Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ im Theater des Westens – Disneys erstes erwachsene Musical?

Als ich erfahren habe, dass der Theater des Westens, ein Garant für beeindruckende Musicals, das Musical „Der Glöckner von Notre Dame“ in sein Programm aufnehmen würde, war ich ganz aus dem Häuschen und konnte diesen Tag kaum mehr abwarten, schließlich bin ich ein sehr großer Musical- und Disneyfan und habe den Zeichentrickfilm von 1996 schon unzählige Male geschaut.
Am Freitag, den 21. April 2017, hatte das Warten endlich ein Ende und wir wurden Zeugen dieser einzigartigen Neuinszenierung von Peter Parnell, die sich sehr stark am Roman von Victor Hugo orientierte und unter der Regie von Scott Schwartz endlich wieder nach Berlin gebracht wurde.

 
Gleich beim Betreten des Zuschauersaales wurde uns klar, dass uns hier ein opulentes und gewaltiges Bühnenbild erwarten würde. Alexander Dodge transportiert hervorragend die düstere Atmosphäre von Paris des 15. Jahrhunderts auf die Bühne und schafft ein beeindruckendes Bild der weltbekannten Kathedrale mit ihrem Rosenfenster, einem gewaltigen Gerüst aus Holz und den riesigen sieben Glocken.
 
Eigentlich dürfte Quasimodos tragische Geschichte jedem bekannt sein, doch sei sie hier zur Sicherheit noch einmal wiederholt:
Claude Frollo, der strenge Erzdiakon der Kathedrale von Notre Dame, zieht Quasimodo, den entstellten Sohn seines verstorbenen Bruders und einer Zigeunerin, in der Kathedrale von Notre Dame auf. Da Quasimodo hässlich ist, darf er nur im Glockenturm wohnen und darf sich nicht der Öffentlichkeit zeigen. 20 Jahre später kann es Quasimodo nicht länger im Turm aushalten und widersetzt sich daher den Befehlen seines Onkels, indem er das jährliche Fest der Narren auf dem Marktplatz besucht, wo er aufgrund seiner Hässlichkeit einer unmenschlichen Tortur durch die Marktbesucher ausgesetzt wird. Er wird jedoch von Esmeralda, einer wunderschönen Zigeunerin, gerettet. Zwischen beiden entsteht eine tiefe Freundschaft, die bei Quasimodo zum ersten Mal das Gefühl der Liebe weckt.
Doch Quasimodo ist nicht der einzige, der sich in die schöne Esmeralda verliebt. Auch der Hauptmann Phoebus hat ein Auge auf die Zigeunerin geworfen. Aber viel gefährlicher als die Liebe Quasimodos und Phoebus‘ zu Esmeralda, erscheint Frollos Interesse für die Frau, da er in seinem Hass auf alle Zigeuner besessen ist.
 
Passend zu dieser tragischen Geschichte haben auch die beiden Musikgenies Alan Menken und Stephen Schwartz eine dramatische Musik geschrieben, die unter die Haut geht und oft Tränen in die Augen treibt. Dank der musikalischen Leitung von Bernhard Volk, der klaren Stimmen der im Folgenden genau vorgestellten Musicaldarsteller und dem stimmgewaltigen 24-köpfigen Chor (ORSO – Choral Society Berlin) hatte ich fast das ganze Musical über Gänsehaut.
 
Auch bei der Vorstellung ihrer Figuren geht die Stage Entertainment-Produktion diesmal andere Wege und wählt diesmal einen auktorialen Erzählstil. Die Charaktervorstellung wird durch alle Darsteller zusammen übernommen, was selbst denjenigen, die den Roman nicht gelesen und den Zeichentrickfilm nicht geschaut haben, einen detaillierten Einblick in die Handlung ermöglicht.
 
