Premiere „Der Nussknacker“ in der Deutschen Oper

 

Als jemand, der in der Ukraine geboren wurde, bin ich mit der Musik von Peter I. Tschaikowsky und dem Nussknacker aufgewachsen. So war es für mich eine Frage der Ehre, am Freitag, den 7. Oktober 2016, in der neunten Reihe der Deutschen Oper Platz zu nehmen und aufgeregt und gespannt auf Nacho Duatos Interpretation von „Der Nussknacker“ zu warten.

Und schon der Vorhang versprach, dass die nächsten zwei Stunden traumhaft schön werden sollten, denn wir saßen vor einem Sternenhimmel, der sich wie ein roter Faden durch die folgende Ballettaufführung hinzog.

Nacho Duato verlegt die Handlung des Nussknackers in die Belle Epoque, um den Tänzern mit der zu der damaligen Zeit getragenen Kleidung mehr Tanzfreiheit einzuräumen. Und Jérôme Kaplan, der für die Kostüme verantwortlich ist, macht mit seiner Arbeit seinem Namen alle Ehre. Die Frauen tragen wunderschöne Kleider. Vor allem in der Traumwelt, auf die ich noch später ausführlich kommen werde, lässt er seiner Fantasie freien Lauf und bringt damit unsere Augen zum Glänzen.

Um 19.30 Uhr begann die Geschichte meiner Kindheit und wir sahen, wie die Familie Stahlbaum vor einem riesigen Weihnachtsbaum Weihnachten feiert. Die Frauen tragen elegante Seidenkleider und die Männer feine Fracks. Kinder lachen und spielen ausgelassen miteinander. Alle sind fröhlich und genießen das Familienfest. Als Geschenke für die Kinder gibt es vier Puppen: die Prinzessin, den Prinzen und den Mäusekönig. Das schönste Geschenk, den Nussknacker, schenkt aber Drosselmeyer (Rishat Yulbarisov) seinem Patenkind Clara, das sich sofort in die Figur verliebt und sich von nun an rührend um diese kümmert.

Um Mitternacht erwachen die Spielfiguren zum Leben und der böse Mäusekönig bedroht mit seiner Mäusearmee die anderen Spielfiguren, die schließlich von dem Nussknacker gerettet werden. Der Nussknacker entführt daraufhin Clara in eine Traumwelt, in der er sich in einen schönen Prinzen verwandelt…

Die ganze Zeit fühlte ich mich wie in einem Märchen, was zum großen Teil der elfengleichen Clara (Iana Salenko) und ihrem bezaubernden Nussknacker-Prinzen (Marian Walter) zu verdanken ist. Beide harmonieren auf der Bühne und nehmen den Zuschauer zu der Musik von Peter I. Tschaikowsky unter der musikalischen Leitung von Robert Reime in eine mystische Welt voller bezaubernder Bilder. Auch die übrigen Balletttänzerinnen tanzen wie funkelnde Sterne auf der Bühne, passend zum Hintergrund.

Der zweite Akt ist tänzerisch sogar anspruchsvoller, da die beiden Hauptprotagonisten in einer Solovorstellung dem Publikum ihr Talent demonstrieren, was zu begeisterten „Bravo“-Rufen seitens der Zuschauer führt. Und da in einer Traumwelt alles möglich zu sein scheint, entstehen im Folgenden zauberhafte und geheimnisvolle Bilder vor unseren Augen:

Zuerst bekommen wir einen spanischen Tanz vor einem großen Fächer zu sehen. Sarah Mestrovic und Cameron Hunter tanzen miteinander hingebungsvoll und leidenschaftlich. Es folgt ein orientalischer Tanz einer Odaliske (Julia Golitsina) mit ihren zwei treuen Dienern (Alexander Abdukarimov und Dominic Whitbrook). Dabei bewegt sich die Odaliske verführerisch wie eine Schlange, die gleich ihre Beute erlegen wird. In dem chinesischen Tanz, vor einem Regenschirm-Gerüst, tanzen die Balletttänzer (Marina Kanno, Patricia Zhou, Vladislav Marinov und Wei Wang) voller Anmut und evozieren beim Zuschauer Bilder von Fernost.

Als Nächstes bestaunen wir russische Matrosen (Alexander Akulov, Arshak Ghalumyan, Konstantin Lorenz und Alexej Orlencovor) vor zwei Steuer-Rädern, die tänzerisch ihren gut gebauten Körper zur Geltung bringen. In dem letzten Bild der Traumwelt nehmen wir an einem Blumenwalzer im Königreich der Süßigkeiten teil, in dem die Tänzerinnen wie rosa Cupcakes (vor dem Hintergrund eines riesigen Cupcakes) grazil tanzen.

Dass die ganzen Bilder auf diese Art und Weise hervorragend funktionieren können, liegt auch an der perfekten Arbeit von Brad Fields (Licht) und Gentian Doda und Thomas Klein (beide für die Einstudierung verantwortlich).

Mein Fazit: Mit seiner Inszenierung gelingt Nacho Duato eine zauberhafte Version des Nussknackers, in der wir zusammen mit den talentierten Tänzern in eine Märchenwelt voller Magie eintauchen. Ich konnte ca. zwei Stunden lang nicht aufhören zu lächeln und war wie der größte Teil des Publikums  begeistert. Am Ende haben die Zuschauer die Tänzer und die Verantwortlichen begeistert gefeiert. Wenn auch du dich von der geheimnisvollen Welt des Nussknackers verführen lassen möchtest, dann hast du noch bis zum 2. Januar 2017 die Gelegenheit dafür.

Weitere Vorstellungen:

19. und 28. Oktober 2016

11. November 2016

01., 07.-09., 28. und 30. Dezember 2016

02. Januar 2017

Preise: 39 Euro –128 Euro, ermäßigt 19,50 Euro –64 Euro

Kontakt: Deutsche Oper Berlin

Bismarckstraße 35

10627 Berlin

030 34384343

Weitere Informationen:

http://www.staatsballett-berlin.de/de/spielplan/der-nussknacker-2/07-10-2016/414

https://www.facebook.com/StaatsballettBerlin/?fref=ts

https://www.facebook.com/DeutscheOperBerlin/?fref=ts 

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© E. Günther (Text/Bericht)

© Fernando Marcos (Fotos)

 

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