Elisabeth – das erfolgreichste deutschsprachige Musical aller Zeiten

Jedem ist der Name „Sissi“ ein Begriff, jeder hat schon einmal die Filmreihe gesehen oder sie in der Werbung wahrgenommen. In dieser Filmreihe wird Sissi als eine glückliche Frau dargestellt, die eine romantische Ehe mit Kaiser Franz voller Liebe und Harmonie führt. Doch war das Leben der Kaiserin Elisabeth wirklich so schön und romantisch, wie es in den Filmen dargestellt wird? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Aus diesem Grund zeigt das Musical von Michael Kunze und Silvester Levay endlich Sissis wahre Geschichte und zerstört das kitschige Bild, das so viele von der jungen Kaiserin haben.

Das Musical zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals aller Zeiten, wurde in sechs Sprachen übersetzt und begeistert jedes Mal sein Publikum auf Neue. Schon vor acht Jahren wollte ich „Elisabeth“ in Berlin sehen, habe es aber leider nicht geschafft. Umso glücklicher war ich, als „Elisabeth“ im Jahr 2016, als Inszenierung von Harry Kupfer, wieder nach Berlin kam, diesmal in den Admiralspalast. Und diesmal kam ich sogar in den Genuss, das Musical, gleich zweimal sehen zu dürfen: einmal in meiner Funktion als Bloggerin und einmal privat. Im folgenden Text gehe ich auch auf meine Erfahrungen an diesen beiden Tagen ein.

Im Rahmen meiner Bloggertätigkeit wurde ich mit anderen Bloggern ausgewählt, um über das Musical schreiben zu dürfen. Pünktlich um 17.15 Uhr haben sich alle Blogger und die Veranstalter im Foyer des Admiralspalastes getroffen. Zur Begrüßung gab es eine Sissi-Schokolade, einen Stick mit Videos zum Musical und eine Pressemappe, die Informationen rund um das Musical, darunter die Auflistung der einzelnen Szenen und die Namen der an dem Tag spielenden Besetzung, enthielt. Auf der Liste mit den einzelnen Szenen war zudem vermerkt, bei welchen Szenen die Blogger Fotos – ohne Blitz- machen durften.

Nach der Begrüßung sind wir in den Saal gegangen, wo wir an der Probe teilnehmen durften. Die Veranstalterin nahm sich für uns viel Zeit, um uns die wichtigsten Informationen zum Musical zu erzählen und um uns die Bühne und den Backstagebereich näher zu zeigen. Wir erfuhren, dass das Gesamtteam des Musicals aus 80 Leuten bestand, davon waren 32 Darsteller. In dem Orchester spielten 17 Musiker. In dem Backstagebereich, zu dem ich noch kommen werde, wurden 646 Kostüme gelagert, mit einem Wert von fast einer Million Euro. Die Veranstalterin erzählte uns auch, dass in der Regel sechs bis acht Wochen vor einer Musical-Premiere die Musicaldarsteller mit den Proben beginnen.

Nach der sehr informativen Darstellung einzelner Aspekte duften die Blogger auf die drehbare Bühne und konnten am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, eine Geschichte gesanglich und tänzerisch darzustellen, wenn sich zwei Drehscheiben der Bühne dabei drehen.

Der anschließende Besuch des Backstagebereiches im Vorfeld des Musicals hat mich sehr begeistert. Wir haben die Blackboxen der Damen und Herren besucht und die zahlreichen Kostüme, Perücken und Requisiten bestaunen dürfen (siehe Fotos). Auch waren wir live dabei, als eine Darstellerin gerade frisiert und geschminkt wurde.

Um 19.30 Uhr begann auch endlich das Musical, in dem Lucheni, Elisabeths Attentäter, Sissis wahre Leben rückblickend erzählt. Und da das Leben bekanntlich die interessantesten Geschichten schreibt, werden im Musical die noch heute aktuellen Themen angesprochen: Liebe, Verrat, Eifersucht, Krieg, eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung etc.

Am meisten hat mich an dem Musical die Darstellerin der Elisabeth, Roberta Valentini, begeistert. Abgesehen von ihrer einzigartigen Stimme, spielte sie ihre Rolle fantastisch. Sowohl mit ihrer Stimme als auch mit ihrer Körperhaltung und ihrer Mimik zeigte sie, wie sich Elisabeth im Laufe ihres Lebens verändert hat. Man konnte hier von vier Phasen sprechen, die Elisabeth dank Valentinis großartiger Darstellung durchlief: Anfangs noch das naive und sorgenlose Mädchen, das an die Liebe und die Freiheit glaubte, musste Elisabeth schnell erkennen, wie hart und einsam das Leben am Hof sein kann. Die Abweisung und Kälte ihrer Schwiegermutter wirkte sich negativ auf ihre Ehe zu Franz aus und ließ sie noch mehr verzweifeln, als man ihr die Erziehung ihrer Kinder versagte. Doch Elisabeth schöpfte nach einiger Zeit wieder Lebensmut und tratt als eine starke Frau auf, die wusste, was sie wollte -um nur später, durch Schicksalsschläge in ihrer Familie bewirkt, zu resignieren und als eine gebrochene Frau zu erscheinen. Alle vier Phasen nahm ich als Zuschauerin der Darstellerin ab. Man merkte, wie Valentini in ihrer Rolle aufging.

