Meine Lieblingsoper „Carmen“ in der Deutschen Oper Berlin

Obwohl ich „Carmen“ bis jetzt nie im Ganzen gesehen habe, war ich schon immer von der Oper und der Geschichte ergriffen. Als junges Mädchen träumte ich davon, die Figur Carmen einmal selbst in einer Verfilmung spielen zu dürfen. Diesen Traum konnte ich mir – bis jetzt – nicht erfüllen, doch ging ein anderer Traum von mir in Erfüllung.

Am Samstag, den 2. Juli 2016, besuchte ich mit einer Freundin Georges Bizets (1838-1875) Oper „Carmen“ nach der Novelle Prosper Mérimées in der Deutschen Oper. Und obwohl an diesem Tag Deutschland gegen Italien im Halbfinale spielte, war die Oper bis auf den letzten Platz ausverkauft. Wir saßen in der 17. Reihe, von der wir eine sehr gute Sicht auf die Bühne hatten. Um 19.30 Uhr hörten wir zum ersten Mal das Orchester unter der Leitung Nicholas Carters. Und gleich hatte ich Gänsehaut, da die Musik jedem Carmen-Liebhaber ein Begriff war. Die fast vier Stunden dauernde Oper (mit einer dreißigminütigen Pause nach dem zweiten Akt) findet in französischer Sprache, jedoch mit deutschen und englischen Übertiteln, statt.

Bizets Opéra comique besteht aus vier Akten. In dem ersten Akt wird man in die Handlung eingeführt: Soldaten vertreiben sich auf einem Platz in Sevilla die Zeit. Eine Frau namens Micaëla erscheint auf der Bühne und erkundigt sich bei den Soldaten nach einem gewissen José, der mit der Wachablösung später erscheint. Man erfährt, in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen: Micaëla, eine Waise, lebt bei Josés Mutter, um die sie sich auch kümmert und ist offenbar José versprochen.
Doch zunächst sehen wir viele Arbeiterinnen die Tabakfabrik, das höchste Gebäude auf dem Platz, verlassen. Obwohl sich die Männer sofort auf die erschienenen Frauen stürzen, gilt ihr ganzes Interesse vor allem einer Frau: Carmen, einer rassigen Zigeunerin. Doch Carmen wirft ihre Blume nur einem Soldaten zu, den sie zuvor ignoriert hat: Don José.
Nach einem handfesten Streit zwischen Carmen und einer anderen Frau wird Carmen verhaftet und soll von José in ein Gefängnis überstellt werden. Doch der verliebte José lässt sie laufen und wird dafür selbst ins Gefängnis gesteckt.

Der zweite Akt spielt in einer Taverne und ist mein Lieblingsakt, da man hier sehr viele Flamencoelemente der tanzenden Zigeunerinnen sieht und die Carmen-Figur ihr ganzes Temperament entfaltet. Zudem kommt José in diesem Akt aus dem Gefängnis frei und die tragische Geschichte setzt sich fort. Im dritten Akt lernen wir das harte Zigeunerleben in den Bergen kennen, das von Diebstahl gekennzeichnet ist. Waren die Farben in den vorherigen Akten noch lebensfroh, so herrscht hier Dunkelheit und Kälte.
Der vierte und letzte Akt spielt auf einem Platz in Sevilla vor der Stierkampf-Arena und stellt den tragischen Abschluss einer Liebesgeschichte, die von vornherein zum Scheitern veurteilt war, dar.

Carmen wird in der Oper von Agunda Kulaeva gespielt. Kulaeva verkörpert glaubhaft die rassige und temperamentvolle Zigeunerin, die nur sechs Monate lang jemanden lieben kann. Carmen verführt durch ihr laszives Auftreten jeden Mann und erscheint in manchen Szenen wie ein gerade gefangener Panther, der aus seinem Käfig ausbrechen möchte und nicht satt werden kann. Sie will sich von keinem Mann ihre Unabhängigkeit nehmen lassen. Im Gegensatz zu dieser Verführerin, die von José oft als der Dämon bezeichnet wird, steht Micaëla, die häufig den Charakter einer Heiligen erhält.

Micaëla (Norah Amsellem) wird als eine gottesfürchtige Frau gezeichnet. Sie liebt ihren José über alles und ist bereit, um ihn zu kämpfen. Seiner Mutter gegenüber zeigt sie ihre ganze Loyalität, da sie sich aufopferungsvoll auch in Krankheit um sie kümmert.

Zwischen diesen zwei unterschiedlichen Frauen steht der Soldat Don José, von Gaston Rivero verkörpert. Zunächst als ein ehrenhafter Soldat und liebender Sohn dargestellt, raubt ihm seine besessene Liebe den Verstand und die Urteilskraft, was den tragischen Ausgang von Anfang an andeutet.

Die Stimmen der drei oben erwähnten Operndarsteller haben meine Freundin und mich nicht nur bezaubert, sondern haben uns sofort durch ihre Kraft in ihren Bann gezogen. Diese Stimmgewalten führten dazu, dass ich an sehr vielen Stellen Gänsehaut hatte. Aber auch die anderen Darsteller, wie z.B. der Darsteller des Stierkämpfers Escamillo (Derek Welton) oder der Kinderchor überzeugten uns und die anderen im Publikum. Nach fast jeder Szene hörte man Bravo-Rufe von den Zuschauern.

Die realistische Milieuschilderung (Soldaten- und Zigeunerleben) und die authentischen Kostüme von Pierluigi Samaritani trugen zu meiner Ergriffenheit bei. Es war eine Freude, Bizets Oper in ihrer Ursprünglichkeit zu sehen. Die Themen wie Eifersucht, manische Liebe, Sehnsucht nach Freiheit, Untreue, Ehre, Rivalität faszinieren eben auch heute noch. Auch die gewählten Symbole bzw. Bilder sind beeindruckend: Die in Schwarz gekleideten Todesengel am Ende kündigen das Ende an. Der kleine Junge und das kleine Mädchen des Kinderchors zeigen, dass diese typische Mann-Frau-Beziehung auch in den nächsten Generationen fortgesetzt wird. Der Junge (Mann) ist der Torerro, das Mädchen (Frau) der Stier, der von dem Stierkämpfer bezwungen werden soll.

Wer diese bemerkenswerte Oper sehen möchte, der muss sich beeilen: Am Donnerstag, den 7. Juli, (19.30 Uhr) hat man in dieser Spielzeit zum letzten Mal dazu die Gelegenheit.
Weitere Informationen dazu findet Ihr hier:
http://www.deutscheoperberlin.de/d…/calendar/carmen.12680153

Ein nützlicher Hinweis: Die Pause findet erst nach dem zweiten Akt, um ca. 21.10 Uhr, statt! Bitte nach dem ersten Akt, wenn der Vorhang geschlossen wird, damit die Bühnendekoration gewechselt werden kann und sich die Darsteller umziehen können, nicht aufstehen!

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Kontakt: Deutsche Oper Berlin
Bismarckstraße 35
10627 Berlin
030 34384343

© E. Günther

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