„Sister Act“ im Theater des Westens

Wer kennt nicht den Film „Sister Act“ aus dem Jahr 1992, in dem uns Whoopi Goldberg alle zum Lachen und zum Mitgrooven brachte? Im Jahr 2006 folgte dann auch die langersehnte Uraufführung des Musicals in Kalifornien, bei dem Goldberg bis heute als Co-Produzentin fungiert. Und endlich kamen die Nonnen im Oktober 2016 auch nach Berlin.

Am Freitag, den 21. Oktober 2016, besuchten mein Mann und ich – wie jedes Musical im Theater des Westens – das Musical und im Folgenden erfahrt Ihr meine Meinung darüber.
 
Zwar dürfte jeder die Handlung kennen, doch sei sie zur Sicherheit hier noch einmal wiedergegeben:
Das Musical SISTER ACT handelt von der talentierten und ehrgeizigen Nachtclubsängerin Deloris van Cartier, die zufällig Zeugin eines Mordes – von ihrem Geliebten begangen – wird. Aus diesem Grund muss sie von dem Polizisten Eddie in einem Kloster versteckt werden.
Nach vielen Schwierigkeiten, sich an das Leben im Kloster zu gewöhnen, wird sie Leiterin des talentlosen Nonnenchores und begeistert sich für diese neue Aufgabe und die anderen Schwestern. Durch ihr Talent angezogen kommen auch immer mehr junge Menschen wieder zum Gottesdienst. Doch ihre wahre Identität droht aufzufliegen, da der Mörder und seine Handlanger ihr auf der Spur bleiben.
 
Neben der Änderung, dass der Polizist Eddie nun in Dolores verliebt ist, wird die Geschichte, die im Film 1991 in Reno spielt, ins Philadelphia des Jahres 1978 versetzt. Doch diese Disco-Ära gibt dem Ganzen noch mehr Pepp und Dynamik und zieht sehr viele lustige Momente nach sich, wenn z.B. in John Travolta-Manier getanzt wird. Und das Musical besticht durch sehr viele lustige Momente, noch nie habe ich in einem Musical so viel gelacht, übrigens wie das gesamte Publikum an dem Abend.
Es gibt sehr viele aktuelle Bezüge, die den Zuschauer zum Lachen bringen, z.B. der Hinweis auf die Köche Lichter und Lafer und die Tatsache, dass die Russen alle Immobilien (darunter auch das Kloster) aufkaufen würden.
 
Der Musical-Cast ist hervorragend ausgesucht: Aisata Blackman spielt sehr authentisch die Figur der ehrgeizigen und vulgären Deloris von Cartier, die durch ihre Affäre mit einem verheirateten Mann Gesangskarriere machen möchte und die Avancen des ehrenvollen Polizisten Eddie ignoriert. Im Kloster muss sie als Mary Clarence den neuen Erwartungen an sie entsprechen und muss sich keusch und bescheiden verhalten, was ihr nicht immer gelingt. Doch sie reift an der neuen Aufgabe und an ihren neu geschlossenen Freundschaften. Blackman überzeugt hier nicht nur als Schauspielerin, sondern auch durch ihre voluminöse Stimme.
 
Die Mutter Oberin wird im Musical von einer sehr bekannten Musicaldarstellerin verkörpert, von Daniela Ziegler. Sie repräsentiert auf überzeugende Weise alles, was Dolores auf den ersten Blick fehlt: Anstand und Ehre. Doch ihre Strenge dient nur dazu da, die Schwestern vor Gefahren der Außenwelt zu schützen und Gott zu dienen. Am Ende wird ihre Güte besonders deutlich.
 
In dem Film habe ich drei Lieblingsfiguren: die pummelige Mary Patrick, die schüchterne Mary Robert und die zynische Mary Lazarus.
Im Musical werden diese drei Rollen perfekt besetzt:
Die quirlige und dynamische Mary Patrick wird von der Darstellerin Maren Somberg gespielt, die es schafft, die unbändige Lebensfreude auch auf den Zuschauer zu übertragen.
Abla Alaoui verleiht der Figur der Mary Robert einen unglaublichen Charme. Ihre Entwicklung von dem schüchternen Mädchen zur selbstbewussten Frau, die sich auch gesanglich widerspiegelt, hat mich schon im Film begeistert. Alaouis Lied über genau diese Veränderung ist für mich gesanglich die größte Leistung im Musical und hat mir die eine oder andere Träne entlockt.
Mary Lazarus (Regina Venus) bringt uns auch im Musical durch ihre zahlreichen Gags zum Lachen. Die berühmte Rap-Einlage am Ende darf natürlich auch hier nicht fehlen.
 
Weiterhin sorgten auch folgende Figuren für Begeisterung beim Publikum, das am Ende die Darstellung des Castes im Stehen applaudierend honorierte:
° das geistliche Oberhaupt (Franz-Jürgen Zigelski), das durch seine liebenswerte Art die Herzen der Zuschauer gewinnt
° der Cop Eddie (Gino Emnes), der im Laufe der Geschichte seine Angst ablegt, in Marvin Gray-Manier auf der Bühne tanzt und sogar zur Waffe greifen kann
° und die Antagonisten in der Geschichte, Curtis (Mischa Mang), Joey und Pablo (Benjamin Eberling und Alessandro Francesco Pierotti).
 
Zur Musik sei Folgendes zu sagen: Entsprechend dem Handlungsverlauf wird sie in der zweiten Hälfte deutlich besser. In der ersten Hälfte bekommt das Publikum nur etwas von Blackmans Stimmvolumen mit, die anderen bleiben erst einmal stimmlich schwach, was der Geschichte des Films entspricht. Erst als Dolores am Ende des ersten Aktes die Leitung des Chores übernimmt, offenbaren auch die anderen Nonnen ihr gesangliches Talent, allen voran Abla Alaoui. Man darf aber von der Musik dieses Musicals keine Gänsehautmomente erwarten, denn hier zielt die Musik darauf ab, das Publikum zu unterhalten und Lebensfreude zu vermitteln.
 
Weiterer Pluspunkt im Musical stellen die Kostüme dar, die sehr schnell (auch auf der Bühne) gewechselt werden und die Entwicklung der Nonnen aufzeigen. Tragen die Schwestern am Anfang noch unscheinbare Ordenstrachten, so glitzern ihre Gewänder am Ende mit der Kirchenfassade um die Wette.
 
Mein Fazit: In dem Musical werden wichtige Werte wie Loyalität, Freundschaft und Liebe zu sich selbst und zu den Mitmenschen vermittelt und es wird gezeigt, dass der Glaube an Gott nicht einengend ausgelebt werden muss.
Das Musical ist für folgende Menschen konzipiert: für die Liebhaber des Films, für die Fans der siebziger Jahre und des Saturday Night-Feelings, für Menschen, die sehr gerne lachen und optimistisch denken. Wenn das auf dich zutrifft, dann hast du bis zum 26. Februar 2017 die Gelegenheit, das Musical im Theater des Westens zu sehen.
 
Weitere Informationen:
 
 
Adresse: Stage Theater des Westens
Kantstraße 12
10623 Berlin
 
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© E. Günther
 
 
 
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