeindekasse und stellt sich der Polizei unter der Bedingung, dass er nach seiner Entlassung einen Pass enthält.
 
Am meisten als Schauspieler und Sänger hat uns an diesem Abend Maximilian Nowka überzeugt, der perfekt die Rolle des verzweifelten Kleinkriminellen Wilhelm Voigt darstellt. Gefangen in dem strengen Bürokratieteufelskreis wird er immer wieder kriminell, da ihm die Behörden in Preußen keine andere Alternative bieten. Am Ende erleben wir einen erstarkten Voigt, der sein neu gewonnenes Selbstbewusstsein der Hauptmannsuniform zu verdanken hat. Kleider machen eben doch Leute.
 
Bei den Frauen hat uns besonders Juliane Maria Wolff gefallen, die gleich mehrere Rollen spielt (wie viele Darsteller an diesem Abend), darunter Plörösenmieze und Liesken. Ihre freche Art und ihre dynamische Stimme bringen Frische auf die Bühne.
Aber auch Tobias Berroth, der Voigts Freund Kalle und Ina Wagler-Fendrich, die Voigts herzensgute Schwester Maria Hoprecht spielen, sind wie der gesamte Cast in ihren Rollen sehr überzeugend.
 
In dem Musical werden genauso wie in der Tragikomödie die Beamtenmentalität, die strenge Bürokratie (ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung und ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit) und die Hierarchien in einer Militärgesellschaft kritisiert, ohne jedoch ermüdend auf den Zuschauer zu wirken, denn es werden viele lustige Elemente auf die Bühne gebracht, z.B. der Harzer Käse Song „Deftig fein“.
Wer das historische und dennoch noch immer aktuell wirkende Musical besuchen möchte, hat noch bis zum 6. August 2017 dazu die Gelegenheit.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
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© E. Günther
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