Atemlos @ Wintergarten Varieté

Ein wenig sexy, ein wenig burlesk – das ist Wintergarten Varieté.

Der 1888 eröffnete Wintergarten erzeugt durch die Wahl der Farben Rot und Schwarz eine etwas verruchte Atmosphäre. An den Wänden des Festsaals werden früher verwendete Kostüme ausgestellt, so kann man sich einen Überblick über vorrangige Shows machen.

Wir haben uns aufgrund der interessanten Beschreibung für die Show „Atemlos“ entschieden und da die Liebe bekanntlich durch den Magen geht, haben wir im Vorfeld ein 3 Gänge-Menü bestellt.
Um 19 Uhr durften die Gäste, die ein Menü gebucht haben, in den Speisesaal gehen und an ihrem Tisch Platz nehmen. Wir hatten einen Tisch in der zweiten Reihe, was einen sehr guten Blick auf die Bühne garantierte. An unserem Tisch hätten sechs Personen Platz gehabt. Aber da ein Paar krankheitsbedingt nicht kommen konnte, hatten wir viel Platz.
In dem Speisesaal ist mir sofort der große Kronleuchter aufgefallen. Uns war klar, dass später einer der Artisten sein Programm an dem Kronleuchter zeigen wird.

Um 19.10 Uhr wurde dann auch der 1. Gang serviert: eine Cremesuppe von Sieglinde und Porree-abgeschmeckt mit Majoran – und eine Steinpilz-Nudeltasche. Als 2. Gang konnte man zwischen zwei Speisen (darunter eine vegetarische Variante) wählen. Während mein Mann sich für eine knusprige Brandenburger Entenbrust auf eigener Jus an hausgemachtem Rotkohl mit Kartoffelklößen entschieden hat, habe ich hausgemachte Kürbisravioli mit Amarettini mit Mandel-Brokkoli in Orangen-Rosmarinsauce gewählt. Die Nachspeise (ein fruchtiges Zitronen-Baisertörtchen, Brioche mit Vanillefüllung und Cake vom Lebkuchenmousse an Amarettokirschen dazu Krokant und ein Gruß vom Wintergarten) wurde dann später in der Pause serviert.

Um 20.10 Uhr begann die Show, von der wir noch heute begeistert sind.
Die Showprogramme der Artisten, zu denen ich noch später kommen werde, wurden von zwei Sängern begleitet: Tim Wilhelm, ein junger Jürgen Drews, und Kayna, die deutsche Olivia Wilde. Beide Sänger hatten zwei starke Stimmen und wussten es, die Zuschauer durch ihre Mimik und Körpersprache zu unterhalten. Es wurden sowohl Schlager als auch ältere deutsche Lieder (z.B. Falcos „Amadeus“) gesungen und dabei neu interpretiert, so dass auch jüngere Zuschauer angesprochen wurden. Die Crossover oder die schnellen Wechsel zwischen den Songs, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen (z.B. Rammstein und Schlager), hatten einen gewissen Charme. Zudem wurden die Songtexte immer auf die jeweilige Darbietung angepasst: So wurde z.B.während des Bauchtanzes „Schüttel den Speck“ gesungen.

Es gibt allerdings auch einen Kritikpunkt, den mein Mann und ich an der Auswahl eines (!) Liedes äußern müssen. Während des Programms der hübschen und jungen Rimma Griadunova wurde das Lied „Jeanny“ (Falco) gesungen. Die Entscheidung für dieses Lied müssen wir leider kritisieren. Der sehr talentierte Falco singt in dem Lied über einen pädophilen Mann und sein Opfer, ein junges Mädchen. Aus diesem Grund hat so ein Lied nichts in dem Showformat, wo ein junges Mädchen sich verrenkt, verloren. Der zu Recht für die Künstlerin stattfindende Beifall erzeugte aufgrund der Aussage dieses Liedes ein komisches Gefühl.

Das war aber auch die einzige Kritik an der Musik. Vor allem hat uns das Lied „Schrei nach Liebe“ (Ärzte) am Ende der Show begeistert. Die Botschaft des Liedes und des Sängers war klar: Die Show brillierte durch ihre internationalen Künstler. Vielfalt ist nicht nur im Künstlertum wichtig, sondern in der gesamten Gesellschaft.

