„Der Geizige“ nach Molière im Pfefferberg Theater (Hexenberg Theater)

Seit seiner Eröffnung im September 2013 sind mein Mann und ich zwei sehr große Fans des Pfefferberg Theaters (Hexenberg Theater). Das Theater liegt in der historischen Schankhalle Pfefferberg und ist umgeben von der eigenen Brauerei und einem sehr guten und ebenfalls zum Theater zugehörigen Restaurant, in dem man vor oder nach dem Theaterstück schön essen kann. Vor allem im Sommer kann ich das Hexenberg Theater empfehlen, da man die Möglichkeit hat, auf der Terrasse – direkt vor dem Theater – ein kühles Getränk zu bestellen und gleich danach ins Theater herübergehen kann, um ein Theaterstück zu genießen. Auf dem Programm des „modernen Volkstheaters“ stehen oft Literaturklassiker, die durch die neue Interpretation frischer erscheinen, aber auch ganz neue Theaterstücke (z.B. „Zum Teufel mit Goethe“).

Am Freitag, den 10. Juni 2016, war es wieder soweit und wir besuchten das Pfefferberg Theater. Wir entschieden uns dazu, die Komödie „Der Geizige“ nach Molière (1622 – 1672) zu schauen. Da mich Molières Werke sowohl in der Schule als auch in meinem Französischstudium als auch später als Französischlehrerin stets begleiteten/begleiten, war ich auf die Umsetzung der Komödie durch den Theaterregisseur Jan Zimmermann sehr gespannt.

Die Komödie „Der Geizige“ handelt von einem sehr geizigen Vater (Harpagon), der eine Tochter (Elise) und einen Sohn (Cléanthe) hat. Doch Harpagon liebt sein Geld viel mehr als seine Kinder und interessiert sich nicht für deren Wohl. Aus diesem Grund will er sie auch gegen deren Willen mit sehr alten Personen verheiraten, während er aber mit Marianne eine junge Frau ehelichen will, obwohl sein Sohn in sie verliebt ist.

Das Theaterstück beginnt erst einmal sehr wirr. Es laufen alle Protagonisten der Komödie auf der Bühne wild umher, das Licht flimmert, es werden an fast jedes Möbelstück Preisschilder aufgehängt. Dann beginnt die eigentliche Handlung. Die Geschichte spielt sich die ganze Zeit in einem Zimmer ab, das den Geiz des Vaters widerspiegelt. An den Wänden erkennt man gelöste Tapeten, die den geizigen Vater offenbar nicht stören.

Der verwitwete Vater ist sehr reich, aber auch manisch geizig. Er versucht, überall zu sparen. Das Geld ist ihm wichtiger als seine Familie, der er misstraut. So ändert er ständig das Versteck seiner Geldkassette, hat übertriebene Angst vor einem Diebstahl des Geldes und zählt sein Geld immer wieder nach. Der Vater wird von dem sehr talentierten Darsteller Michael Schwager (sonst von Andreas Köhler) mehr als überzeugend verkörpert, dem wir den paranoiden Geizhals vollends abnahmen. Mit seiner hervorragenden Darbietung bringt er das Publikum ständig zum Lachen, zum Beispiel bei seiner Anlehnung an die Figur „Gollum“ aus „Herr der Ringe“ („Mein Schatz!“). Die Szene, in der „Harpagon“ meinem Mann Vorwürfe machte, er hätte sein geliebtes Geld geklaut, führte auch zu großem Gelächter.

Elise (Ina Gercke) und Cléanthe (Andreas Klopp) sind keine selbstständigen Kinder, sondern eher die Marionetten, Puppen, ihres Vaters. So passt es sehr gut, dass sie oft eine puppenhafte Haltung auf der Bühne einnehmen oder mit ihren roten Wangen so wie Puppen geschminkt sind. Auch die Tatsache, dass die Geschwister wie ihr Vater die Farben Blau tragen, symbolisiert deren Zugehörigkeit zu ihrem Vater. Die Tochter Elise scheint aber im Gegensatz zu ihrem Bruder im Verlauf des Stücks eine signifikantere Selbstständigkeit zu entwickeln. Sie stellt sich ihrem Vater in den Weg und widersetzt sich ihrer Verheiratung mit einem Greis, da sie einen anderen liebt.

Valère ist nicht nur Elises Liebhaber, sondern auch der Verwalter ihres Vaters. Diese beiden Rollen versucht er, unter einen Hut zu bekommen, was ihm aber nicht immer gelingt. So schimpft er mit seiner Geliebten in Harpagons Anwesenheit, weil sie nicht auf ihren Vater hört, und erzürnt damit seine Elise. Vlad Chiriac zeigt sehr gut die Zerrissenheit seiner Figur, die beiden – sowohl der Tochter als auch dem Vater – gefallen will.

La Flèche (Torsten Schnier) ist zwar Harpagons Diener, doch arbeitet er eigentlich für dessen Sohn. Auf sein Gehalt muss er öfters lange warten oder gar verzichten und ist so den Kindern treu ergeben. Der Name „La Flèche“ (Unterschied zum Original) ist hier Programm, da der Diener sehr viele verbale „Pfeile“ in die Richtung seines Herren schießt und sich traut, ihm zu widersprechen.

Frosine (Carsta Zimmermann), eine Gelegenheitsmacherin, ist der Paradiesvogel des Theaterstücks und fällt nicht nur durch die grellen Farben ihrer Anziehsachen auf. Sie ist auf ihr eigenes Wohl bedacht und möchte aus jeder Situation Kapital schlagen, sei es durch Mariannes Verheiratung oder durch ein Leihgeschäft.

Marianne soll aufgrund ihrer Armut Harpagon heiraten, obwohl sie dessen Sohn liebt. Friederike Nölting stellt sie als eine unsichere und an manchen Stellen verängstigte Frau dar, die Harpagon unter keinen Umständen heiraten will. Alle Darsteller verkörpern sehr gut die ihnen zugeschriebene Rolle und überzeugen auf der Bühne.

Ab dem 9. Juni herrschen EM-Preise im Hexenberg, d.h. alle Karten kosten nur 13 Euro. Die 90 Minuten dauernde Komödie (ohne Pause) läuft noch bis Mittwoch, den 29. Juni 2016 im Programm des Pfefferberg Theaters. Mein Fazit: Es ist eine erfrischende Komödie, die nicht nur Molière-Fans zum Lachen bringen wird und daher unbedingt besucht werden sollte! Und das Pfefferberg-Ambiente muss jeder einmal erlebt haben.

Spielzeiten:
Freitag, den 24. Juni 2016, um 19.30 Uhr
Samstag, den 25. Juni 2016, um 19.30 Uhr
Mittwoch, den 29. Juni 2016, um 19.30 Uhr

Weitere Informationen findet Ihr hier:
http://pfefferberg-theater.de/#header
https://www.facebook.com/pfefferberg.theater/?fref=ts

Adresse: Pfefferberg Theater
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin

P.S. Bis zum 23. Juni 2016 kann man in dem Theater zudem auch das Stück „Der zerbrochene Krug“ (Kleist), in dem der Großteil des oben vorgestellten Ensembles spielt, besuchen.

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© E. Günther

 

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