Sweet Home Europa in der Vaganten Bühne – Wo liegen deine Wurzeln?

Was bedeutet Heimat für dich? Wo liegen deine Wurzeln? Was verstehst du unter einer gelungenen Integration? Vermisst du dein Zuhause? Fragen, mit denen ich mich in letzter Zeit verstärkt wegen meiner Arbeit als Lehrerin mit jungen Männern mit einem Migrationshintergrund beschäftigt habe.

Es war also nahe liegend, dass das in der Vaganten Bühne aufgeführte Theaterstück „Sweet Home Europa“ von Davide Carnevali, dem mehrfach ausgezeichneten Autor aus Italien, mein Interesse weckte.
Beim Besuch des Theaters des Westens haben wir uns schon oft vorgenommen, dass wir einmal die Vaganten Bühne, das Privattheater in der Kantstraße im Ortsteil Charlottenburg, aufsuchen wollen. Am Freitag, den 10. März 2017, war es dann soweit.
Das Foyer, das gleichzeitig ein Café ist, war an diesem Abend sehr gut gefüllt und zeigte die unterschiedliche Vielfalt der Zuschauer, die alle Altersstufen und verschiedene Nationalitäten vertraten.
Zur Handlung des von Sabine Heymann ins Deutsche übersetzte und von dem Regisseur Stefan Lochau inszenierte Theaterstück:
Zwei Männer, die offensichtlich aus unterschiedlichen Ländern kommen und einer unterschiedlichen Kultur entstammen, treffen sich zu einem Geschäftsessen. Eine Frau führt ein Telefongespräch mit ihrem Sohn, der seine Heimat für eine bessere Zukunft verlassen hat. Ein Mann bittet einen anderen Mann auf der Straße um etwas Kleingeld.
Diese alltäglichen Situationen sind jedoch eng miteinander verbunden und erzählen die Geschichte eines jungen Mannes, der in ein anderes Land gekommen ist, um dort glücklich zu werden.
Das ganze Theaterstück über wird kein Land und keine Zeit benannt, in der die Geschichte spielt. Jedoch kann man aufgrund der Geschichte eine geografische und zeitliche Eingrenzung vornehmen. Da der Geschäftspartner aus dem anderen Land Ramadan feiert, kommt er offensichtlich aus einem muslimischen Land. Zudem ist seine Heimat von einer Wüste umgeben. Der andere Geschäftspartner, der den „Fremden“ zum Geschäftsessen einlädt, repräsentiert dabei die Nation, die das Land des anderen vorher kolonisiert und offenbar ausgebeutet hat.
In „Sweet Home Europa“ werden viele Themen behandelt, die die menschliche Existenz bestimmen: Traditionen, Kultur, Familie, Liebe, Sehnsucht, Sprache, das unterschiedliche Verständnis einer gelungenen Integration, Religion und verschiedene Erziehungsmethoden und Frauenbilder. Der Zuschauer stellt dabei die in der Gesellschaft tief verankerten Machtstrukturen fest: zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen und den unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen.
Allerdings sorgen die drei Darsteller Alessandro Calabrese, Richard Manualpillai und Astrid Rashed dafür, dass das Theaterstück nie zu moralisierend, sondern immer witzig und manchmal etwas zu absurd wirkt.
Aus diesem Grund können wir auch das 90 Minuten dauernde Theaterstück (ohne Pause) empfehlen, denn hier wird man gleichzeitig zum Denken und Lachen angeregt.
Kontakt: Vaganten Bühne
Kantstraße 12A
10623 Berlin
030 3124529
Weitere Informationen:
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Text © E. Günther
Fotos © Gernot Wöltjen
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