Jewels, die Balletttrilogie – Drei Edelsteine lassen die Deutsche Oper glänzen.

Am Samstag, den 21. Mai 2016, hatte ich die große Ehre, die Premiere von Jewels, die Ballettaufführung des Ausnahmechoreografen George Balanchine, den „Begründer des Neoklassizismus im Ballett“, in der Deutschen Oper zu besuchen.

Die Balletttrilogie besteht, wie der Name schon sagt, aus drei abgeschlossenen Teilen zu der Musik von drei unterschiedlichen Komponisten. In jedem Teil geht es um einen Edelstein, den verschiedene Künstler auf der Bühne tänzerisch darstellen. Drei verschiedene Choreografen waren für die Einstudierung des jeweiligen Edelstein-Tanzes zuständig, die sich dann gemeinsam mit den Balletttänzern nach ihrem Teil auf der Bühne zeigen. Nach jedem Abschluss gibt es eine kurze Pause, in der die Zuschauer sich begeistert über das gerade Gesehene austauschen können.

Der erste Teil befasst sich mit dem Edelstein Smaragd, deswegen tragen auch die Künstler grüne Kostüme, die funkeln. Auch der Vorhang ist grün. Für Balanchine verkörpert dieser Teil nicht nur den Smaragd, sondern auch Frankreich, das Land der Eleganz. Zwei Solopaare, drei Solisten und ein Corps de ballet stellen Smaragde tänzerisch dar. Obwohl jeder im Publikum weiß, dass die Einstudierung dieser Choreografie einer harte Arbeit gewesen sein muss, tanzen die Künstler zur Musik von Gabriel Fauré leichtfüßig und lassen ihre Choreografie leicht erscheinen. Ben Huys hat bei der Einstudierung der Choreografie des ersten Teils alles richtig gemacht.

Der zweite Teil hat als Thema den Rubin. Das Solopaar, die Solisten und der Corps de ballet von Damen und Herren tragen eine rot funkelnde Kleidung, an der Wand sieht man rote Laserstrahlen. Steht der Smaragd-Teil noch für das klassische Ballett, stellt die Rubin-Choreografie eine moderne und schnellere Interpretation des Balletts dar. Der Zuschauer sieht auf der Bühne für das Ballett neuartige Figuren, z.B. das Drehen des Körpers nach vorn. Man glaubt auch Elemente des Tangos in dieser Choreografie zu erkennen. Nach dieser frischen Choreografie zur Igor Strawinskys Musik werden die Tänzer, gemeinsam mit Patricia Neary (für die Einstudierung verantwortlich), am Ende von dem Publikum großartig verabschiedet und für ihre spritzige Interpretation des Balletts belohnt. Der zweite Teil wird von vielen als eine Hommage an Amerika und seine Jazz-Ära interpretiert, obwohl Belanchine das nie bestätigt hat.

In dem dritten Teil dieser Ballettaufführung geht es schließlich um den Diamanten, den die Tänzer zur Peter Tchaikowskys Musik (Sinfonie Nr. 3 D-Dur) federleicht interpretieren. Der dritte Teil zeigt für mich die anspruchsvollste Choreografie, zu der die am Ende dramatisch werdende Musik hervorragend passt. Im Mittelpunkt steht ein Solopaar, das die Zuschauer zu Begeisterungsbekundungen brachte. Begleitet werden sie von einer Gruppe von Solisten und einem Corps de ballet. Die Künstler tanzen wie Schwäne in ihren weißen Kostümen. Die Wand ist diesmal blau und an der Decke hängt eine silberne Deckendekoration. Das Publikum hat die Tänzer des dritten Teils frenetisch gefeiert und wollte die Künstler und die Verantwortlichen (u.a. Sandra Jennings) gar nicht mehr gehen lassen.

Diese Ballettaufführung kann ich jedem empfehlen, sowohl einem Ballettliebhaber als auch einem Ballettneuling. Seit der New Yorker-Premiere im Jahr 1967 wurde Jewels auf allen internationalen Bühnen und in 193 Produktionen getanzt.
Da Jewels, „das erste abendfüllende abstrakte Ballett“, keine Geschichte im herkömmlichen Sinne erzählt, muss man keiner Handlung angestrengt folgen, sondern kann sich ganz auf die künstlerische Umsetzung einlassen. Mal wieder stehen im Mittelpunkt von George Balanchines Choreografie der pure Tanz und die Musik. Die Wahl der Musik ist perfekt ausgesucht und von dem großartigen Orchester unter der Leitung von Robert Reimer hervorragend interpretiert. Auch die vom spanischen Designer Lorenzo Caprile für das Staatsballett Berlin entworfenen Kostüme sind eine Augenweide und symbolisieren in wundervoller Weise die drei Edelsteine.

Mein Fazit lautet: Der erste Teil hat mich entzückt, der zweite Teil überrascht und der dritte Teil begeistert.

An folgenden Tagen habt Ihr die Gelegenheit, Jewels zu sehen:
Mittwoch, den 14. Dezember 2016
Freitag, den 10. März 2017
Freitag, den 24. März 2017
Samstag, den 1. April 2017
Sonntag, den 2. April 2017
Donnerstag, den 6. April 2017

Hier könnt Ihr die Karten reservieren und weitere Informationen erhalten:
http://www.deutscheoperberlin.de/d…/calendar/jewels.13211886

Kontakt: Deutsche Oper
Bismarckstraße 35
10627 Berlin
030 34384343

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© E. Günther

 

Fotos © Carlos Quezada

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