Auch hat mich die Darstellung der Schwiegermutter durch die Musical-Darstellerin Maike Katrin Merkel sehr überzeugt. Sie hat nicht nur eine sehr kraftvolle Stimme, sondern brillierte in der Rolle einer herzlosen und strengen Schwiegermutter, die selbst vor Intrigen nicht zurückschreckte, um ihren Sohn noch mehr an sich zu binden.

Wie ich an dem Applaus an beiden Tagen feststellen konnte, konnte auch Maté Kamarás, der den zu jeder Zeit präsenten Tod verkörperte, das Publikum begeistern. Wie eine Schlange kreiste der Tod ständig um Elisabeth und wollte sie verführen, bis er am Ende endlich das bekam, was er wollte: ihren Tod.

Und natürlich spielte sich auch der kleine Rudolf, gespielt von dem süßen Lion Rückert, in die Herzen der Zuschauer, die seine Darstellung mit einem tosenden Applaus honorierten.
Aber auch die anderen Darsteller überzeugten mit ihrem Gesang, mit ihrer schauspielerischen Leistung und ggf.auch mit ihrem Tanz.

In dem Musical gibt es drei Lieder, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind: Zum einen das wundervolle Lied „Ich gehör nur mir.“, das voller Hingabe von Valentini gesungen wurde und beim jedem Zuhören Gänsehaut bei mir verursachte. Das zweite Lied, das mir aufgrund des Gesangs und der Melodie sehr gefällt, ist „Eine Kaiserin muss glänzen.“, das von Sophie, der Schwiegermutter, und anderen Hofdamen gesungen wird. Und zu guter Letzt ist das Lied „Der letzte Tanz“ zu einem Ohrwurm geworden. Dieses Lied wird unter anderem von Maté Kamarás, der den Tod verkörperte, gesanglich zum Besten gegeben.

Zu dem Bühnenbild und dem Einsatz der Requisiten ist Folgendes zu schreiben: Die Kostüme waren alle wahrheitsgetreu der damaligen Zeit und der Hofgesellschaft nachempfunden. Der Regisseur löste das Problem der kleinen Bühne im Admiralspalast hervorragend, indem er die einzelnen Möbel und Requisiten oft herausfahren und wieder hinter die Bühne – durch den Einsatz der Drehscheiben- fahren ließ. Auf der Wand wurden zudem zu der jeweiligen Szene passende Landschaften, aber auch historische Bilder eingeblendet.

Außerdem wurde im Musical sehr viel mit Symbolen gespielt: So trat der Tod in der Farbe Weiß auf, wenn sich Elisabeth nach ihm sehnte. In Schwarz erschien er, wenn er nicht mehr Erlösung, sondern Gefahr darstellte und nicht erwünscht war. Auf dem Totenbett lagen im Laufe des Musicals jeweils die zwei Figuren, die später im Musical tragisch sterben mussten. Der Attentäter hielt in einer Szene einen weißen Handschuh zwischen seinen Beinen, um auf das sexuelle Verlangen des Mannes hinzuweisen.

An dieser Stelle möchte ich auch die Reaktion des Publikums nach einer bestimmten Szene loben. Wie üblich gab es nach jeder Szene einen Applaus für die Darsteller, um die Kunst und die harte Arbeit der Darsteller zu würdigen. Nach einer Szene war es jedoch – zum Glück – anders: In einer Szene sah man die Nationalisten aufmarschieren und antisemitische Parolen verbreiten. Nach dieser Szene klatschte die Mehrheit im Publikum nicht. Nicht, weil sie die genaue Darstellung nicht zu schätzen wusste, sondern weil sie die Parolen der damaligen Zeit nicht unterstützte. Vielleicht auch in dem Bewusstsein, dass diese Szene wieder an Aktualität, wenn auch in anderer Form, gewonnen hat.

Nach dem Musical hatten die Blogger die Gelegenheit, sich kurz mit den Hauptdarstellern zu unterhalten und Fotos von ihnen zu machen. Die Hauptdarsteller zeigten sich von ihrer lustigen Seite und wirkten sehr bodenständig. Auf die Frage eines Bloggers, was bei einem Musical alles schief gehen könne, antwortete der Tod-Darsteller: „Seinen Einsatz zu verpassen.“

Am Tag darauf war ich noch einmal mit einer sehr guten Freundin in dem Musical und konnte das Musical diesmal sogar noch mehr genießen. Ich kann jedem das Musical empfehlen-vor allem den Musicalfreunden, die sich für die Geschichte und die Figur Elisabeth interessieren. Es war ein sehr schöner Abend mit hervorragenden Darstellern und schönen Liedern.

 

 

 

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© E. Günther

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