„Er ist wieder da“ – der Erfolgsroman von Timur Vermes als Theaterstück

Sie ist wieder da: eine Partei, die in jeder Schicht das Urteilsvermögen der Menschen trübt und den Verstand in allen Schichten vernebelt.
Sie sind wieder da: kluge Männer und Frauen, die wie Schafe den nichtssagenden Parolen einer Partei folgen.
„Er ist wieder da“, der millionenfach verkaufte Bestsellerroman von Timur Vermes, der im Jahr 2015 erfolgreich verfilmt wurde, läuft jetzt als von Axel Schneider inszeniertes Theaterstück im Theater am Kurfürstendamm in Berlin.
 
Als Demokratie liebende Lehrerin, die in ihrem Unterricht Schüler verschiedener Nationalitäten unterrichtet und Toleranz predigt, musste ich natürlich diese Satire in Theaterform sehen und gehörte deswegen mit meinem Mann am Freitag, den 11. November 2016, zu den Besuchern des an diesem Abend sehr gut besuchten Theaterstücks.
 
Zur satirischen und zum Teil sehr bedrückenden Geschichte des Theaterstückes: Adolf Hitler wacht 69 Jahre nach dem Zweiten Weltkriegs in Berlin auf und wundert sich über die Veränderung „seines“ Deutschlands. Wohin man schaut, sieht man Ausländer, die hier leben, lieben und ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen. Deutschland wird von einer demokratischen Regierung regiert.
Aber niemand glaubt dem wenig begeisterten Hitler, dass er wieder da ist, alle sehen in ihm einen weiteren, aber diesmal überzeugenden Imitator. Der obdachlose Hitler kann bei einem Kioskbesitzer unterkommen und wird von diesem an die Fernsehproduzenten Sensenbrink und Sawatzki vermittelt. Bellini, die Chefin des Senders, erkennt schnell ein potentielles Comedytalent in Hitler. Hitler bekommt ein Büro und wird zum neuen Star. Er ist wieder da und einem erneuten Aufstieg scheint nichts im Wege zu stehen.
 
Trotz der Schwere dieses Themas kommen in dem Theaterstück sehr viele Witze vor, die den Zuschauer, auch wenn er das vielleicht anfangs nicht wollte, zum Lachen bringen. So fragt die Figur Hitler, die sich keiner Schuld bewusst ist: „Sehe ich aus wie ein Verbrecher“? Adolf Hitler lässt seine Uniform in einer türkischen Blitzreinigung waschen, ein historischer Verweis auf den Blitzkrieg. Auch gibt es sehr viele ironische Bezüge zur aktuellen Medienlandschaft: Stromberg, die RTL-Sendung „Mitten im Leben“ und die zahlreichen Kochsendungen.
 
Kristian Bader „glänzt“ in seiner Rolle des Adolf Hitlers und spielt diese bis auf die letzte Faser seines Körpers überzeugend, was einem oft einen Schauder über den Rücken laufen lässt, weil man sich dank dieser großartigen Darstellung in die dunkle Zeit versetzt fühlt. Mimik, Gestik, die Stimme – alles wird von Bader perfekt imitiert.
 
Der „neue“ Hitler muss sich zwar im neuen Berlin zurecht finden, was ihn oft überfordert, weil er die neuen Medien nicht bedienen kann, ist aber dennoch der alte grausame Hitler geblieben. Wenn Bader als Hitler eine Rede hält und diese parallel auf dem Bildschirm an der Wand „ausgestrahlt“ wird, wenn seine Stimme dabei so verändert wird, dass man glaubt, einem Radioprogramm gerade zu folgen, dann erinnert das den Zuschauer an die zahlreichen Reden, mit denen Hitler nach der Machtergreifung Stadien füllte und man hat aus diesem Grund einen Kloß im Hals.
 
Parallel zu der dauernden Präsenz des Führers auf der Bühne sieht man auch einen offenbar armen und obdachlosen Mann (von Georg Münzel dargestellt), der Geige, Akkordeon und Kontrabass spielt. Offensichtlich handelt es sich dabei um jüdische Lieder. Diese Gegenüberstellung von Täter und Opfer hält einem noch einmal das nicht in Worte zu fassende Verbrechen vor Augen: die Ermordung von 6 Millionen Juden und die Auslöschung ihrer Kultur in Deutschland. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage einer Figur besonders erschreckend: „Noch immer ist die Anzahl der Juden in Deutschland dezimiert, doch den Deutschen regt die Dezimierung des Waldes viel mehr auf.“ (keine wortwörtliche Wiedergabe)
 
Doch „Er ist wieder da“ ist auch eine Kritik an der Mediengesellschaft, die nur nach Sensation und hohen Einschaltquoten giert und sich nicht für die moralischen Werte interessiert. So tragen die Medien Schuld daran, dass Hitler, der neue Youtube-Star, zum wiederholten Male aufsteigen kann, weil sie ihm eine Bühne bieten.
 
Mein Fazit: Dieses lustige und zugleich beklemmende Theaterstück mit einem wundervollen Kristian Bader können wir jedem empfehlen! Obwohl das Theaterstück das Publikum sehr gut unterhält und viele Lacher garantiert, ist die Botschaft am Ende evident: Der (rechte) Geist des Massenmörders Adolf Hitler war niemals weg und wird leider für immer weiterleben. Diese traurige Wahrheit sehen wir täglich, wenn uns der europaweite Ruck nach Rechts bewusst wird.
 
Spielzeiten: bis zum 20. November 2016 und vom 5. bis 22. Januar 2017
 
Kontakt: Theater am Kurfürstendamm
Kurfürstendamm 206/209
10719 Berlin
030 88591188
 
Weitere Informationen:
 
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© E. Günther

 

 

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