Neben der imposanten Musik bleibt Stage Entertainment aber wieder einer Sache treu: dem bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzten Cast.
Am meisten hat uns an diesem Abend der Musicaldarsteller Felix Martin in seiner Rolle des Claude Frollo, Erzbischof von Notre Dame, Ziehvater und Onkel von Quasimodo, überzeugt. Beeindruckend, wie Martin es schafft, die Rolle des skrupellosen, machtbesessenen und strengen Erzbischofs auszufüllen, der von seinem Hass auf Zigeuner besessen ist. Quasimodo hat er nie wirklich geliebt und sperrt ihn in den Mauern der Kathedrale ein, um sich selbst die öffentliche Demütigung zu ersparen. Seine spätere Zerrissenheit, weil er sich zu der Zigeunerin Esmeralda körperlich hingezogen fühlt, nahm ich dem Darsteller in jeder Sekunde ab.
 
Zurecht bekam David Jakobs als Quasimodo an diesem Abend den größten Applaus und Zuspruch. Jakobs kann nicht nur wundervoll singen, sondern spielt klischeefrei den unglücklichen und einsamen Buckligen, der nur Steinfiguren als Freunde hat. Die Rolle des entstellten und fast tauben Jungen wird von dem Darsteller sowohl körperlich als auch emotional perfekt umgesetzt.
Obwohl Quasimodo so viel Leid in seinem jungen Leben erfahren musste, hat er sich trotzdem seine Güte und Unschuld bewahrt, eine Tatsache, die mich im Musical oft zum Weinen brachte. So ist auch seine Liebe zu Esmeralda frei von Egoismus.
 
Auf Sarah Bowden habe ich mich vor dem Musical besonders gefreut, schließlich kannte ich sie bereits aus vielen anderen Musicalproduktionen. Und ich wurde von Sarah Bowden wieder nicht enttäuscht. Die schöne Zigeunerin Esmeralda spielt sie mit viel Leidenschaft und zeigt sie als eine auf der einen Seite starke und mutige, auf der anderen Seite einfühlsame und loyale Frau. Auch mit ihrer bewundernswerten Tanzleistung und ihrer kräftigen Stimme brilliert sie wieder auf der Bühne.
 
Ein weiterer schauspielerischer Coup gelingt der Musicalproduktion mit Maximilian Mann, der den Hauptmann Phoebus überzeugend spielt. Zunächst ein Mann, der nach dem Krieg endlich dem Vergnügen nachgehen möchte, entwickelt er sich im Laufe der Handlung zu einem ehrenhaften Mann, der für seine Prinzipien und seine Liebe kämpft.
 
Mein Fazit: Bei „Der Glöckner von Notre Dame“ handelt es sich um ein Musical, das auf allen Ebenen gelungen ist! Das Musical lebt von der darstellerischen, musikalischen und tänzerischen Glanzleistung seiner Darsteller, von dem opulenten Bühnenbild, von der emotionalen Musik und von einer dramatischen Geschichte, die keinen unberührt zurücklässt. Es geht um die Macht der Liebe, die alle Grenzen zu überwinden scheint, um die Akzeptanz von Andersdenkenden und Andersaussehenden, um Loyalität und Menschlichkeit, die Folgen des Krieges für den Einzelnen und ist somit so aktuell wie nie zuvor.
Allerdings sollte man bei einem Besuch mit kleinen Kindern vorher bedenken, dass die Atmosphäre im Musical oft düster ist und die Unmenschlichkeit der Gesellschaft in manchen Szenen auf eine extreme Art und Weise offenbart wird. Allen anderen kann ich dieses Musical uneingeschränkt empfehlen, denn „Der Glöckner von Notre Dame“ berührt das Herz jedes Musicalliebhabers.
Das Musical läuft noch bis zum 4. November 2017 im Theater des Westens in Berlin und zieht anschließend nach München weiter.
 
Weitere Informationen zum Musical:
 
 
Adresse: Stage Theater des Westens
Kantstraße 12
10623 Berlin
 
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© E. Günther

 

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