Auch fanden wir es schön, dass Lea Tatu, die sympathische Background-Sängerin, am Ende alleine singen durfte und so ihr Gesangstalent unter Beweis stellen konnte.

Neben der Musik, die eine wichtige Rolle in der Show spielte, bestach das Programm auch durch zahlreiche Artisten, zu denen ich im Folgenden kommen werde.

Die Show wurde von der russischsprachigen Künstlerin Viktoria Lapidus eröffnet, die mit ihren goldenen Hula Hoop-Reifen ein schnelles Programm zeigte und mit ihrer positiven Art die Zuschauer ansteckte. Ich fand es sehr schön, zu sehen, dass eine korpulente Frau sich sexy präsentiert und sich in ihrem Körper wohlfühlt. Auch am Ende der Show, wenn alle Künstler auf die Bühne kamen, gehörte sie zu den Wenigen, die Gas gaben und voller Freude tanzten.

Der zweite Künstler gehörte zu unseren (und zu den unserer Tischnachbarn) Lieblingen: Enrico Annaev. Der Ausnahmejongleur bewies, dass Jonglieren nicht langweilig sein muss und dass man mit dem Jonglieren noch viele neue Kunststücke zeigen kann. Annaev jonglierte in jeder Position und zu jeder Gelegenheit: beim Tanzen, auf dem Stuhl, unter dem Tisch, mit dem Fuß. Nach seinem Showprogramm habe ich von vielen Zuschauern nur eine Reaktion gehört: „Was für ein tolles Programm, ich will mehr von ihm sehen!“

Nach dem Jongleur kam auch endlich der Kronleuchter zum Einsatz, der eigentlich nur nebensächlich wirkte, wenn man sich die wunderschöne Künstlerin Emily Kinch anschaute, die sexy an dem Kronleuchter hing und eine einmalige Luft-Akrobatik-Performance darbot.

Nach dieser tänzerischen Anmut, gepaart mit kraftvoller Ästhetik, kam eine verschleierte Frau auf die Bühne. Doch wurde der Zuschauer aufgrund seiner entstandenen Erwartungshaltung getäuscht, denn es war keine Frau unter dem Schleier, sondern ein Mann. Diva Tomasz, so der Künstlername, zeigte eine Bachtanznummer, die sich gewaschen hat und die ich so noch bei keiner Frau gesehen habe.

David Confal war der Nächste auf der Bühne. Meine anfängliche Skepsis, mit Diabolos könnte man nichts mehr Neues darstellen, wich schnell der Begeisterung. Mit seinen Diabolos, die er in einer unglaublichen Schnelligkeit und technischer Präzision durch die Luft wirbelte, unterhielt er die Zuschauer auf einem hohen Niveau.

Nach Confal begeisterte uns ein weiterer Künstler: Vitaly Ostoverhov, der irgendwie alles konnte: Pantomime, Einrad fahren auf einem dünnen Seil und dabei noch Jonglieren. Der durch seine Mimik und die entsprechende Schminke traurig wirkende Künstler zauberte aber mit seinem qualitativ hochwertigen Programm dem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht.

Hm…Wir hatten schon lange Diva Tomasz nicht gesehen! Aber noch einmal Bauchtanz? Kein Problem, die Diva konnte auch anders; z.B. mit ihrem Serpentinentanz Bilder zum Träumen erzeugen.

Nach diesem bilderreichen Programm kam die Artistin Rimma Griadunova auf die Bühne. Die so zierlich wirkende Künstlerin präsentierte aber ein kraftvolles Programm. Mit ihren lasziven Bewegungen und körperbetonten Figuren verführte sie den Zuschauer und zog ihn (und sie) in ihren Bann.

Am Ende der Show der Artisten zeigte der Act „At Moonlight“, bestehend aus den Künstlern Anna, Sergey, Alex und Pavel, warum er zu dem Highlight meines Mannes in der Show gehörte: Ohne irgendwelche Sicherungen wirbelten die drei Männer die kleine Anna mit einer überragenden Leichtigkeit durch die Luft und zeigten ein Programm, das einem den Atem raubte.

Was mir an allen Künstlern aber am meisten gefallen hat, war, dass man jedem auf der Bühne die Freude und die Liebe zur Artistik anmerken konnte. Und das hat mich begeistert.

Also falls die Show wieder in den Wintergarten kommen sollte, müsst Ihr sie unbedingt sehen!

 

 

 

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© E. Günther

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