„Warten auf Godot“ im Deutschen Theater

Warten ist inzwischen zur Hauptbeschäftigung des modernen Menschen geworden. Ständig warten wir auf etwas, egal, ob auf den Arzt, die Bahn oder einen wichtigen Rückruf.

Und um dieses Thema kreist auch der Klassiker „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett (1953 uraufgeführt), der von dem bulgarischen Regisseur Ivan Panteleev neu inszeniert wurde.
Am Sonntag, den 24. Januar, haben mein Mann und ich dieses Theaterstück im Deutschen Theater gesehen und im Folgenden berichte ich von meinen Erfahrungen.

Zwar leben wir schon so lange in Berlin, doch waren wir erst zum ersten Mal im Deutschen Theater, das durch seine Kronleuchter und die dominierende Farbe Rot an einen Salon erinnert. Besonders gastfreundlich fanden wir es, dass man nichts für die Garderobe zahlen musste – etwas, was man nur noch selten in Berlin findet.

Um 14 Uhr begann schließlich das an diesem Tag gut besuchte Theaterstück. Wir saßen in der 6. Reihe und hatten somit eine sehr gute Sicht auf das Bühnengeschehen. Eine Zeit lang passierte gar nichts auf der Bühne. Nur ein Tuch lag auf der Bühne und schien sehr langsam in die Mitte der Bühne, einen Krater, gezogen zu werden. Während dieses langsamen Spiels mit dem Tuch veränderten sich immer wieder die Lichtverhältnisse auf der Bühne, von Hell zu Dunkel und umgekehrt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erschienen endlich die beiden männlichen Protagonisten des Theaterstücks: Estragon (Wolfram Koch) und Wladimir (Samuel Finzi). Beide Figuren hatten ein heruntergekommenes Aussehen und schienen vom Leben gekennzeichnet zu sein. Beide Männer warteten auf Godot, der offenbar die Lösung ihrer ganzen Probleme darstellte. Sie wussten aber nicht, wie Godot aussah und so warteten sie an mehreren Tagen vergeblich auf Godots Erscheinen. Die Wartezeit überbrückten die beiden Hauptfiguren durch sinnlose Gespräche und durch Spiele mit einem Phantomball oder einem Phantomhut. Später erschienen noch die anderen zwei männlichen Charaktere des Stücks: Lucky (Andreas Döhler) als Knecht und Pozzo (Christian Grashof) als sein Herr, deren Erscheinen die Absurdität der „Handlung“ nur noch ins Extreme steigern ließ.

Bis zum Ende des Theaterstücks wurde die Identität Godots nicht geklärt. Die Zuschauer erfuhren nicht, wer Godot war und warum die beiden Hauptfiguren auf ihn warteten. So erhielt Godot einen Messiascharakter und stellte den Wunsch der Menschen nach Erlösung dar.

Das Theaterstück dauerte 2 Stunden und 15 Minuten (ohne Pause) und war für mich ein wenig zu absurd. Bei dem restlichen Publikum führten die absurden Szenen jedoch zu einem lauten Gelächter und einem begeisterten Applaus am Ende, was sicherlich auch an der großartigen Darstellung der Theaterdarsteller lag. Es ist bestimmt nicht leicht, über zwei Stunden lang sinnlose Szenen zu spielen, über die Bühne schnell zu rennen und dabei bis auf das Tuch auf keine Requisiten zurückgreifen zu können. Das erfordert ein großes schauspielerisches Können.

Adresse: Deutsches Theater Berlin
Schumannstrasse 13
10117 Berlin

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© E. Günther

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