Wildes Berlin – das Hauptstadtmusical im BKA-Theater

 Eine rappende Türkentaube und eine Gras rauchende Füchsin im Görlitzer Park? Ihr meint, dass das zu verrückt für ein Musical wäre? Verrückt ja, aber genau das Richtige für ein Off-Musical im für seine schrägen Shows bekannten BKA.

 Am Samstag, den 24. September 2016, besuchte ich das Musical, über das im Moment die ganze Stadt spricht, in dem für mich bis dato noch unbekannten Theater. Da für mich der Besuch in dieser bekannten Berliner Location ein Novum darstellte, werde ich zuerst ein paar Worte zu dieser künstlerischen Institution schreiben:
 
Die Berliner Kabarett Anstalt (BKA Theater) unter der Leitung von Rainer Rubbert und Uwe Berger besteht seit 1988 am Mehringdamm in Kreuzberg und ist eine Spielstätte für viele Formen der Kunst geworden: Theater, Kabarett, Improvisationstheater, Konzerte, Comedy und eben Musicals. Zudem hat man am Vormittag die Möglichkeit, englischsprachiges Kindertheater und jeden Dienstagabend die „Unerhörte Musik“, Deutschlands einzige wöchentliche Konzertreihe für Zeitgenössische Musik, zu besuchen.
Das BKA-Theater zeichnet sich durch eine loungige Atmosphäre aus, die durch die Auswahl der Musik im Hintergrund (Hip Hop, Rock, Charts) begünstigt wird. Man kann sowohl an einem Tisch der Show folgen als auch die hinteren Sitzplätze buchen.
 
Seit der Premiere am Freitag, den 23. September 2016, läuft auch das oben erwähnte Musical „Wildes Berlin“ im BKA.
Um 19.10 Uhr wurde ich am 24.09. von der Servicekraft an den Tisch Nummer 17 geführt, von dem ich einen guten Blick auf die Bühne hatte. Sofort fiel mir die sehr für den Görlitzer Park, dem Schauplatz des Musicals, authentische Bühnenkulisse auf (für Ausstattung und Kostüm verantwortlich: Jenny Dechêne). Müll lag auf dem Boden und auf der überdimensionalen Sitzbank erkannte man Graffitis: „36 Boys“ und „King Kalid!“. Die Zahl „36“ steht für die frühere Postleitzahl des Bezirks Kreuzberg und die „36 Boys“ waren eine Ende der 1980er Jahre in Berlin bekannte Crew.
 
Zu den Protagonisten dieser Fabel nach Robert Löhr in Musicalform unter der Regie von Denis Fischer und der Regieassistentin Larissa Copetti gehören: eine türkische Taube, eine Reinickendorfer Füchsin, ein Wilmersdorfer Kaninchen, ein schwäbischer Biber, ein amerikanischer Waschbär und der Haus- und frühere Polizeihund Rex.
Gemeinsam leben sie in Harmonie, bis sie nach einem durch Drogen verursachten Filmriss neben einer menschlichen Leiche in ihrem Park aufwachen. Der offensichtlich durch ein Tier begangene Mord bedroht ihre gesamte Existenz und zwingt sie zu einer schnellen Aufklärung.
 
Da eine Fabel eine literarische Gattung ist, in der Tiere menschliche Züge tragen, kann man auch hier viele Berliner Charaktertypen erkennen:
Da ist zum einen der amerikanische Waschbär Wash (von Lars Kempter gespielt), der ein sich nur vegan ernährender und Selfies liebender Hipster ist. Die dominante Füchsin Faye (Emma Rönnebeck) kommt aus dem Märkischen Viertel und hasst jeden Hinzugezogenen, der ihrer Meinung nach sich in Berlin ausbreitet und die Einheimischen verdrängt, zum Beispiel der Biber.
Das schüchterne Kaninchen Sechser (Christian Nähte) aus Wilmersdorf, das auch gleichzeitig Fayes Vermieter (Jawohl, eine Füchsin und ein Kaninchen leben zusammen) ist, ist gegen Nüsse allergisch, leidet unter einer Schwerhörigkeit und Glutenunverträglichkeit und sieht schlecht.
 
Ülker (von Konstanze Kromer fantastisch dargestellt), eine Kreuzberger Türkentaube, musste vor ihrem Ehemann ins Taubenhaus fliehen und erwartet dort ein Kind. Sie steht für die in der Gesellschaft verloren gegangenen Werte wie Ehre und Respekt. Neben der Figur der Ülker übernimmt Kromer auch die Rollen des zugezogenen Bibers, der in Prenzlauer Berg (wo sonst?!) wohnt und der Füchsin durch sein Dialekt und seine aufdringliche Art auf die Nerven geht, der Katzendame Bella, die gerne am Kleber schnüffelt und des polnischen Automarders Jerzy.
Ein weitere Figur in dem Musical ist der eingebildete und ordungsliebende Hund Rex (wie der Waschbär von Lars Kempter verkörpert).
 
In dem Musical wird zu der Musik von Wolfgang Böhmer und den Songtexten (darunter auch dem Ohrwurm „Welcome to Berlin“) von Tom van Hasselt gesungen und getanzt. Dabei geben die Darsteller darstellerisch und körperlich alles und unterhalten hervorragend das Publikum, das sich mit lautem Gelächter und einem tosenden Applaus am Ende bedankt hat.
 
Mein Fazit: Das Musical ist lustig und an manchen Stellen vulgär und ich liebe es! Ein Besuch dieses Musicals ist nicht nur für jeden Berliner unabdingbar, da er viele Lacher garantiert. Das Musical könnt Ihr noch bis zum 11. Februar 2017 besuchen (immer um 20 Uhr). Für genauere Termine besucht Ihr bitte eine der folgenden Seiten:
 
Preise für den Besuch des Musicals:
ab 21,00 € in Reihe (Kategorie 2)
ab 25,00 € am Tisch (Kategorie 1)
 
Wichtiger Hinweis für Sonntag, den 25. September 2016:
Buchpremiere „Wildes Berlin. Ein Bestiarium der Hauptstadt“ mit der musikalischen Begleitung der Musicaldarsteller
BKA-Theater um 17 Uhr
Eintritt frei!
 
Kontakt: BKA-Theater
Mehringdamm 34
10961 Berlin
030 2022007
 
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© E. Günther

 

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