Der Name der Rose (Umberto Eco) im Kloster Chorin

Da mein Schwiegervater im Moment Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ begeistert liest und meine Schwiegermutter die Verfilmung mit Sean Connery liebt, habe ich mich sehr darüber gefreut, dass das Berliner Kriminal Theater das Theaterstück „Der Name der Rose“ in seinem Programm hat und habe gleich drei Karten für das Stück geholt. Die Tatsache, dass das Ganze im Kloster Chorin, einem ehemaligen Zisterzienserkloster, stattfinden sollte, versprach zudem Großes.

Am Freitag, den 27. Mai 2016, war es dann auch soweit und nach einer fast 1,5-stündigen Fahrt von Berlin nach Chorin kam ich schließlich am Kloster Chorin an. Das Kloster Chorin wirkt sehr beeindruckend und ist oft ein Austragungsort für Konzerte und Veranstaltungen. Auf der Bühne stand ein Sarg und eine übergroße Bibel. Zusammen mit den großen Klosterfenstern ergab es ein imposantes Bild. Sofort fiel mir auf, dass in dem Publikum auch sehr viele junge Zuschauer saßen, was mich sehr überraschte, da ich das bei dem schweren Thema nicht erwartet hätte.

Um 19.30 Uhr begann das Theaterstück und es ertönte eine kirchliche Musik und eine männliche Stimme sprach aus dem Hintergrund zu uns. Die ersten Protagonisten kamen auf die Bühne und sofort wurde – für die wie ich weder den Roman gelesen noch den Film gesehen haben – die Ausgangssituation offensichtlich: Ein Mönch wurde in dem Kloster ermordet und nun beerdigt. Vier weitere Morde sollten noch folgen. Aus diesem Grund kommt der englische Franziskaner William von Baskerville (Matti Wien) mit seinem Novizen Adson von Melk (Felix Isenbügel) in das Kloster, er soll die Morde aufklären.

Von Anfang an wird klar, dass hier zwei Kirchen- und zwei Weltbilder aufeinander treffen. Zum einen stehen sich hier die Franziskaner und zum anderen die Benediktiner mit ihren unterschiedlichen Auffassungen von der Kirche gegenüber. Während die Franziskaner für das ursprüngliche Christentum, das nicht nach Reichtum strebt, stehen, verkörpern die Benediktiner das Streben der Kirche nach Macht und Reichtum. Auch prallen hier zwei Weltbilder aufeinander. Während einige neben ihrer Ergebenheit an Gott auch an die Lehren des Aristoteles glauben, vertreten andere den rigorosen Glauben, der das Lachen verbietet und in Aristoteles einen Ketzer sieht. Aus diesem Grund bleibt die Bibliothek in dem Kloster auch für viele Mönche gesperrt.

Umberto Eco kritisiert in seinem Roman die Kirche, was wundervoll im Theaterstück umgesetzt wird. Viele Themen werden in den 2,5 Stunden kritisch angesprochen: die (sexuelle) Ausbeutung der Armen durch die Kirche, Armut der Bevölkerung im Kontrast zum Reichtum einiger Kirchenvertreter, Inquisition und Folter, Vollstreckung der Todesstrafe ohne einen fairen Prozess, die Suche nach der Wahrheit, Selbstgeißelung, Alkohol und andere Vergnügungen der Mönche und der herzlose Umgang mit den Armen, die die Abfälle als Essen bekommen.

Doch wer glaubt, dass eine so schwere Kost einen erschlägt, der irrt sich, da es sehr viele komödienhafte Elemente im Theaterstück gibt: Williams Vergrößerungsgläser führen zum Erstaunen bei den anderen Mönchen. Nach dem Ausruf „Zum Teufel“ im Kloster muss sich William sofort bekreuzigen.

Auch die sehr gute Darstellung der unterschiedlichen Charaktere und ihre Entwicklung lassen nie Langeweile beim Zuschauer aufkommen.
William von Baskerville verkörpert das aufgeklärte und barmherzige Christentum, das selbst einen „weltlichen“ Fehltritt verzeiht. Doch selbst er zeigt am Ende mit dem Ausruf „Gott, wo bist du?“ Zweifel, ob einen Gott gibt. Sein Novize entwickelt sich von einem schüchternen und ängstlichen jungen Mann zu einem selbstbewusst werdenden Mann.

Auch andere Darsteller überzeugen: Mattis Nolte spielt perfekt den verrückt wirkenden Salvatore, der eine Mischsprache aus dem Deutschen, dem Italienischen, dem Englischen und dem Französischen spricht und später das arme Bauernmädchen (Maria Jany) zum Sex zwingt. Gert Melzer und Karl-Heinz Barthelmeus verkörpern mit ihren Figuren des Jorge von Burgos und des Abtes perfekt die strenge Vorstellung des Glaubens. Die Figur des sich geißelnden Berengars (Wolfram von Stauffenberg) bringt einen öfters zum Lachen.

Das Theaterstück endet mit einem Zitat Immanuel Kants, dem großen Philosophen der Aufklärung, die viel später folgen wird: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ein Plädoyer dafür, trotz seiner Ergebenheit an Gott nicht die Augen vor der Wahrheit zu verschließen und seinen eigenen Verstand zu gebrauchen.

Dem Regisseur Wolfgang Rumpf gelingt es hervorragend, eine große Spannung in dieser Geschichte des Mittelalters entstehen zu lassen, die das ganze Theaterstück über bleibt. Es ist auch ein großer Coup des Kriminal Theaters, „Die Name der Rose“ in einem, in so einem, Kloster aufführen zu lassen. Das Theaterstück hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer, was an der Aktualität der Geschichte, den überzeugenden Charakteren und an der großartigen Kulisse liegt.

Kloster Chorin
Amt Chorin 11a
16230 Chorin
033366 70377
http://www.kloster-chorin.org/

Das Theaterstück wird im Auftrag des Berliner Kriminal Theaters aufgeführt:
Berliner Kriminal Theater
Palisadenstraße 48
10243 Berlin
030 47997488
http://www.kriminaltheater.de/

Ein paar praktische Hinweise: Das Kloster ist zwar überdacht, aber an den Seiten offen. Da es abends etwas kühl wird, rate ich, eine Jacke und vielleicht ein Halstuch mitzunehmen. Kostenlose Parkplätze findet man auf dem klostereigenen Parkplatz. Kleinigkeiten zum Essen (belegte Brötchen, Würstchen) und warme Getränke können käuflich erworben werden.

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© E. Günther

 

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