Gutes Wedding, schlechtes Wedding – Folge 105: „Der Sommernachtstrip“ im Prime Time Theater

Jedem von Euch ist bestimmt die Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ein Begriff und jeder von Euch hat bestimmt schon einmal im Laufe seines Lebens mindestens eine Folge geschaut und dabei mit den Figuren mitgefiebert. Aber warum sollte dieses Konzept nicht auch beim Theater funktionieren?! Das dachten sich auch die Gründer des Prime Time Theaters und eröffneten am 3. Dezember 2003 das moderne Volkstheater. Gutes Wedding, schlechtes Wedding ist weltweit die einzige Theater-Sitcom, bei der jede Folge eine abgeschlossene Geschichte darstellt, deren Charaktere aber auch in anderen Episoden auftauchen.
 
Am Freitag, den 22. Juli 2016, besuchte ich endlich auch das Prime Time Theater, um bei der „Ausstrahlung“ der 105. Folge („Der Sommernachtstrip“) live dabei zu sein. Und obwohl ich schon eine Stunde vorher da war, war der Eingangsbereich des familiär wirkenden Theaters sehr gut gefüllt. Ich nahm in der vierten Reihe Platz, was eine gute Sicht auf die Bühne versprach und um 20.15 Uhr, zur Prime Time, ging der Vorhang auf.
 
Zunächst kam „Eddi aus Wedding“ (Alexander Ther) auf die Bühne und erklärte, dass er an dem heutigen Abend den Briefträger Kalle (von dem Theaterleiter Oliver Tautorat gespielt) vertritt. Nach einem Gewinnspiel, bei dem die Zuschauer ihr Herkunftsland verraten mussten, wurden wir wieder daran erinnert, dass es sich bei „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ um eine Seifenoper-ähnliche Produktion handelt: Der Zuschauer wurde auf der Leinwand darüber informiert, was in den bisherigen Folgen geschehen war.
 
Und dann ging es schon los: Ahmed (Daniel Zimmermann), der Besitzer eines Dönerladens, kommt aus Istanbul zurück und muss entsetzt feststellen, dass sein früher bei vielen verschiedenen Geheimdiensten arbeitender Bruder Erkan gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Fischdönerladen eröffnet hat und ihm die ganzen Kunden wegnimmt. Ein erbitterter Bruderstreit ist da natürlich vorprogrammiert, der auch Ahmeds Tochter, die fleißige und ehrgeizige Esra (Noémi Dabrowski), hineinzieht.
Esra wird als eine hilfsbereite und liebende Tochter dargestellt, die in Tayfun (auch Daniel Zimmermann) verliebt ist und für ihn alles macht.
 
Doch wie in jeder guten Serie gibt es natürlich auch hier mehrere Handlungsstränge. So gibt es z.B. den im Gefängnis sitzenden Volker (Robert F. Martin), der bei den Wärtern sehr beliebt und im Gefängnis endlich selbstbewusst geworden ist. Seine ein wenig zickige Ehefrau Lore (Julia Franzke) macht die kriminelle Energie ihres Mannes, der er die Verhaftung zu verdanken hat, ganz heiß. Doch der im Gefängnis emotional erstarkte Volker verlangt nach einer Scheidung, die dann anschließend von einer Kölner Anwältin (Katharina Bertus) bei einer Art Hausbesuch durchgeführt werden soll.
 
Mein Lieblingscharakter an diesem Abend war aber Uwe (zum dritten Mal Daniel Zimmermann) mit seiner Bio-Strickjacke, der hilfsbereit und gegen Gluten allergisch ist und mit seinem Charme und seinem schwäbelnden Dialekt jeden in seinen Bann zieht. So begleitet er auch nach einem Rauscherlebnis Volker und Lore in ein an die ehemalige Sowjetunion erinnernde Land, in dem er für viele unbeabsichtigte Lacher sorgt.
 
Das Theaterstück brilliert durch seinen Wortwitz und seine Situationskomik: Der Bruderstreit wird handgreiflich ausgetragen, indem der eine Bruder den anderen Bruder mit einer Dorade schlägt. Türkische Namen werden mit Absicht verwechselt, da sie doch „eh alle gleich sind“. Cosy Wash ist in Wahrheit Kosovo Wash. Dabei werden viele verschiedene Berliner Charaktere gekennzeichnet: von der Ur-Berlinerin, die bei Ahmed am Tresen arbeitet und berlinert, bis hin zu dem türkischen Vater, der seine Tochter heroisiert. Der Zuschauer erkennt sehr viele Parallelen zu den Entwicklungen in unserer heutigen Zeit: So spielt die Gefängnisaufseherin die ganze Zeit Pokemón auf der Arbeit. An einigen Stellen wird Wedding TV mit der Sendung „Goodbye, Wedding“ eingeblendet.
 
Natürlich kann dieses Konzept nur dank der sehr guten Darsteller funktionieren. Am meisten hat an diesem Abend der Schauspieler Daniel Zimmermann überzeugt. Egal, ob Tayfun, Ahmed oder Uwe, alle drei Rollen spielte der Darsteller überzeugend und wurde daher zurecht mit dem größten Applaus seitens des Publikums belohnt.
 
Mein Fazit: Wer Berliner Charaktere in einer Art Theater-Serien-Format sehen und herzlichst über diese lachen möchte, für den ist der Besuch dieses Theaters Pflicht. Die Folge 105 (von der Regisseurin Xinia Rabil) läuft noch bis Ende August von Donnerstag bis Montag immer um 20.15 Uhr im Programm des Prime Time Theaters.
 
Weitere Informationen dazu:
 
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