Carmen – eine Musiktheater-Schlacht von glanz&krawall

Mein Mann und ich achten bei der Wahl der zu besuchenden Veranstaltungen darauf, dass wir nicht nur Karten für die großen Produktionen kaufen, sondern dass wir uns auch kleine und noch nicht sehr bekannte Programme anschauen, da wir die Künstler gerne von Anfang ihrer Laufbahn an fördern wollen. Zudem trauen sich kleine Produktionen auch, mehr provokantere Themen anzusprechen als die großen Theater, da sie kein finanzielles Korsett tragen müssen.

Durch einen Zufall haben wir von dem für uns noch unbekannten Theater Theaterdiscounter erfahren und nach Durchsicht des Programms haben wir uns schließlich für das Theaterstück „Carmen-eine Musiktheater-Schlacht von glanz&krawall“ entschieden, das wir am Samstag, den 27.02.2016, besucht haben.

Bevor ich Euch über das Theaterstück berichte, noch ein paar Worte zum Theater. Das Theater Theaterdiscounter befindet sich in der 2. Etage eines auf den ersten Blick unscheinbaren Gebäudes. Das Foyer hat einen Wohnzimmercharakter, der einen zu ungezwungenen Gesprächen verleiten lässt. Gleich nebenan befindet sich auch die Bar. Eine Garderobe konnte ich nicht entdecken, was nicht schlimm ist, da man seine Anziehsachen auch auf seinen Stuhl hängen kann. Besonders die Raucher dürfte der Besuch im Theaterdiscounter sehr freuen, da man im Foyer auch rauchen darf.

Um ca. 20 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass wir in den Raum der Theateraufführung reingehen können. Die reservierten Plätze waren nicht nummeriert, wir hatten aber trotzdem das Glück, Platz in der 1. Reihe nehmen zu dürfen. Dies sollte aber nicht von langer Dauer sein. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Auf der Bühne befanden sich schon die Musiker, die einen wichtigen Part im Theaterstück darstellen. Das talentierte Kinderinstrumenten-Orchester, so nennen sich die Musiker selbst, bestand aus drei Frauen (Sua Baek, Marielle Sterra, Anne Wolf) und aus zwei Herren (Robert Grädener, Dennis Depta). Die Musiker spielten auf Kinderinstrumenten und brachten durch den ironischen Einsatz einiger Musikstücke, zu denen ich nichts verraten möchte, das Publikum zum Schmunzeln.

Nach einer Weile kam auch schließlich die Protagonistin (Flora Pulina) mit einem Buch über die Oper „Carmen“ auf die Bühne. Nach einigen ungläubigen Blicken begann sie, aus dem Buch vorzulesen und die Figuren bzw. die in der Oper vorkommenden Instrumente zu nennen, nur um danach festzustellen, dass nicht alle Instrumente in dieser Form auch auf der Theaterbühne vorhanden waren.

Anschließend forderte uns die Hauptakteurin auf, uns von unseren Sitzplätzen zu erheben und hinter den Bühnenvorhang zu kommen, um dort im Schneidersitz Platz zu nehmen – etwas, was man von einem Theater sonst nicht kennt. Überhaupt bricht dieses Theaterstück mit allen Klischees und Erwartungen, die man hat, wenn man zu einem Carmen-Theaterstück geht. Alle Beteiligten trugen dieselben grauen Anzüge, um schon von vornherein zu demonstrieren, dass man hier keine typischen Frauen- bzw. Männerbilder erwarten darf. Die Hauptdarstellerin war keine rassige und vollbusige Frau. Der Zuschauer blieb nicht das ganze Theaterstück über auf seinem Stuhl kleben, sondern musste seine Sitzposition zweimal wechseln und sich beim Sitzen mehrmals drehen, was die Stimmung zusätzlich auflockerte. Flora Pulina zeigte eine Szene aus der bekannten Oper auf einem Fernseher, um diese Szene danach mit einem Zuschauer nachzuspielen.

Zwar bin ich sonst kein Fan von Absurditäten in Theaterstücken oder in Filmen, doch hat mich dieses Theaterstück von Anfang an gepackt. Dies lag neben der überzeugenden Leistung des Kinderorchesters auch an der großartigen Darstellung der Flora Pulina, die unter vollem Körpereinsatz (der sicherlich nach dem Stück einige Körperteile schmerzen ließ), ihrem breiten Mimikrepertoire, ihrem komödiantischen Talent und ihrer Rapeinlage einen das ganze Stück über zum Lächeln brachte. Diese Rolle der leicht verrückten und extrovertierten Carmen schien der Darstellerin auf den Leib geschnitten zu sein.

Uns hat das Theaterstück sehr gefallen und wir drücken dem jungen und dynamischen Ensemble die Daumen, dass wir noch viel von ihm hören und sehen werden.
Klosterstrasse 44
10179 Berlin.
tickets@theaterdiscounter.de
030/28093062

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© E. Günther

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