„Honig im Kopf“ @ Schlosspark Theater – mein bisher emotionalstes Theaterstück

Oscar Wilde meinte einmal: „Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir immer mit uns herumtragen.“ Doch bei manchen älteren Menschen fallen mit der Zeit immer wieder einige Seiten aus diesem Tagebuch heraus und es entstehen Erinnerungslücken, die ihr Leben beeinträchtigen. Der Film „Honig im Kopf“ von und mit Til Schweiger von 2014 drehte sich genau um dieses Thema. Leider habe ich den Film bis heute nicht gesehen und mich deswegen umso mehr gefreut, dass das Schlosspark Theater es als Theaterstück in sein Programm aufgenommen hat.

Am Donnerstag, den 18. August 2016, habe ich mit einer sehr guten Freundin schließlich das Stück besucht. Leider waren wir beide, zwei (Ur-) Berlinerinnen, noch nie im Schlosspark Theater und so freuten wir uns besonders auf diesen Abend.
Das Schlosspark Theater ist ein wunderschönes und nicht besonders großes Theater im Steglitz, das einen einzigartigen historischen Charme versprüht und über einen zum Verweilen einladenden kleinen Garten, in dem wir eine anregende Pause verbrachten, verfügt.

Um 20 Uhr saßen wir gespannt in der 6. Reihe eines bis auf den letzten Platz gefüllten Zuschauersaals und warteten ungeduldig auf die Bühnenfassung von Florian Battermann in einer Bearbeitung von René Heinersdorff, die auch pünktlich begann.

Zuerst einige Worte zu der Handlung des vier Personen umfassenden Stücks:
Als Amandus an Alzheimer erkrankt und seine Krankheit sich nach dem Tod seiner Frau rapide verschlimmert, nimmt ihn sein Sohn Niko, dessen Ehefrau Sarah und die gemeinsame Tochter Tilda bei sich zu Hause auf. Viele Katastrophen sind vorprogrammiert und belasten zunehmend die Ehe seines Sohnes, die ohnehin von Affären der beiden Ehepartner, der vielen Arbeitsstunden und der häufigen Streitigkeiten gebeutelt ist. Alleine die Enkelin Tilda liebt ihren Opa über alles und will ihn nicht verändern. Die beiden haben eine unglaublich starke Bindung und Tilda gibt ihrem Großvater das Gefühl, noch immer wichtig zu sein. So kann sie es nicht akzeptieren, dass ihr Vater den Großvater in einen Heim schicken will. In ihrer Verzweiflung entscheidet sich Tilda, mit Amandus kurzerhand auf eine Reise nach Venedig zu gehen und ihn noch einmal daran zu erinnern, wie glücklich er einst in dieser Stadt mit seiner verstorbenen Frau war. Eine Reise voller Abenteuer beginnt.

„Honig im Kopf“ beginnt damit, dass die vier Figuren des Theaterstücks auf die Bühne kommen. Amandus‘ Strickjacke ist falsch zugeknöpft, so dass der Zuschauer gleich den verwirrten Zustand des Großvaters erkennt. Während die Szenen in der ersten Hälfte nacheinander stattfinden, laufen in der zweiten Hälfte viele Szenen auch parallel ab. Dabei fungiert die Enkelin als die Erzählerin der Geschichte, die durch ihre Rückblenden und Nebengeschichten dem Publikum eine bessere Übersicht ermöglicht. Die Möbel und Requisiten werden in den Szenen durch die Darsteller hineingeschoben und erlauben so einen reibungslosen Verlauf der Geschichte. Die Wahl der Musik, die zwischen den Szenen gespielt wird, hat einen sehr melancholischen Charakter und unterstreicht noch einmal das schwere Thema des Theaterstücks.

Doch das Herz dieser Geschichte bilden die hervorragend ausgewählten Darsteller.
Achim Wolff spielt dabei den verwirrten Amandus, der aber die Lust am Leben nicht verloren hat und seine Enkelin abgöttisch liebt. Das Publikum schließt die Figur sofort in ihr Herz, was der großartigen Darstellung von Achim Wolff zu verdanken ist. Entweder man identifiziert sich mit ihm (älteres Publikum) oder man denkt sofort wehmütig an seinen eigenen Großvater.

Nastassja Revvo, die die Enkelin Tilda verkörpert, bekommt neben Achim Wolff den meisten Applaus an diesem Abend. Mein Respekt dafür, wie man in jungen Jahren so überzeugend spielen und sicher auftreten kann. Revvo spielt eine Enkelin, die ihren Opa vergöttert und zu ihm auch in schwierigen Zeiten hält. Sie lässt ihn seine Krankheit vergessen und bringt wieder Freude in sein Leben.

Karsten Speck spielt den Sohn Niko, der seinen Vater zwar liebt, aber auch weiß, dass dieser in einem Heim besser aufgehoben wäre. Doch zunächst kämpft er noch gegen diese Entscheidung an. Niko streitet sich häufig mit seiner Frau, die er mit seiner Sekretärin betrogen und für die er aufgrund seiner vielen Arbeit wenig Zeit hat. Er hat viel mehr Gemeinsamkeiten, zum Beispiel denselben Humor, mit seinem Vater als ihm anfangs bewusst ist. Karsten Speck gelingt es, dies auf der Bühne glaubhaft darzustellen.

Astrid Kors schlüpft in die Rolle der mit der Krankheit des Schwiegervaters überforderten Schwiegertochter Sarah. Auch Sarah hat ihren Mann betrogen und erweist sich genau wie ihr Mann als streitlustig. Sie schimpft und tobt, wenn Amandus wieder für eine Katastrophe sorgt, doch hat sie das Herz am rechten Fleck und liebt im Grunde ihre Familie über alles. Astrid Kors steht dem übrigen starken Ensemble in nichts nach und geht auch in ihrer Rolle der manchmal verbitterten Ehefrau auf.

Mein Fazit: „Honig im Kopf“ läuft noch bis zum 4. September und sollte unbedingt vom jedem gesehen worden sein. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ein Theaterstück so viele Emotionen bei mir freigesetzt hat. Trotz der Schwere des Themas habe ich wie alle anderen im Publikum sehr viele Male herrlich gelacht, und zwar oft in vielen auf den ersten Blick nicht geeigneten Szenen (u.a. einer Beerdigung). Es wird in dem Stück sehr viel mit Sarkasmus und schwarzem Humor gespielt, ohne dass jemals die Witze unter die Gürtellinie gehen.
Aber ich habe natürlich auch einige Mal in dem Theaterstück geheult, denn diese Geschichte lässt keinen kalt. Auch wenn „Honig im Kopf“ mit Alzheimer ein Thema behandelt, dass die jungen Leute nicht auf den ersten Blick anspricht, so ist es doch für Zuschauer jedes Alters sehr interessant und überaus lustig. Die fast zwei Stunden (mit Pause) sind leider wie im Fluge vergangen.

Ein wichtiger Hinweis: Bis zum 28. August 2016 haben Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre freien Eintritt! Noch ein Grund für die Jugendlichen, dieses besondere Theaterstück zu besuchen.

Mehr Informationen:
http://www.schlossparktheater.de/produkt…/honig-im-kopf.html
https://www.facebook.com/Schlosspark-Theater-Berlin-Offiz…/…

Kontakt: Schlosspark Theater
Schloßstraße 48
12165 Berlin
030 78956670

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© E. Günther

Szenenfotos: http://www.schlossparktheater.de/pressedownload/fotos.html/ID_Galerie=5

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